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Die unveröffentlichten Antworten des WWF an die Süddeutsche Zeitung

Am 25. Mai 2012 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung eine Rezension für „Schwarzbuch WWF- Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda“. Der Text orientiert sich stark an den altbekannten Vorwürfen. In dem rezensierten Buch verwertet der Autor Wilfried Huismann zum wiederholten Mal Vorwürfe, die er schon in einem Dokumentarfilm („Der Pakt mit dem Panda“) gegen den WWF erhoben hat. Zum Buch haben wir vom WWF bereits Stellung genommen. 

 

Seit dem 16. April 2012 hat das Landgericht Köln insgesamt drei Einstweilige Verfügungen gegen die Dokumentation erwirkt. Damit haben die Richter allen Anträgen des WWF entsprochen. Gleichzeitig wurden die zentralen Vorwürfe des Films als falsche Tatsachenbehauptungen entlarvt, deren Verbreitung nun untersagt wurde. 

 

Die Buchrezension endet mit einem Aufruf der Süddeutsche Zeitung an den WWF: „Vom WWF erhofft man sich Antworten – nicht Ausreden.“ Noch unmittelbar im Vorfeld der Veröffentlichung erhielt die WWF-Pressestelle konkrete Anfragen, die alle schriftlich beantwortet wurden. Diese Antworten wurden in dem Text nicht berücksichtigt.

 

Im Sinne einer konsistenten und transparenten Kommunikation veröffentlichen wir vom WWF die Antworten, die von der SZ gefordert wurden, aber im eigenen Zeitungsartikel keinen Platz fanden. 

Süddeutsche Zeitung: Wie ist der Stand der Einstweiligen Verfügung gegen das Buch? Ist da schon eine Klage vor Gericht eingereicht worden, und wenn ja bei welchen Landgericht?

 

WWF Deutschland: Sie werden Verständnis haben, dass wir zu laufenden Verfahren keine Stellung beziehen können.

 

Süddeutsche Zeitung: Ist der WWF mit der Taktik der Kanzlei Schertz einverstanden, nicht nur eine Einstweilige Verfügung gegen Random zu erreichen, sondern auch gegen alle Grossisten und Online-Buchhändler, damit das Buch de facto nicht zu erwerben ist?

 

WWF Deutschland: Der WWF setzt sich für den Erhalt der Natur und wirksamen Umweltschutz ein und schon aus diesem Grund wehren wir uns generell und grundsätzlich gegen die Verbreitung von falschen Tatsachenbehauptungen. Auch im Hinblick auf unsere zahlreichen Förderer können wir nicht zulassen, dass falsche Behauptungen in der Öffentlichkeit unwidersprochen bleiben.  

 

Süddeutsche Zeitung: Wird einer der teuersten Medienanwälte Deutschlands eigentlich mit Spendengeldern bezahlt? Da facto kann es ja gar nicht anders sein, oder rekrutieren sie als Verband noch andere Einnahmen außer Spenden?

 

WWF Deutschland: Um seine Ziele im Umwelt- und Naturschutz nachhaltig erreichen zu können, ist der auch eine Organisation wie der WWF auf rechtliche Beratung angewiesen. Selbstverständlich werden solche Honorare natürlich nicht aus Spendengeldern finanziert, sondern aus den Erträgen unserer Vermögensverwaltung.  Ebenso selbstverständlich legt der WWF großen Wert darauf, dass uns unsere Dienstleister deutlich günstigere NGO-Konditionen einräumen. Eine Übersicht über unsere Einnahmen findet sich in  unserem Jahresbericht.  

 

Süddeutsche Zeitung: Gibt es innerhalb des WWF irgendwelche Zweifel oder Überlegungen die Zusammenarbeit mit Firmen wie Wilmar oder Monsanto zu beenden?

 

WWF Deutschland: Dem WDR ist gerichtlich per einstweiliger Verfügung untersagt, in Bezug auf den WWF zu veröffentlichen/zu verbreiten bzw. veröffentlichen/verbreiten zu lassen, der WWF kooperiere mit Monsanto. Es gibt keine Kooperation. Der WWF ist als Mitglied am Runden Tisch für verantwortungsvolles Soja (RTRS) beteiligt. Dies ist ein offenes Forum, an dem alle Akteure der Soja-Produktionskette teilnehmen können, vom Kleinbauern bis zum Großkonzern. Hier ist auch Monsanto Mitglied. Eine Kooperation des WWF mit Monsanto erwächst hieraus nicht. Der WWF Indonesien hat vor Jahren auf der Basis eines MoU (Memorandum of Understanding) die Mitarbeiter einiger Palmölfirmen ohne finanzielle Gegenleistung im Umgang mit HCV (High Conservation Value)-Gebieten geschult. Der WWF Indonesien hat für seine Schulungen keine Honorare von Wilmar oder anderen bekommen.

 

Süddeutsche Zeitung: Hat das „Schwarzbuch WWF“ zu irgendwelchen Überlegungen innerhalb des WWF geführt, Positionen zu überdenken oder zu ändern. Oder sehen sie die Fülle der Vorwürfe wirklich nur als „halbwahre oder sogar falsche Aussagen“, „falsche Tatsachenbehauptungen“, „zahlreiche Falschaussagen“ und „arglistige Täuschung“.

 

WWF Deutschland: Der WWF überprüft kontinuierlich im Rahmen der Qualitätssicherung u.a. seine Projekte, die Arbeits- und Projektabläufe vor Ort, die Positionen zu kontroversen Themen sowie die Kommunikation nach außen. Der WWF arbeitet z.B. daran, die Standards und Kriterien beim RSPO deutlich zu verbessern. Und beim RTRS setzen wir uns beispielsweise derzeit für ein Verbot des Pestizids Paraquat und weiterer gefährlichen Substanzen auf der WHO-Klasse 1 A + B ein.  

