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Online-Einmaleins der Klimapolitik

11. Dezember 2008

WWF-Weltklimarechner weist UN-Klimakonferenz den Weg zum Verhandlungserfolg

 

Berlin, 11. 12. 2008 - Zur Ankunft der Umweltminister auf der UN-Klimakonferenz im polnischen Posen startet der WWF heute im Internet den WWF-Weltklimarechner.  Das neue interaktive Online-Angebot unter www.wwf.de/weltklimarechner rechnet dem deutschen Umweltminister Sigmar Gabriel und seinen Kollegen aus über 180 Ländern mit wenigen Mausklicks vor, welche Beschlüsse nötig sind, um den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperaturen bis zur Mitte des Jahrhunderts auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.

 

Mit dem WWF-Weltklimarechner können Besucher der WWF-Internetseite ermitteln, um wie viel die zehn Staaten mit dem größten Treibhausgasausstoß und die Europäische Union ihre Emissionen bis 2020 und 2050 senken müssen, um den Klimawandel zu bremsen. Voreingestellt sind zwei alternative Szenarien: „Wir handeln“ oder „Wir handeln nicht“. In einer dritten Variante können die Nutzer für jeden Staat gesondert Einstellungen vornehmen und so ihr eigenes Szenario einstellen. Jedes Szenario kann anhand einer interaktiven Diashow zu den möglichen Klimafolgen und anschaulichen Grafiken zur Veränderung des globalen Treibhausgasausstoßes sowie zum zukünftigen Pro-Kopf-Ausstoß der Länder detailliert ausgewertet werden.

 

Damit wird einem breiten Publikum verdeutlicht, um was es bei den derzeit stattfindenden internationalen Klimaschutzverhandlungen geht. Der Rechner zeigt eindrücklich, dass alle Staaten gefordert sind, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Derzeit laufen die Verhandlungen sowohl über das EU-Klimapaket, als auch bei den UN-Verhandlungen in Posen nach Einschätzung des WWF jedoch in die falsche Richtung. Die passive Haltung, die von den Delegationen der reichen Industrieländer während der ersten Hälfte der UN-Klimakonferenz an den Tag gelegt wurde, drohe die Verhandlungen über ein globales Klimaschutzabkommen zu ruinieren.

 

„Die Minister der reichen Industriestaaten müssen ihr lähmendes Schweigen der ersten Woche brechen und signalisieren, dass sie bereit sind, sich ambitionierte Reduktionsziele zu setzen und die Entwicklungsländer ausreichend zu unterstützen.“ fordert Regine Günther, Leiterin des Bereichs Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland. Es sei dringend nötig, dass die Industrieländer konkrete Vorschläge zur Finanzierung von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungsländern auf den Tisch legten, um noch Dynamik in die Verhandlungen zu bringen.

 

Angesichts der drohenden Gefahren des Klimawandels sei es zudem unverantwortlich, dass Länder wie Japan, Kanada, Russland und Australien sogar versuchten, die Reduktionsziele der Industrieländer zu schwächen. Sie blockierten den Einbezug einer Stellungnahme, welche das in Bali 2007 verabredete Ziel der Industrieländer, die Emissionen von Treibhausgasen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent zu senken, unterstrichen hätte.  „Das  Abschlussdokument von Posen darf nicht hinter die Beschlüsse von Bali zurückfallen, sondern muss sie stärken und  weiter entwickeln“, sagte Regine Günther, Leiterin des Bereichs Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland. Der WWF-Weltklimarechner zeige anschaulich, dass eine Senkung der Emissionen von -25 bis -40 Prozent bis 2020 und von -95 Prozent  bis 2050 durch die Industrieländer unabdingbar sei, um den Klimawandel wirksam zu bremsen.

 

Zu den notorischen Bremsern Kanada, Japan und Russland hätten sich in diesem Jahr auch die Mitgliedsländer der Europäischen Union gesellt. Die EU liefe bei den parallel stattfindenden Verhandlungen im EU-Ministerrat zum EU-Klimapaket Gefahr, auf große Versprechen keine Taten folgen zu lassen. Unter tatkräftiger Mithilfe von Deutschland würde derzeit eines der Herzstücke der europäischen Klimaschutzpolitik, der Emissionshandel zerlegt. „Bundeskanzlerin Angela Merkel sendet mit ihrer „Klimaspar-Politik“ die falschen Signale an die deutsche Industrie. Klimaschutz und Arbeitsplätze sind kein Gegensatz, sondern gehören zusammen“, betont Regine Günther. „Deutschland sei maßgeblich daran beteiligt, ein zukünftiges internationales Abkommen zu unterlaufen. Ohne  starkes EU-Klimapaket rücke ein anspruchsvolles internationales Klimaschutzabkommen in weite Ferne.“

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