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Stand: 09.10.2017

WWF-Artenlexikon

Kaukasus-Leopard (Panthera pardus saxicolor)

Lebensraum unterschiedlichste Lebensräume: Regenwälder, Laubwälder, Mischwälder, Nadelwälder, Buschland, Bergwiesen, Felsschluchten in Höhenlagen bis 3.800 Metern
Geografische Verbreitung Großer Kaukasus: im zentralen und östlichen Nordkaukasus (Russland)
Kleiner Kaukasus: im südlichen und südwestlichen Armenien, im südlichen Aserbaidschan, in der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan und im nordwestlichen Iran
Gefährdungsstatus Kaukasus-Leoparden sind eine Teilpopulation der laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion IUCN „stark gefährdeten“ Unterart der Persischen Leoparden
Bestandsgröße Im Jahr 2007 wurden in der Kaukasus Ökoregion insgesamt nur noch etwa 65 Leoparden vermutet

Die letzten Leoparden

Kaukasus-Leoparden stellen eine Teilpopulation der Leopardenunterart der Persischen Leoparden dar. In der Ökoregion Kaukasus finden sich insgesamt über 100 verschiedene Landschaftstypen, darunter Regen-, Laub- und Mischwälder, von denen sich viele als Lebensraum für Leoparden eignen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren Leoparden im Kaukasus auch weit verbreitet, gelten aber seit der Mitte des 20. Jahrhunderts in weiten Teilen als ausgestorben. Heute kommen sie nur noch vereinzelt und mehr oder weniger voneinander isoliert vor. Reproduzierende Teilpopulationen gibt es derzeit nur im Hirkan-Nationalpark im südöstlichen Aserbaidschan sowie im so genannten „Zangezur-Dreieck“ zwischen dem südlichen Teil der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan, Südarmenien und dem Nordwesten Irans.

Im Kaukasus hat die Bevölkerung ebenso wie die Natur seit den 1990er Jahren sehr unter politischer Instabilität, bewaffneten Konflikten sowie der Wirtschafts- und Energiekrise in den 1990er Jahren gelitten. Die Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 bewirkte einen Anstieg der Nutzung natürlicher Rohstoffe wie Holz, Wildtiere und Pflanzen bis hin zur Übernutzung. Die Preiserhöhung für fossile Energieträger erhöhte außerdem die Nachfrage nach Brennholz. Dass die Wälder  gleichzeitig als Viehweide genutzt wurden, setzte ihnen schwer zu. Im Zuge der Wirtschaftskrise gab es einen starken Anstieg der Jagdaktivitäten, woraufhin die Beutetierbestände im Kaukasus über viele Jahre immer weiter einbrachen. So konnten die Leoparden in vielen Regionen nicht mehr genug zu fressen finden.

Obwohl im Kaukasus viele ursprüngliche Naturlandschaften zerstört worden sind, würde die gesamte Ökoregion einer Studie zur Folge bis zu 1.200 Leoparden beherbergen können. Für eine natürliche Wiederbesiedlung spielen allerdings Korridore, die die Teilstücke des verinselten Verbreitungsgebietes verbinden, eine elementare Rolle.

Systematische Einordnung

Kaukasus-Leoparden stellen eine Teilpopulation der Persischen Leoparden (Panthera pardus tulliana) dar. Der Persische Leopard ist eine Unterart des Leoparden. Leoparden gehören zur Ordnung der Raubtiere, zur Familie der Katzen, zur Unterfamilie der Großkatzen und ebenso wie der Tiger, der Löwe, der Jaguar und der Schneeleopard zur Gattung der Pantherkatzen. Neben dem Persischen Leopard werden bei den Leoparden heute genetischen Analysen zufolge weitere acht Unterarten unterschieden: Afrikanischer Leopard (P. p. pardus), Amur-Leopard (P. p. orientalis), Arabischer Leopard (P. p. nimr), Chinesischer Leopard (P. p. japonensis), Indischer Leopard (P. p. fusca), Indochinesischer Leopard (P. p. delacouri), Java-Leopard (P. p. melas) und Sri-Lanka-Leopard (P. p. kotiya). Bis vor einigen Jahren galt der Kaukasus-Leopard als eigene Unterart (P. p. ciscaucasicus), neben drei bis vier weiteren Unterarten (P. p. sindica, P. p. tulliana, P. p. saxicolor und P. p. dathei), die nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen alle in der Unterart des Persischen Leoparden zusammengefasst sind. Bis Anfang des Jahres 2017 lautete der wissenschaftliche Name der Persischen Leoparden noch P. p. saxicolor, in der neuesten Katzensystematik nun P. p. tulliana.