 

Süddeutsche Zeitung: Will der WWF kritische Berichterstattung verhindern?


WWF Deutschland: Der WWF stellt sich gerne jeder kritischen Berichterstattung. Wir wehren uns jedoch gegen falsche Tatsachenbehauptungen. Hier können wir schon mit Rücksicht auf unsere rund 435.000 Förderer nicht zulassen, dass falsche Behauptungen in der Öffentlichkeit unwidersprochen bleiben. Im Film und im Buch des Autoren Wilfried Huismann geht es um rufschädigende und gravierende Falschaussagen. Das Buch enthält eine Vielzahl halbwahrer oder sogar falscher Aussagen, die entweder auf ungenauen Recherchen beruhen oder bewusst falsch sind. Das Buch beschreibt diverse existierende Umweltprobleme etwa im Zusammenhang mit der Soja- oder Palmölproduktion. Der Autor stellt es immer so da, als läge die Verantwortung dafür beim WWF. Das Gegenteil ist richtig, der WWF versucht, Märkte zu verändern, um eine möglichst nachhaltige Wirtschaftsweise voranzutreiben. Wie Sie wissen, ist das Buch eine Art Zweitverwertung des Films „Pakt mit dem Panda“, der zum ersten Mal im Juni 2011 ausgestrahlt worden ist. Hier gibt es eine Reihe von juristischen Erfolgen des WWF. WDR und SWR dürfen zahlreiche Falschaussagen des Films „Der Pakt mit dem Panda“ nicht wiederholen und nicht weiter verbreiten. Das hat das Landgericht Köln in insgesamt drei Verfügungen angeordnet. Anbei finden Sie die Einstweiligen Verfügungen, die vom Gericht stattgegeben wurden. So können Sie sich selbst ein möglichst umfangreiches Bild machen.  

 

Süddeutsche Zeitung: Warum wird der WWF erst nach vielfachen Ausstrahlung des Films „Pakt mit dem Panda“ juristisch aktiv?  

 

WWF Deutschland: Der WWF hat nach der Ausstrahlung des Films im Juni 2011 versucht, sich mit dem WDR außergerichtlich zu einigen. Daraufhin wurden bereits angekündigte Ausstrahlungen abgesagt. Nachdem keine Einigung erzielt werden konnte und es erneut mehrere Ausstrahlungen von ARD-Sendern gab, hat der WWF rechtliche Schritte eingeleitet, um die Weiterverbreitung von Falschaussagen zu verhindern.  

 

Süddeutsche Zeitung: Warum versucht der WWF das „Schwarzbuch WWF“ mit Hilfe einer Einstweiligen Verfügung zu verhindern anstatt sich argumentativ mit möglichen Verfehlungen Ihrer Organisation auseinanderzusetzen?

 

WWF Deutschland: Der WWF setzt sich jederzeit argumentativ und inhaltlich mit möglichen Verfehlungen konstruktiv auseinander. Wir sind im intensiven Dialog mit anderen Umweltverbänden, der Wirtschaft, Politik und Medien und stellen durch Dialog- und Kommunikationsangebote größtmögliche Transparenz und Offenheit her. So informieren wir auch ganz offen auf unserer Homepage und auch auf Facebook über die Vorgänge rund um Buch und Film (etwa auf www.wwf.de/wwfinformiert). Wir stellen uns sachlich geführten, harten Diskussionen mit allen betroffenen Akteuren. Schon mit Rücksicht auf unsere rund 435.000 Förderer können wir nicht zulassen, dass falsche Behauptungen in der Öffentlichkeit unwidersprochen bleiben.


Süddeutsche Zeitung: Steht der WWF uneingeschränkt hinter seiner Referentin und stützt er ihre Klage gegen Buch und Film?  

 

WWF Deutschland: Selbstverständlich hat unsere Mitarbeiterin weiterhin die uneingeschränkte Unterstützung des WWF. Die Mitarbeiterin geht nun gerichtlich gegen die falsche Darstellung ihrer Person in Film und Buch sowie die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte vor und wurde nach unserer Auffassung arglistig getäuscht. Sie wurde nicht, wie ursprünglich von Herrn Huismann vorgegeben, zu ihrem eigentlichen Aufgabenfeld interviewt. Die Fragen drehten sich vielmehr um Projekte und Inhalte, zu denen unsere Mitarbeiterin fachlich wenig sagen konnte. Eine Bio-Energie-Expertin muss nicht zwingend Orang-Utan-Vorkommen auf Borneo benennen können. Darauf hat sie Herrn Huismann während des 30-minütigen Interviews mehrmals hingewiesen. Herr Huismann stellt in seinem Interview eine Frage, die auf einer falschen Tatsachenbehauptung beruht. Angeblich seien nur 80 Hektar Wald auf einer Palmöl-Plantage geschützt. Nachweislich ist dies nicht der Fall. Es sind laut dem Plantagenbetreiberdeutlich mehr, nämlich rund  4961 Hektar geschützt. Also mehr als ein Drittel der Plantagenfläche. Mit Hilfe von hochaufgelösten Satellitenaufnahmen hat der WWF diese Aussage bestätigen können. Dies hat auch das Landgericht Köln bestätigt. Die Mitarbeiterin musste also, ohne dass sie dies beurteilen konnte, zu einer Falschaussage Stellung nehmen.