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Stand: 27.03.2017

WWF-Artenlexikon

Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum)

Unterarten Nördliches Breitmaulnashorn C. s. cottoni
Südliches Breitmaulnashorn C. s. simum
Lebensraum Gras- und Buschländern der Savanne
Geografische Verbreitung Botswana, Kenia, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Südafrika, Swasiland und Uganda
Gefährdungsstatus IUCN: "gering gefährdet"
C. s. cottoni "vom Aussterben bedroht"
C. s. simum "gering gefährdet"
Bestandsgröße rund 20.380 Breitmaulnashörner im Jahr 2015

Breitmaulnashörner

Das Breitmaulnashorn ist das drittgrößte Landsäugetier der Erde – nur Afrikanische und Asiatische Elefanten sind größer. Sie sind leicht an ihrem namensgebenden großen, breiten Maul zu erkennen. Im Grasland-Ökosystem halten sie als „Rasenmäher“ den Bewuchs kurz. Mit den breiten, kantig verhornten Lippen können sie die Grashalme direkt über dem Boden abbeißen. Seit rund zehn Jahren erlebt Afrika eine Nashornwildereikrise. 2015 wurden 1342 Nashörner gewildert, das sind drei bis vier pro Tag. Den Nashörnern wird zum Verhängnis, dass in Teilen Asiens dem pulverisierten Horn fiebersenkende, entgiftende, krampflösende und seit neuestem auch krebsheilende Wirkung zugesprochen wird. Wissenschaftlich ist das Humbug. Aufgrund seines hohen Preises entwickelte sich Nashornhorn seit einiger Zeit zu einem Statussymbol der aufstrebenden, reichen Mittelschicht mancher asiatischen Länder. Breitmaulnashörner waren einst in Afrika weit verbreitet. Die Nördlichen Breitmaulnashörner lebten in Ost- und Zentralafrika und die Südlichen Breitmaulnashörner im südlichen Afrika. Von den Südlichen Breitmaulnashörnern gab es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert nur noch weniger als 100 Tiere. Dank intensiver Schutzmaßnahmen konnte sich bis heute ein Bestand von wieder über 20.000 Tieren entwickeln. Von den Nördlichen Breitmaulnashörnern gibt es hingegen nur noch drei Individuen weltweit.

Systematische Einordnung

Das Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum) gehört zur Ordnung der Unpaarhufer und zur Familie der Nashörner. Die Familie der Nashörner umfasst heute nur noch vier Gattungen mit insgesamt fünf Arten: Breitmaulnashorn, Spitzmaulnashorn, Java-Nashorn, Panzernashorn und Sumatra-Nashorn. Dabei ist das Breitmaulnashorn am nächsten mit dem Spitzmaulnashorn verwandt. Im Laufe der Evolution hatte die Familie der Nashörner zahlreiche weitere Arten hervorgebracht, die aber alle bereits ausgestorben sind, darunter das Waldnashorn, das Wollnashorn und das Steppennashorn, welche bis zur letzten Kaltzeit überlebten. Bei Breitmaulnashörnern werden zwei Unterarten unterschieden: das Nördliche Breitmaulnashorn (C. s. cottoni) und das Südliche Breitmaulnashorn (C. s. simum). 

Merkmale

Das Breitmaulnashorn ist das größte Nashorn und nach dem Afrikanischen und Asiatischen Elefanten das drittgrößte Landsäugetier der Erde. Die Kopf-Rumpflänge von Breitmaulnashörnern beträgt etwa 3,4 bis 4,2 Meter, die Schulterhöhe rund 1,5 bis 1,8 Meter und die Schwanzlänge ca. 50 bis 70 Zentimeter. Breitmaulnashörner können 1350 bis 3500 Kilogramm auf die Waage bringen. Dabei sind die Nashornbullen größer und massiger als die Nashornkühe. Dieser Unterschied zwischen Männchen und Weibchen ist deutlicher ausgeprägt als bei anderen Nashornarten.