Merkmale

Kaukasus-Leoparden gehören zu den größten Leoparden. Wie bei allen Leoparden sind die Männchen größer und kräftiger als die Weibchen. Die Kopfrumpflänge der Kaukasus-Leoparden beträgt 126 bis 171 Zentimeter. Sie wiegen bis zu 90 Kilogramm.

Kaukasus-Leoparden besitzen ebenso wie die anderen Leoparden einen lang gestreckten, muskulösen Körper, einen großen, runden Kopf, mächtige Muskelpakete am Nacken und an den Schultern, kurze muskulöse Beine mit breiten Pfoten und einen langen Schwanz. Der robuste Schädel bietet viel Fläche für den Ansatz der kräftigen Kiefermuskulatur. Die langen, spitzen Eckzähne eignen sich zum Fangen und Töten der Beute. Im Maulwinkel bilden die Reißzähne eine Art Schere zum Abschneiden von Fleisch. Mit ihrer rauen Zunge können Leoparden Fleisch vom Knochen abschaben.

Leoparden zählen zu den Zehengängern. Unter den Pfoten befinden sich dicke, stoßdämpfende Sohlenpolster, mit denen sie lautlos auftreten können. Jede Pfote ist mit vier messerscharfen, hakenartigen, im Ruhezustand eingezogenen Krallen ausgestattet. Im Pfotenabdruck sind vier Zehen und das Sohlenpolster abgebildet. Die Abdrücke der Kaukasus-Leoparden haben eine Größe von neun bis elf Zentimeter in der Breite und acht bis neun Zentimeter in der Länge.

Kaukasus-Leoparden verfügen ebenso wie andere Leoparden über ein exzellentes Sehvermögen. Im Hintergrund ihrer Augen befindet sich eine reflektierende Membran. An diesem sogenanntem Tapetum lucidum wird das Licht gespiegelt und zurückgestrahlt. Dabei passiert es die Netzhaut ein zweites Mal. Die doppelte Lichtverwertung trägt dazu bei, dass Leoparden auch nachts relativ gut sehen können. Die extrem empfindlichen Tasthaare am Maul, an den Backen und über den Augen sind bei Leoparden sehr lang. Sie erleichtern die Orientierung vor allem bei Dunkelheit.

Das Fell der Kaukasus-Leoparden ist besonders hell und blass gemustert. Die unregelmäßigen Rosetten am Rücken und an den Körperseiten bestehen bei Kaukasus-Leoparden aus dunkelbraunen Ringen aus Tupfen, die einen gegen die Grundfarbe etwas verdunkelten Hof umschließen. Die Ringe der Rosetten des Kaukasus-Leopardenfells werden aus drei bis fünf Tupfen gebildet. Bei ihnen sind viele dieser Ringe komplett geschlossen. Der Kopf, der Hals, die Schultern, der Bauch, die Beine und der Schwanz sind bei Kaukasus-Leoparden spärlich dunkelbraun oder mattschwarz gefleckt. Dabei sind die Flecken kleiner als bei anderen Leoparden. Das Fell der Kaukasus-Leoparden hat eine hell- bis beigegraue Grundfarbe und manchmal einen schwachen Gelb- oder Rotstich. An der Brust, am Bauch und an den Innenseiten der Beine ist das Fell heller bis weiß. Die Musterung ist bei jedem einzelnen Leoparden einzigartig und dient so auch zur Individualerkennung.

Unter den Katzen zählen Leoparden zu den geschicktesten Kletterern. Die seitlich verlagerten Schulterblätter und die langen, hakenartigen Krallen unterstützen das Erklimmen von Bäumen und steilen Felsen. Leoparden können im Unterschied zu den meisten anderen Katzen sogar kopfüber abwärts klettern. Des Weiteren verfügen sie über ein enormes Sprungvermögen und sind gute Schwimmer.

