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Ostsee-Pipeline: NordStream verharmlost Umweltfolgen

06. Mai 2009

WWF warnt vor ökologischen Folgen der Ostsee-Pipeline. / Nord Stream-Bericht verschleiert Risiken des Projekts.

 

Frankfurt - Im laufenden Genehmigungsverfahren zur Umweltverträglichkeit der geplanten Gaspipeline durch die Ostsee warnt die Umweltstiftung WWF vor einer falschen Bewertung der ökologischen Risiken. „Der aktuelle Nord Stream-Bericht beruht an vielen Stellen auf nicht belegbaren Annahmen, die wir als reine Spekulationen bezeichnen müssen“, sagt Jochen Lamp, Leiter des WWF-Ostseebüros. „Die Faktenlage ist entweder unzureichend oder wird bewusst falsch interpretiert.“ So werden am Meeresgrund chemische Waffen und Minen, sowie weitere gefährliche Rückstände aus den Weltkriegen vermutet. Deren Entsorgung wäre im Rahmen der Bauarbeiten notwendig und könnte gravierende Umweltbelastungen zur Folge haben. Außerdem droht durch Phosphateinleitungen in Folge des Pipeline-Projektes nach WWF-Ansicht eine gravierende Überdüngung der Ostsee – mit nicht absehbaren Folgen für Fischbestände und andere Meeresbewohner. „Im schlimmsten Fall entstehen durch vermehrte Algenbildung und Sauerstoffmangel neue Todeszonen in der Ostsee“, warnt Jochen Lamp. So gelangen nach WWF-Angaben durch das Pipeline-Projekt rund 12.000 Tonnen Phosphat aus dem Meeresboden wieder in den Wasserkreislauf der Ostsee, das entspricht einem Drittel des jährlichen Gesamteintrags.  

 

Der WWF kritisiert, dass in dem vorgelegten Nord Stream-Bericht die Auswirkungen auf das Ökosystem, die Sprengung von Minen, die Freisetzung von Schadstoffen oder die Überdünung der Ostsee durchweg als unerheblich bezeichnet werden. Und das, obwohl aufgrund der vorhandenen Datenlage ganz andere Schlussfolgerungen gezogen werden müssten. Auch zu möglichen Kompensationsmaßnahmen findet sich in dem 4000 Seiten umfassenden Papier gerade einmal ein halbseitiger Absatz. „Wir fordern umfassende Nachbesserungen der Fakten und Beschreibungen der Kompensationsmaßnahmen“, sagt Jochen Lamp. In einer Stellungnahme der Naturschutzorganisation, die heute den Behörden der Ostseeanrainerstaaten vorgelegt wurde heißt es, Nord Stream müsse die aktuellen Daten komplettieren und realistisch bewerten. Außerdem müssten umfassende Ausgleichsmaßnahmen dargelegt und sichergestellt werden, wie etwa die Ausweisung und Sicherung von Meeresschutzgebieten oder den Bau von Kläranlagen. Auch werde die Alternative, eine Pipeline über Land, bisher nicht hinreichend berücksichtigt.  

 

Die Nord Stream-Pipeline soll zwischen dem russischen Viborg und dem deutschen Lubmin entstehen. Die 1.200 Kilometer lange Pipeline auf dem Meeresgrund führt durch die ausschließlichen Wirtschaftszonen und territorialen Gewässer von Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland.

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