Nashörner haben einen massigen Körper, einen kurzen Hals und einen großen Kopf. Ein auffälliger Buckel im Nacken der Breitmaulnashörner aus kräftigen Muskeln und Bändern hilft, den schweren Kopf zu halten. Breitmaulnashörner haben ein verlängertes Hinterhaupt, wodurch sie ihren Kopf relativ tief tragen. Das stattliche Gewicht der Nashörner wird von kurzen, stämmigen Beinen mit je drei Zehen an den Füßen getragen. Der Fußabdruck ähnelt einem vierblättrigen Kleeblatt.

Breitmaulnashörner haben zwei hintereinander angeordnete Hörner. Das vordere Horn sitzt auf der Nase, ist zumeist das größere und hat im Durchschnitt eine Länge von 90 Zentimetern. In seltenen Fällen kann es bis zu 1,5 Meter lang werden. Das hintere Horn sitzt auf der Stirn und kann bis zu 55 Zentimeter Länge erreichen. Zusammen können die beiden Hörner bis zu sechs Kilogramm wiegen. Die Nashornhörner bestehen genau wie unsere Haare und Fingernägel zum Großteil aus Keratin. Je nach Lebensbedingungen und Verhalten nutzen sie sich mehr oder weniger ab und wachsen lebenslang nach. Das Wachstum beträgt jährlich etwa fünf bis sechs Zentimeter und ist abhängig vom Alter und Geschlecht. Im Unterschied zu der Familie der Hornträger, deren Horn ein hohler Überzug über einen mit einer gut durchbluteten Hautschicht ausgekleideten Knochenzapfen ist, haben die Hörner von Nashörnern keinen knochigen Kern. Nashornhörner sind von der Struktur Pferdehufen oder Kakaduschnäbeln am ähnlichsten. Der Hornansatz ist bei Breitmaulnashörnern fast quadratisch. Zur Spitze haben die langen Hörner einen ovalen Querschnitt. Der Aufbau eines Nashornhorns erinnert an einen Bleistift. Das Horninnere und die Spitze sind extrem kompakt, die äußeren und vor allem unteren Teile sind faseriger. Die Hornsubstanz ist dunkelgrau bis rotbraun gefärbt. Die Hörner der Weibchen sind typischerweise länger und dünner als die der Männchen. Sie haben verschiedene wichtige Funktionen: als Waffe zum Schutz ihrer Jungtiere vor Raubtieren und Artgenossen, in Rivalenkämpfen um Reviere, zum Imponieren, zum sanften Lotsen ihrer Kälber sowie zum Graben nach Wasser, Zerbrechen von Ästen und Durchdringen von dichtem Gestrüpp.

Breitmaulnashörner haben wie ihr Name schon verrät ein großes, breites Maul. Ihre Lippen sind im Gegensatz zu denen der anderen Nashornarten gerade und haben keinen nashorntypischen spitzen, fingerförmigen Greiffortsatz. Außerdem haben sie weder Schneide- noch Eckzähne. Stattdessen funktionieren kantige Verhornungen auf den Lippen bei der Nahrungsaufnahme ähnlich wie Schneidezähne.

Nashörner werden zusammen mit den Elefanten, Flusspferden und Tapiren zu den so genannten „Dickhäutern“ gezählt. Sie alle haben eine derbe, oft unbehaarte, meist dunkel gefärbte Haut, die an manchen Stellen wie beispielsweise den Schultern bis zu fünf Zentimeter dick sein kann. Breitmaulnashörner haben eine grau bis graubraune Hautfarbe und sind mit Ausnahme der Ohrenspitzen, der Augenlidränder und der Schwanzspitze unbehaart. Durch schlammige Matsch- und Staubbäder ist die Haut zudem häufig von einer dicken Lehmschicht bedeckt, die die Nashörner vor der Sonne, Insekten und Parasiten schützt. Im Englischen heißen Breitmaulnashörner White Rhinos, also „Weiße Nashörner“, obwohl sie nicht weiß sind. Es wird angenommen, dass die Bezeichnung „White Rhinos“ auf ein Missverständnis zurückzuführen ist. Das Afrikaans-Wort „wyd“ bedeutet übersetzt „breit“, klingt aber dem englischen „white“ sehr ähnlich. Vermutlich wurden die Breitmaulnashörner von englischen Siedlern so White Rhinos genannt.