Lebensweise

Die Biologie der Kaukasus-Leoparden ist im Vergleich zu Leoparden in anderen Regionen ihres Verbreitungsgebietes bisher wenig untersucht. Leoparden sind Einzelgänger und leben größtenteils in festen Revieren, wobei die Reviere der Männchen größer sind als die der Weibchen. Diese werden streng gegen andere Männchen verteidigt und umfassen häufig zwei bis drei Reviere von Weibchen. Die der Weibchen überlappen sich mehr oder weniger mit denen anderer Weibchen. Das Brüllen der Leoparden ertönt vor allem nachts und in den frühen Morgenstunden. Die Reviermarkierung erfolgt außerdem mit Urin, Kratzspuren und Kopf- und Körperreiben. Männchen und Weibchen ohne Reviere streifen auf der Suche nach einem Revier umher. Beim Durchqueren eines besetzten Reviers kann es zu ernsthaften Kämpfen zwischen gleichgeschlechtlichen Leoparden kommen, während gelegentliche Begegnungen von benachbarten Leoparden zumeist friedlich verlaufen. Sollte ein Männchen mit Revier versterben, kann es bei der Neubesetzung seines Territoriums ebenfalls zu schweren Kämpfen kommen. Wenn sich ein neuer Revierbesitzer durchgesetzt hat, zeigt sich in der darauffolgenden Zeit, ob er das Territorium halten kann. Es kann einige Zeit dauern, bis wieder Stabilität einkehrt.

Die Reviergröße ist vom Geschlecht der Leoparden, von der Beuteverfügbarkeit und der Lebensraumbeschaffenheit abhängig. Allerdings ist die Größe der Reviere bei Kaukasus-Leoparden bisher nicht genau untersucht. Vermutlich sind ihre Reviere bis zu 100 Quadratkilometer groß. In anderen Regionen des weltweiten Verbreitungsgebietes der Leoparden sind Reviergrößen von acht bis 800 Quadratkilometern bekannt. Die Leopardendichte pro 100 Quadratkilometer beträgt im Kaukasus 0,4 Leoparden. Damit gehört der Kaukasus zu den am dünnsten besiedelten Regionen des weltweiten Verbreitungsgebietes der Leoparden, wo die Dichte insgesamt zwischen weniger als einem bis mehr als 30 Leoparden pro 100 Quadratkilometer beträgt. In der Ökoregion Kaukasus ist das Klima saisonal sehr unterschiedlich. Dadurch verändern sich die Lebensbedingungen für die Kaukasus-Leoparden je nach Jahreszeit. Leoparden sind typischerweise nachtaktiv. Auf der Suche nach Nahrung legen sie täglich einige Kilometer zurück.

Bei Leoparden kommen Männchen und Weibchen nur zur Paarung zusammen. Sie verbringen dann wenige Tage miteinander. Die Weibchen bilden mit ihren Jungtieren hingegen über viele Monate feste Kleingruppen. Zu den friedlichen sozialen Interaktionen der Leoparden gehören das so genannte „Greeting“ und das „Grooming“. Beim Greeting reiben die Leoparden ihre Köpfe und Körper aneinander, beim Grooming lecken sie sich gegenseitig die Gesichter und das Fell.

In der Ökoregion Kaukasus koexistieren Leoparden mit Eurasischen Luchsen, Braunbären, Wölfen und Streifenhyänen und stehen mehr oder weniger in Nahrungskonkurrenz zueinander. Einst überlappte sich das Verbreitungsgebiet der Kaukasus-Leoparden außerdem mit dem der Kaspischen Tiger, die seit den 1970er Jahren allerdings als ausgestorben gelten.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung der Kaukasus-Leoparden ist bisher noch wenig untersucht. Leoparden werden etwa mit zwei bis drei Jahren geschlechtsreif. Weibchen werden dann im Alter von ca. drei Jahren zum ersten Mal trächtig. Männliche Leoparden fangen etwa mit drei bis vier Jahren an sich fortzupflanzen. Die paarungsbereite Zeit der Weibchen wird Rolligkeit genannt. Rollige Weibchen suchen mit Duftmarken und Gebrüll nach einem Geschlechtspartner - meistens das Männchen, mit dem sich ihre Reviere überlappen. Wenn sich ein Männchen und ein Weibchen gefunden haben, verbringen sie eine kurze Zeit zusammen und paaren sich in dieser Zeit mehrfach. Für den Geschlechtsakt legt sich das Weibchen auf den Bauch und das Männchen steigt über ihren Rücken. Die Kopulation endet oft aggressiv und damit, dass das Männchen dem Weibchen in den Nacken beißt, woraufhin das Weibchen aufspringt und sich wehrt. Im Kaukasus, insbesondere im Großen Kaukasus, scheint die Paarungszeit aufgrund der großen Saisonalität der Lebensbedingungen im Frühling und Frühsommer statt zu finden.

