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WWF-Artenlexikon

Kabeljau / Dorsch (Gadus morhua)

Lebensraum Der atlantische Kabeljau lebt bodennah und im freien Wasser und hat sich vielfältige Lebensräume erobert: von flachen Gewässern in Küstennähe bis in küstenferne Tiefen von 500 bis 600 Metern.
Geografische Verbreitung Der Kabeljau lebt im Atlantik, in der Nordsee und rund um Island sowie in der Barentsee. Er kommt auch entlang der Ost- und Nordküste von Nordamerika vor, entlang der grönländischen Küsten und von der Biskaya bis hinauf zum arktischen Meer. Er bevorzugt eine Temperatur von 0 bis 20 Grad Celsius und lebt deshalb hauptsächlich in den Breiten von 80 bis 35 Grad Nord.
Gefährdungsstatus IUCN: „gefährdet“.
Bestandsgröße Nordsee: In den vergangenen 40 Jahren hat die Menge fortpflanzungsfähiger Tiere um rund 90 Prozent auf nur noch etwa 30.000 bis 50.000 Tonnen abgenommen (Stand: 2001).
Barentsee: etwa 850.000 Tonnen fortpflanzungsfähige Fische.
Kabeljau. © Wild Wonders of Europe, Magnus Lundgren / WWF

Der am stärksten überfischte Speisefisch

Der Kabeljau wurde in den vergangenen Jahren zum Synonym für die Krise der Fischerei. Ende der 1960er Jahre zogen die Fischer jährlich noch drei Millionen Tonnen dieser Fischart aus dem Meer. Doch bereits Anfang der 1970er Jahre war in „Grzimeks Tierleben“ zu lesen: „Die gegenwärtig erzielten Fangmengen drohen das vertretbare Maß einer biologisch sinnvollen Nutzung zu überschreiten.“

Durchschnittlich erreichen Kabeljaue eine Größe von 60 bis 80 Zentimeter bei einem Gewicht von rund 15 Kilogramm. Mit fünf bis sieben Jahren wird der Kabeljau geschlechtsreif. Im Frühjahr begibt er sich aus tieferen Gewässern in seine küstennahen Laichgebiete, die meist in etwa 100 Meter Tiefe liegen. Abhängig von der Größe der Weibchen schwankt die Zahl der Eier: Ausgewachsene Kabeljau-Weibchen können bis zu neun Millionen Eier ins Wasser geben, die jeweils etwa 1,5 Millimeter groß sind. Nach zwei bis vier Wochen schlüpfen etwa fünf Millimeter große Jungfische, die wiederum nach drei bis fünf Monaten zum Leben nahe dem Meeresgrund übergehen. Kabeljaue können bis zu 25 Jahre alt werden.

Seit den 1980er Jahren werden die Kabeljaue im Nordwest- und im Nordostatlantik zunehmend früher geschlechtsreif – und das bei verminderter Körpergröße. Früher war der nordostarktische Kabeljau bei seiner Geschlechtsreife zwischen fünf und sechs Jahre alt und etwa 100 Zentimeter lang: Heute beginnt er bereits im Alter von zwei bis zweieinhalb Jahren bei einer Länge von 60 Zentimetern mit dem Laichen. Diese Entwicklung führen Experten auf die Überfischung zurück, welche die Kabeljaubestände zur Anpassung gedrängt hat.

Die Jungfische ernähren sich von Krebsen, Würmern und Weichtieren. Mit zunehmendem Alter wird der Kabeljau zum Fischräuber, frisst aber neben Heringen, Knurrhähnen oder Plattfischen auch Muscheln und Tintenfische.

Kabeljaue werden hauptsächlich mit Baumkurren und Grundschleppnetzen gefangen. Weitere Methoden sind Langleine, Ringwade, Reusen und das Garnelennetz, in denen sie als Beifang enden.

Die Rote Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN stuft Gadus morhua als „gefährdet“ ein. Seine Bestandsgröße ist in den vergangenen 40 Jahren um 90 Prozent zurückgegangen. In den späten 1980er und frühen 1990er Jahren erlebte der Kabeljau einen der dramatischsten Einbrüche, die je in der Geschichte der Fischerei beobachtet wurden. Die kanadische Regierung musste den Kabeljaufang im Juli 1992 ganz untersagen, weil die Bestände bis zu Beginn der 1990er Jahre um 99 Prozent zurückgegangen waren. Trotz dieses noch immer gültigen Fang-Moratoriums hat sich der Kabeljaubestand vor Kanada bis heute nicht wieder erholt.

In der Nordsee zeichnet sich seit Jahren eine ähnliche Katastrophe zum Kabeljaukollaps in Kanada ab. Hier sinkt nicht nur Zahl und Größe der Bestände, im Jahr 2001 erreichte auch die Biomasse der Tiere ein historisches Tief. Nur noch 30.000 bis 50.000 Tonnen so genannte Laicherbiomasse (fortpflanzungsfähige Fische) des Kabeljau sind im Jahr 2006 noch in der Nordsee vorhanden. Das bedeutet den Verlust von rund 90 Prozent der fortpflanzungsfähigen Fische innerhalb von 40 Jahren.

Eine langfristig gesicherte Fischerei würde in etwa das Dreifache an Kabeljau benötigen. Eine nachhaltige Bewirtschaftung ist daher nicht mehr möglich. Der einstmals wertvollste Fisch der Nordsee befindet sich ganz deutlich außerhalb „sicherer biologischer Grenzen“, wie der Internationale Rat für Meersforschung ICES Jahr für Jahr warnt.

Eine weitere Bedrohung: Neben der „offiziellen“ Überfischung dezimiert die „IUU-Fischerei“ – illegal, unreguliert und undokumentiert – die Fischbestände weltweit. Die Wissenschaftler des ICES gehen davon aus, dass seit 2002 allein in den nordostarktischen Gewässern 90.000 bis 115.000 Tonnen Kabeljau pro Jahr unregistriert entnommen wurden. Für die Ostsee werden 30 bis 45 Prozent höhere Fangmengen pro Jahr kalkuliert, als offiziell verlautbart wurden. Grundsätzlich führen die unerkannten und millionenschweren Fangerträge der Piratenfischer dazu, dass auch die wissenschaftlichen Schätzungen für Größe und Entwicklung von Beständen auf wackeligen Beinen stehen.

Zum Schutz der Fischbestände weltweit hat der WWF sich der Umsetzung folgender Ziele verschrieben:

  • Abschaffung der Überkapazitäten und Anpassen der Fischereiflotte an die Fischbestände.
  • Etablierung von fairen und nachhaltigen Fischereiabkommen.
  • Schutz der Meeresumwelt durch ein an den Erfordernissen des Ökosystems orientiertes Fischereimanagement.
  • Reform der Subventionspraxis zur Förderung einer umweltverträglichen und ökonomisch nachhaltigen Fischerei.


Zudem regt der WWF den sinnvollen Einsatz von Subventionen an. Zum Beispiel für:

  • Wiederaufbaupläne für überfischte Arten wie Kabeljau, Scholle und Seehecht;
  • Etablierung langfristiger Managementpläne für Fischbestände und fischereifreie Gebiete.
  • Entwicklung von weniger zerstörerischen Fischereimethoden zur Reduzierung der Beifänge und zum Schutz der Lebensräume.

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