Breitmaulnashörner können hervorragend riechen und hören. Sie können bei günstigen Bedingungen Gefahren oder Artgenossen über Hunderte von Metern wittern. Die Ohren können unabhängig voneinander in sämtliche Richtungen gedreht werden. Ihr Sehvermögen hingegen ist nur schwach entwickelt.

Trotz ihrer plumpen Erscheinung können sich Nashörner erstaunlich schnell fortbewegen. Im Galopp erreichen sie Geschwindigkeiten von bis zu 40 Stundenkilometern. Im Gegensatz zu den asiatischen Nashörnern sind Breitmaulnashörner schlechte Schwimmer. Sobald sie den Boden unter den Füßen verlieren, können sie ertrinken.

Auf den ersten Blick sind Breitmaulnashörner schwer von Spitzmaulnashörnern zu unterscheiden. Die auffälligsten Unterschiede sind die größere Größe, ein längerer Kopf, eine tiefere Kopfhaltung, das breite Maul und ein kantigerer Rücken.

Lebensweise

Breitmaulnashornbullen sind typischerweise Einzelgänger. Weibchen und sub-adulte Tiere leben oft in festen Gruppen von bis zu sechs Tieren. Dabei gibt es sowohl gemischte Gruppen als auch Gruppen, die nur aus Müttern mit ihren Jungen oder nur aus sub-adulten Tieren bestehen. In Lebensräumen mit besonderen Bedingungen wie zum Beispiel reichen Weidegründen schließen sich temporär auch größere Gruppen von Breitmaulnashörnern zusammen. Die soziale Lebensweise ist bei Breitmaulnashörnern stärker ausgeprägt als bei Spitzmaulnashörnern.

Bei den Männchen werden Bullen mit und ohne Revier unterschieden. Männchen konkurrieren um Reviere mit reichen Nahrungsgründen und großer Lebensraumqualität, in denen die Wahrscheinlichkeit Weibchen anzutreffen möglichst groß ist. Dabei kommt es unter den Nashornbullen zu heftigen Kämpfen, bei denen sie sich mit ihren Hörnern manchmal lebensbedrohliche Verletzungen zufügen. Die Reviermarkierung erfolgt mit Duftmarken durch Urin und Kothaufen, welche die Männchen in einer bestimmten Art und Weise breit trampeln. Die Nashornbullen zeigen zudem mit regelmäßigen Kontrollgängen durch das Revier Präsenz. Die Kommunikation zwischen Männchen und Weibchen erfolgt zu einem Großteil über Kothaufen, wobei beide Geschlechter ihre Ausscheidungen übereinander häufen und den Dung der andern beschnüffeln. Auf diese Weise erhalten sie unter anderem Informationen über die Paarungsbereitschaft der potentiellen Geschlechtspartner. Männchen ohne Revier leben am oft kargen Rand der Reviere anderer Männchen mit schlechteren Lebensbedingungen und ohne die Möglichkeit sich fortzupflanzen. Die Gruppen der Weibchen und heranwachsenden Tiere leben in großen Streifgebieten, die typischerweise mit den Revieren mehrerer Männchen überlappen.

Die Größe der Reviere ist abhängig von den Raummerkmalen und den saisonalen Niederschlagsmengen. Während die Reviere der Männchen beispielsweise im Krüger-Nationalpark in Südafrika eine Größe von ca. 9,9 Quadratkilometern haben und die Streifgebiete der Weibchen eine Größe von etwa 22,8 Quadratkilometern, sind die Reviere der Männchen im Hluhluwe-iMfolozi Game Reserve in Südafrika durchschnittlich nur ca. 1,7 Quadratkilometer und die Streifgebiete der Weibchen etwa 16,2 Quadratkilometer groß.