Die Tragzeit dauert ungefähr 96 Tage. An einem versteckten Ort bringt das Weibchen ihre Jungen zur Welt. Während in anderen Regionen des Verbreitungsgebietes schon Weibchen mit bis zu sechs Jungen aus einem Wurf beobachtet wurden, sind in der Ökoregion Kaukasus bisher Würfe von einem bis drei Jungen nachgewiesen. Die Leopardenjungen werden blind und nackt und mit einem Geburtsgewicht von etwa 500 bis 600 Gramm geboren. In den ersten Lebenstagen bleibt die Mutter fast die ganze Zeit bei ihrem Nachwuchs. Nach ein paar Tagen geht sie wieder regelmäßig auf die Jagd und lässt ihre Jungen im Versteck zurück. Wenn diese ein paar Monate alt sind, können sie schon einige Tage allein bleiben. Gelegentlich zieht das Weibchen mit ihren Jungen in ein neues Versteck um. Im Alter von ungefähr drei Monaten fangen die Leopardenjungen an, ihre Mutter hin und wieder zu begleiten. Im Spiel raufen die Geschwister miteinander, jagen sich und probieren sich aus. Spätestens, wenn mit sieben bis acht Monaten die bleibenden Eckzähne da sind, üben sich die Jungtiere darin kleine Beutetiere zu töten. Die Jungensterblichkeit ist bei Leoparden sehr hoch. Die Leopardenväter beteiligen sich nicht an der Aufzucht ihrer Jungen. Nach zwölf bis 18 Monaten sind die jungen Leoparden in der Lage, mehr oder weniger selbstständig zurechtzukommen und verlassen ihre Mutter im Alter von 15 bis 36 Monaten. Dabei lassen sich junge Weibchen gerne in der Nähe ihrer Mütter nieder, während junge Männchen weiter weg ziehen. Manchmal bleiben Geschwister in den ersten Monaten nach der Trennung von der Mutter noch zusammen bis schließlich jeder seine eigenen Wege geht. Frühestens 15 Monate nach dem vorherigen Wurf werden die Weibchen wieder trächtig, manchmal aber auch erst nach über zwei Jahren. Leoparden können sich bis zu einem Alter von etwa 16 Jahren fortpflanzen und haben eine Lebenserwartung von bis zu 20 Jahren.

Wenn das Revier eines Männchens von einem neuen Männchen übernommen wird, kommt es häufig vor, dass der Neue die abhängigen Jungtiere, die von seinem Vorgänger stammen, tötet. Dadurch werden die Weibchen schneller wieder paarungsbereit und das neue Männchen kann seinen eigenen Fortpflanzungserfolg erhöhen. Andererseits reduzieren Kindstötungen die Reproduktionsrate der Weibchen und den der gesamten Population. Der Fortpflanzungserfolg der Weibchen ist vor allem von der Qualität des Lebensraumes und vom Schutz ihrer Jungen vor Infantizid abhängig.

Geografische Verbreitung

Die Ökoregion Kaukasus liegt zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer in der Grenzregion von Asien und Europa. Sie erstreckt sich über die Länder Armenien, Aserbaidschan, Georgien, den nordwestlichen Teil Irans, die südwestlichste Spitze Russlands sowie den nordöstlichen Teil der Türkei. Im Norden der Ökoregion verläuft die Gebirgskette des Großen Kaukasus im Grenzgebiet zwischen Russland, Georgien und Nordaserbaidschan. Im Süden liegt parallel dazu der Kleine Kaukasus in Südgeorgien, Armenien und Südaserbaidschan. Im Südosten Aserbaidschans geht der Kleine Kaukasus in das Talysch-Gebirge und im Nordwestiran in das Elburs-Gebirge über.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren Leoparden in der Ökoregion Kaukasus weit verbreitet, gelten aber seit Mitte des 20. Jahrhunderts in weiten Teilen als ausgestorben. Einst war das Verbreitungsgebiet im Kaukasus außerdem mit den anderen Teilen des Verbreitungsgebietes der Persischen Leoparden verbunden.

Heute ist das Verbreitungsgebiet der Kaukasus-Leoparden stark fragmentiert. Sie kommen nur noch in kleinen, mehr oder weniger voneinander isolierten Teilbeständen vor. Aktuell gibt es im Großen Kaukasus in Russland, im zentralen und östlichen Nordkaukasus sowie im Kleinen Kaukasus im südlichen und südwestlichen Armenien, im südlichen Aserbaidschan, in der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan und im nordwestlichen Iran einzelne Leopardennachweise. In der Nordosttürkei gilt das Vorkommen der Kaukasus-Leoparden hingegen als unsicher. Der Austausch mit anderen Teilpopulationen der Persischen Leoparden ist nur noch begrenzt möglich.

Lebensraum

Leoparden sind sehr anpassungsfähig und kommen in vielen Lebensräumen ihres Verbreitungsgebietes vor. Im Kaukasus ist das Klima von heiß bis eiskalt und von feucht bis trocken. Insgesamt finden sich in der Ökoregion Kaukasus über 100 verschiedene Landschaftstypen, darunter Regenwälder, Laubwälder, Mischwälder, Nadelwälder, Bergwiesen, Steppen, Halbwüsten und Gletscher. Die meisten dieser Lebensräume eignen sich als Leopardenhabitate. Dabei sind die speziellen Ansprüche, die Leoparden an einen geeigneten Lebensraum stellen, gering, solange ganzjährig Beutetiere und Verstecke vorhanden sind. In schneebedeckten Regionen bevorzugen Leoparden Lebensräume mit einer durchschnittlichen Schneedecke von unter 15 Zentimetern.

Im Großen Kaukasus kommen Leoparden heute bevorzugt auf subalpinen Bergwiesen, in Laubwäldern, in dichtem Buschland und in Felsschluchten in Höhenlagen von 600 bis 3.800 Metern vor. Die besten Leopardenhabitate im Großen Kaukasus befinden sich im Erzi Naturschutzgebiet in Inguschetien im Nordkaukasus. In den Mischwäldern aus Kiefern, Buchen, Hainbuchen und Eichen an den Hängen des Skalisty-Kamms können die Kaukasus-Leoparden zahlreiche Beutetiere finden. Im Kleinen Kaukasus gehört das Chosrow-Reservat im Südwesten Armeniens mit seiner zerklüfteten Landschaft und den lichten Wacholderwäldern zu den wichtigsten Leopardengebieten. Im Zangezur-Nationalpark in der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan bewohnen die Kaukasus-Leoparden vegetationsarme, fast kahle Schluchten. Teile des Südostens Aserbaidschans sind mit warmgemäßigten Regenwäldern bedeckt. Im Talysch-Gebirge finden die Kaukasus-Leoparden noch Urwälder aus Linden, Buchen, Hainbuchen, Eichen, Ahorn- und Walnussbäumen mit dichtem Unterholz. Kaukasus-Leoparden bewegen sich gerne entlang von Bergkämmen fort, von wo aus sie einen guten Überblick über die Umgebung haben. Beim Umherstreifen nutzen sie bevorzugt ausgetretene Wildwechsel.