Insgesamt gelten Breitmaulnashörner als friedlicher im Vergleich zu Spitzmaulnashörnern. Bei Gefahr tendieren Breitmaulnashörner zur Flucht, während Spitzmaulnashörner eher angreifen. Ausgewachsene Tiere haben normalerweise keine natürlichen Feinde. Jungtiere werden jedoch gelegentlich von Krokodilen oder Löwen gerissen. Nashörner leben mit verschiedenen Vögeln in einer so genannten Putzsymbiose. Dabei haben beide Seiten einen Nutzen: die Nashörner werden von Insekten und Parasiten gesäubert und die Vögel haben zu fressen.

Fortpflanzung

Breitmaulnashörner werden etwa mit sechs bis sieben Jahren geschlechtsreif. Die Männchen können sich allerdings erst fortpflanzen, wenn sie sich ein Revier und damit den Zugang zu Weibchen erfolgreich erkämpft haben. Die Paarungsbereitschaft der Weibchen ist deutlich größer, wenn es mehrere Männchen in ihren Streifgebieten gibt und somit abhängig von einer kritischen Populationsgröße und Besiedlungsdichte. Männchen und Weibchen schließen sich nur zur Paarung zusammen. Das Paarungsverhalten der Nashörner ist aggressiv. Bei der Paarung steigt das Männchen auf den Rücken des Weibchens.

Nach einer Tragzeit von rund 16 Monaten kommt dann meist ein einzelnes Kalb zur Welt. Breitmaulnashornkälber werden mit einem Gewicht von rund einem Zentner geboren. Aus den kleinen Vorwölbungen auf der Nase entwickeln sich im Laufe der Jahre die mächtigen Hörner der Breitmaulnashörner. Die Jungtiere werden ein Jahr lang gesäugt. Schon in den ersten Wochen probieren sie auch Gras zu fressen und gewöhnen sich langsam an die pflanzliche Kost. Mütter und Kälber bleiben bis zur nächsten Trächtigkeit zusammen. Bei guten Lebensbedingungen bringt ein Weibchen etwa alle zwei bis drei Jahre ein Junges zur Welt. Paarungen und Geburten kommen das ganze Jahr über vor. Die maximale Lebenserwartung beträgt bei Breitmaulnashörnern etwa 50 Jahre.

Geografische Verbreitung

Breitmaulnashörner waren einst in Afrika weit verbreitet. Schon vor mehreren Tausend Jahren waren die Verbreitungsgebiete der nördlichen und südlichen Unterart geografisch weit voneinander getrennt. Die Nördlichen Breitmaulnashörner lebten in Ost- und Zentralafrika und die Südlichen Breitmaulnashörner im südlichen Afrika.

Im 19. Jahrhundert zählten noch die Länder Demokratische Republik Kongo, Sudan, Tschad, Uganda und Zentralafrikanische Republik zu den Verbreitungsstaaten der Nördlichen Breitmaulnashörner. Im Sudan, im Tschad, in Uganda und in der Zentralafrikanischen Republik sind sie in den letzten beiden Jahrhunderten jedoch bereits ausgestorben. Die letzten wildlebenden Nördlichen Breitmaulnashörner lebten seit 1984 nur noch im Garamba-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo bis sie auch dort ausstarben.

Die Südlichen Breitmaulnashörner hingegen sind heute weit verbreitet. Sie kommen im südlichen Afrika in Botswana, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Südafrika und Swasiland und in Ostafrika in Kenia und Uganda vor. Früher kam das Südliche Breitmaulnashorn auch noch in Angola vor. Am Ende des 19. Jahrhunderts gab es nur noch eine einzige kleine Population, die in Südafrika überlebt hatte. Nach einer langen Erholungszeit konnten die Südlichen Breitmaulnashörner seit den 1970er Jahren in Botswana, Namibia, Simbabwe und Swasiland wiederangesiedelt und in Kenia, Uganda und in Sambia nördlich des Sambesi, welcher historisch eine natürliche Verbreitungsgrenze darstellte, neu eingeführt werden. Zu den wichtigsten Rückzugsgebieten für Breitmaulnashörner zählen vor allem die beiden Schutzgebiete Krüger-Nationalpark und Hluhluwe-iMfolozi-Park in Südafrika.

Lebensraum

Breitmaulnashörner leben in den Gras- und Buschländern der Savanne, wobei sie Kurz- und Langgrassavannen bevorzugen. In kalten oder trockenen Regionen kommen sie nur sehr selten vor. Neben Gräsern als Ernährungsgrundlage, benötigen Breitmaulnashörner Schattenplätze und Deckung, um sich auszuruhen. Schlammige Wasserlöcher ermöglichen vor allem in der Mittagshitze eine willkommene Abkühlung, Sandkuhlen laden zum Staubbad ein. 

Ernährungsweise

Breitmaulnashörner ernähren sich ausschließlich von Gräsern. Mit ihren breiten, verhornten Lippen können sie die Halme direkt über dem Boden abbeißen. Im Grasland-Ökosystem spielen Breitmaulnashörner so eine wichtige Rolle, denn sie halten als „Rasenmäher“ den Bewuchs kurz. Um ihren täglichen Kalorienbedarf zu decken, verbringen Breitmaulnashörner rund die Hälfte des Tages mit Grasen. Wenn möglich trinken Nashörner täglich, kommen zur Not aber auch ein paar Tage ohne Wasser aus.

Bestandsgröße und Gefährdungsstatus

Vor 150 Jahren streiften noch mehr als eine Million Breit-und Spitzmaulnas-hörner durch die Savanne Afrikas. Bejagung und Wilderei ließen die Bestände vor allem in den zweiten Hälften des 19. und 20. Jahrhunderts stark einbrechen.

Am Ende des 20. Jahrhunderts gab es nur noch wildlebende Nördliche Breitmaulnashörner im Garamba-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo. Allerdings wurde dort seit dem Jahr 2006 auch kein Nashorn mehr gesichtet und die Weltnaturschutzunion IUCN nimmt an, dass sie in der Demokratischen Republik Kongo ebenfalls ausgestorben sind. Damit sind die Nördlichen Breitmaulnashörner in der Wildnis insgesamt ausgestorben. Auch in Gefangenschaft gab es Anfang des 21. Jahrhunderts nur noch wenige Nördliche Breitmaulnashörner. Im Jahr 2009 wurden vier Nördliche Breitmaulnashörner aus dem Dvur Kralove Zoo in Tschechien in das Privatschutzgebiet Ol Pejeta in Kenia gebracht in der Hoffnung, dass sie sich dort in natürlicher Umgebung am besten vermehren könnten. Im Jahr 2014 starb allerdings eines der vier Nashörner. Bis heute sind auch alle weiteren Nördlichen Breitmaulnashörner in Gefangenschaft verstorben, so dass es weltweit nur noch die drei Nördlichen Breitmaulnashörner in Kenia gibt.

Die Südlichen Breitmaulnashörner haben es hingegen geschafft aus dem so genannten Flaschenhals heraus zu kommen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts galten die Nashörner im südlichen Afrika als ausgestorben, bis im heutigen Hluhluwe-iMfolozi-Park in Südafrika eine Population von weniger als 100 Südlichen Breitmaulnashörnern entdeckt wurde, die dort überlebt hatte. Dank intensiver Schutzmaßnahmen ist es gelungen, dass sich dieser kleine Restbestand erholen konnte und sich die Südlichen Breitmaulnashörner nach und nach wieder ausgebreitet haben und in geeignete Gebiete umgesiedelt werden konnten.

Die Weltnaturschutzunion IUCN veröffentlichte im Jahr 2016 einen Bericht über aktuelle Bestandszahlen und die Verbreitung der Südlichen Breitmaulnashörner. Demnach gab es im Jahr 2015 in Südafrika 18.413, in Namibia 822, in Kenia 441, in Simbabwe 330, in Botswana 239, in Swasiland 76, in Mosambik 29, in Uganda 15 und in Sambia 10 Südliche Breitmaulnashörner. Damit leben mehr als 90 Prozent des Gesamtbestandes in Südafrika. Insgesamt zählte der Bestand der Breitmaulnashörner im Jahr 2015 rund 20.380 Tiere. Diese sind in über 400 räumlich weitgehend voneinander getrennten Populationen in ihrem Verbreitungsgebiet verstreut.