Ernährungsweise

Leoparden ernähren sich ausschließlich von Fleisch und gelten als einer der besten Schleichjäger. Sie gehören zu den Top-Prädatoren in ihrem Lebensraum. An der Spitze der Nahrungskette spielen sie somit eine besonders wichtige Rolle im Ökosystem. Im Kaukasus jagen sie ebenso wie in den meisten Regionen ihres weltweiten Verbreitungsgebietes in der Dämmerung und nachts. Beim Umherstreifen orten sie Beute über das Gehör und die Sicht. Sobald sich eine Gelegenheit zur Jagd bietet, legen sie sich auf die Lauer. Beim Anpirschen kriechen sie mit geducktem Körper dicht über dem Boden und nutzen geschickt sämtliche Versteckmöglichkeiten. Im Vergleich zu anderen großen Katzen schaffen Leoparden es, sich besonders nah an ihre Beutetiere heranzuschleichen und greifen diese manchmal aus weniger als zehn Meter Entfernung an. Zum Angriff schießen sie dann aus dem Hinterhalt hervor, stürzen sich auf die Beute und reißen sie nieder. Größere Beutetiere töten sie mit einem Kehlbiss, kleinere mit einem Nackenbiss. Wenn sie ein Beutetier nach wenigen Metern nicht überwältigen konnten, nehmen sie selten die Verfolgung auf. Neben der Schleichjagd, praktizieren Leoparden auch die Lauerjagd, bei der sie in einem Versteck zum Beispiel an einer Wasserstelle oder nahe eines Wildwechsels warten, bis ein Beutetier in die Nähe kommt.

Leoparden haben ein sehr breites Beutespektrum. Sie fressen sämtliche Tiere von Kleinsäugern bis zu Huftieren, die zwei bis drei Mal schwerer sind als sie selbst. Einen Großteil der Beute der Kaukasus-Leoparden machen kleine bis mittelgroße Huftiere wie Wildziegen, Wildschafe, Gämsen, Rehe, Rothirsche und Wildschweine aus. Hinzu kommen Feldhasen, Fasanen, Steinhühner, Birkhühner, Königshühner und Stachelschweine. Dabei sind im Kleinen Kaukasus sowie im östlichen Teil des Großen Kaukasus Wildziegen, Wildschweine und Rehe die wichtigsten Beutearten und im westlichen Teil des Großen Kaukasus Wildschweine, Rehe und Rothirsche. Untersuchungen zur Ernährungsweise der Kaukasus-Leoparden in Südarmenien haben gezeigt, dass Wildschweine den größten Anteil ihrer Nahrung ausmachen. In Gegenden, wo Kaukasus-Leoparden genügend Beutetiere finden, gibt es kaum Übergriffe auf Haus- und Nutztiere. In beutearmen Regionen reißen sie hingegen auch Hausrinder, Schafe, Pferde, Esel, Hunde und Geflügel.

Insgesamt haben Leoparden im Vergleich zu anderen Großkatzen einen geringeren Jagderfolg. Dafür verbraucht ihre Jagdweise weniger Energie, weil Leoparden ihrer Beute selten über längere Strecken hinterher sprinten wie beispielsweise Geparden. Außerdem ist die Überwältigung der Beute nicht besonders kräftezehrend wie zum Beispiel bei Löwen. So können Leoparden den geringeren Jagderfolg durch häufigere Versuche ausgleichen. Außerdem fressen Leoparden auch Aas und scheuen nicht davor zurück, anderen schwächeren Raubtieren die Beute streitig zu machen. Im Gegenzug kann es Leoparden aber auch passieren, dass sie ihre Beute an überlegene Raubtiere verlieren. Um dies zu vermeiden, sichern sie manchmal ihre Beute für einige Nahrungskonkurrenten unerreichbar in Bäumen. Dazu ziehen und schleppen Leoparden ihre Beute über Hunderte von Metern über den Boden und klettern dann mit ihr im Schlepptau bis in mehrere Meter Höhe. Ein vorteilhafter Nebeneffekt bei der Beutesicherung in Bäumen ist, dass sich dadurch die Haltbarkeit des Fleisches erhöht. Wenn möglich, jagen Leoparden nur alle paar Tage ein größeres Beutetier und fressen dann mehrere Tage lang davon. Ihr durchschnittlicher Fleischbedarf beträgt 2,9 bis 4,7 Kilogramm pro Tag. Im Allgemeinen ist der Kalorienbedarf von säugenden Müttern am größten, gefolgt von dem der Männchen und ist bei Weibchen ohne Jungtiere am geringsten.

Leoparden können ihren Wasserbedarf einige Zeit lang ausschließlich über den Verzehr ihrer Beute decken. So schaffen sie es bis zu zehn Tage ohne zu trinken auszukommen.