In der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind Breitmaulnashörner als gering gefährdet eingestuft. Dabei gelten die Nördlichen Breitmaulnashörner als Unterart vom Aussterben bedroht. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES sind die Breitmaulnashörner im Anhang I gelistet. Jeder internationale kommerzielle Handel ist somit verboten. Ausgenommen davon sind die Populationen des Südlichen Breitmaulnashorns in Südafrika und Swasiland, für welche die Bestimmungen des Anhangs II gelten. In einer zusätzlichen Auflage ist allerdings nur der Verkauf von lebenden Tieren an angemessene und akzeptable Bestimmungsorte vorgesehen. Jeglicher andere internationale Handel mit diesen Tieren oder Teilen davon ist nicht erlaubt. Damit ist auch ein internationaler Handel mit den Hörnern der Tiere weiterhin strengstens verboten.

Bedrohungsfaktoren

Heute sind Breitmaulnashörner vor allem durch die Wilderei und durch Lebensraumverlust bedroht. In der Kolonialzeit gab es durch unkontrollierte Jagd massive Bestandseinbrüche bis an den Rand der Ausrottung. Zum einen gehörten Nashörner neben Elefanten, Büffeln, Löwen und Leoparden als die „Big Five“ zu den begehrtesten Jagdtrophäen für Großwildjäger. Zum anderen wurden afrikanische Nashörner zum Verzehr gejagt und durch Besiedlung aus ihrem Lebensraum vertrieben.

In der Traditionellen Asiatischen Medizin ist Nashornhorn ein begehrter Rohstoff, dem eine fiebersenkende, entgiftende und krampflösende Wirkung zugesprochen wird. Dieser Glaube hält sich bis heute und führt zu einer stetigen Nachfrage. In einigen Ländern des Mittleren Osten vor allem im Jemen wurden Nashornhörner in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts außerdem zu Griffen für Dolche verarbeitet. In den 1970er Jahren wurden jährlich rund drei Tonnen Nashornhorn in den Jemen exportiert. Da die Bestände der Asiatischen Nashörner bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auch stark eingebrochen waren und sich seitdem kaum erholt haben, gerieten die Afrikanischen Nashörner als Rohstofflieferanten für Nashornhorn nach Asien unter Druck. In den 1970er und 80er Jahren kam es zu zahlreichen Fällen von Nashornwilderei in Afrika, die allerdings vor allem die Bestände der Spitzmaulnashörner betrafen. Während es im Jahr 1970 afrikaweit nur etwa 2000 bis 3000 Breitmaulnashörner gab, zählten die Spitzmaulnashörner insgesamt noch ca. 65.000 Tiere. Im Jahr 1977 wurde der internationale Handel mit Nashörnern und Nashornhorn deshalb durch die Listung im Anhang I im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES verboten.

Seit dem Jahr 2008 befindet sich Afrika erneut in einer Wildereikrise, die sich bis heute weiter zuspitzt. Dabei werden dieses Mal insgesamt deutlich mehr Breitmaulnashörner als Spitzmaulnashörner gewildert. Zum einen gibt es derzeit wesentlich mehr Breitmaulnashörner als Spitzmaulnashörner, afrikaweit rund vier Mal so viele. Zum anderen findet man Breitmaulnashörner in offenerem Habitat und oft in kleinen Gruppen stehend, während Spitzmaulnashörner versteckter in buschigem Habitat leben.

Nashornhorn wird immer noch für die Traditionelle Asiatische Medizin nachgefragt. Dazu kommt, dass vor ein paar Jahren ein hoher Regierungsbeamter Vietnams angeblich durch die Einnahme von Nashornhornpulver von seiner Krebserkrankung geheilt werden konnte. Obwohl weder eine krebsheilende noch eine andere heilende Wirkung jemals wissenschaftlich belegt wurde, stieg die Nachfrage nach dem Horn so sehr an, dass es heute als eines der wertvollsten Wildtierprodukte der Welt gilt. Dies wiederum hat auch das Interesse einer neuen aufstrebenden Mittelschicht geweckt, die das teure Produkt als Luxusobjekt und Statussymbol nutzt. Nach einer wilden Party soll Nashornhorn bei-spielsweise helfen den Kater zu vertreiben.

Über die Jahre etablierte sich so eine hoch professionelle Wildtiermafia mit einem komplexen Netzwerk aus Wilderern, Schmugglern und Händlern sowie zahlreichen Unterstützern, auch in der Exekutive und Judikative. Im Jahr 2015 wurden afrikaweit 1342 Nashörner, also durchschnittlich drei bis vier Nashörner pro Tag, gewildert. Dabei spielt Südafrika eine besondere Rolle, denn es beherbergt mehr Nashörner als jedes andere Land der Welt. Von den rund 25.600 Afrikanischen Nashörnern leben mehr als 18.400 Breitmaulnashörner und knapp 1900 Spitzmaulnashörner in Südafrika. Im Jahr 2015 war Südafrika Tatort von rund 90 Prozent der Wildereifälle in ganz Afrika. Allerdings steigen in den letzten Jahren auch die Wildereizahlen in den Nachbarländern signifikant an. Bei der Wilderei nach Nashörnern kommen nicht nur Gewehre zum Einsatz, sondern mehr und mehr auch aufwendige Hilfsmittel wie Nachtsichtgeräte und Betäubungsmittel aus der Veterinärmedizin.

Wie die Nashornhörner dann genau von Afrika nach Asien gelangen ist nicht vollständig bekannt. Man schätzt, dass 75 Prozent der illegalen Hörner ihr Ziel erreichen und vorher nicht durch Strafvollzugsbehörden abgefangen werden können. Immer wieder werden Hörner einzeln oder in geringer Anzahl im Gepäck von Flugreisenden aufgefunden. Dabei scheint den Aufgriffen zur Folge vor allem Mosambik ein wichtiges Transitland zu sein. Die Erfahrungen der Beschlagnahmungen zeigen, dass die Hörner teilweise gut getarnt werden. Starke Gerüche wie Knoblauch sollen beispielsweise eine Entdeckung durch Artenschutzspürhunde verhindern. Trotzdem betrug die im Zeitraum zwischen 2010 und 2015 von den zuständigen Behörden sichergestellte Menge mehr als fünf Tonnen Nashornhorn. Im für die Wildtiermafia optimalen Fall schaffen Schmuggler es laut Untersuchungen von TRAFFIC, dem Wildlife Trade Monitoring Network des WWF in Zusammenarbeit mit der Weltnaturschutzunion IUCN, die Nashornhörner innerhalb von 48 Stunden auf einen Schwarzmarkt in Asien zu bringen. Ziel der Schmuggelware sind vor allem die Schwarzmärkte in Vietnam und China. Doch während die Händler große Profite machen, erhalten die Wilderer in Afrika nur einen Bruchteil der Gewinne.

Insgesamt sind vor allem Südafrika, Mosambik, Vietnam und China maßgeblich an der derzeitigen Nashornwildereikrise in Afrika beteiligt. Alle vier Länder haben das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, welches einen internationalen Handel mit Nashornhorn verbietet, ratifiziert. In allen vier Ländern stehen Wilderei, Schmuggel und illegaler Handel unter hoher Strafe mit mehreren Jahren Haft. Südafrika setzt sich stark gegen die Nashornwilderei ein. Seit einer Überarbeitung des Naturschutzgesetztes in Mosambik kann künftig auch der Schmuggel oder andere Aktivitäten in Verbindung mit Wilderei unter Strafe gestellt werden. Insbesondere in Vietnam ist die Strafverfolgung schlecht und der volle gesetzliche Rahmen wird de facto nicht ausgenutzt.

Neben der Wilderei leiden Breitmaulnashörner ebenso wie viele andere Wildtiere unter dem Verlust ihres natürlichen Lebensraumes. Afrika hat ein enormes Bevölkerungswachstum. Siedlungen, Landwirtschaft und Infrastruktur verdrängen wichtige Naturräume. Nashörner leben heute überwiegend in Schutzgebieten.

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