Bestandsgröße und Gefährdungsstatus

Laut der Weltnaturschutzunion IUCN gibt es noch etwa 800 bis 1.000 Persische Leoparden. Die meisten davon leben im Iran. Im Kaukasus wurde die Population der Leoparden erstmals im Jahr 2001 wissenschaftlich untersucht. Im Jahr 2007 wurden in der Ökoregion Kaukasus insgesamt nur noch etwa 65 Leoparden vermutet. Nachgewiesen reproduzierende Teilpopulationen gibt es in der Ökoregion Kaukasus derzeit nur im Hirkan-Nationalpark im südöstlichen Aserbaidschan sowie im sogenannten „Zangezur-Dreieck“ zwischen dem südlichen Teil der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan, Südarmenien und dem Nordwesten Irans.

In der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind Leoparden als gefährdet eingestuft. Dabei gelten die Persischen Leoparden als stark gefährdet. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES sind Leoparden im Anhang I gelistet. Jeder internationale kommerzielle Handel ist somit verboten. Zudem sind Kaukasus-Leoparden in allen ihren Verbreitungsländern nach nationalem Recht geschützt.

Bedrohungsfaktoren

Die wenigen letzten Kaukasus-Leoparden werden heute durch Wilderei, Mensch-Wildtier-Konflikte, Lebensraumverlust und Beutemangel bedroht. Zudem ist die geringe Größe ihres Bestandes kritisch für einen regen genetischen Austausch. Je kleiner eine Population ist, desto verheerender können außerdem die Auswirkungen von Zufallsereignissen wie Krankheiten usw. sein.

Im Kaukasus hat die Bevölkerung ebenso wie die Natur seit den 1990er Jahren sehr unter politischer Instabilität, bewaffneten Konflikten sowie der Wirtschafts- und Energiekrise in den 1990er Jahren gelitten. Die Länder Russland, Georgien, Armenien und Aserbaidschan gehörten zur ehemaligen Sowjetunion. Nachdem diese im Jahr 1991 aufgelöst wurde, folgte eine Wirtschaftskrise. Vor allem in den ländlichen Regionen des Kaukasus rutschten Teile der Bevölkerung unter die Armutsgrenze. Die Wirtschaftskrise führte zu einem Anstieg der Nutzung und Übernutzung natürlicher Rohstoffe wie Holz, Wildtiere und Pflanzen auf Kosten der Natur. Im gleichen Zeitraum verursachte der global angestiegene Energieverbrauch eine Preiserhöhung für fossile Energieträger. Für große Teile der kaukasischen Bevölkerung bedeutete dies, dass sie sich Öl und Gas nicht mehr leisten konnten und ihren Energiebedarf mit Brennholz decken mussten. Die gleichzeitige Nutzung als Viehweide setzte den Wäldern schwer zu. Insbesondere in den Bergregionen fehlte durch das Schwinden der Wälder der Schutz vor Bodenerosion. In der Folge gefährdeten starke Überschwemmungen Siedlungen und spülten fruchtbaren Boden fort. Zugleich wurde die klimaregulierende und kohlenstoffspeichernde Funktion der zuvor riesigen und dichten kaukasischen Wälder reduziert.

Der Kaukasus stellt schon seit Jahrhunderten eine wichtige Landverbindung zwischen Europa und Asien dar. Das Transportvolumen auf diesem Korridor wächst aktuell von Jahr zu Jahr. Der Ausbau der Infrastruktur erschwert den Leoparden und anderen Wildtieren zunehmend ihre Mobilität. Bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren nur noch rund ein Viertel des Kaukasus in einem natürlichen Zustand und weniger als 12 Prozent echte Wildnis. Obwohl im Kaukasus viele ursprüngliche Naturlandschaften zerstört worden sind, würde die gesamte Ökoregion einer Studie zufolge Lebensraum und Beute für bis zu 1.200 Leoparden bieten. Für eine natürliche Wiederbesiedlung spielen allerdings Korridore, die die Teilstücke des fragmentierten Verbreitungsgebietes verbinden, eine elementare Rolle.

Schon seit Jahrhunderten werden Leoparden in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebietes wie auch im Kaukasus gejagt. Ihre Körperteile, vor allem ihre Felle, Knochen und Eckzähne, werden illegal gehandelt. Leopardenknochen sind in Asien in den letzten Jahren zu einer beliebten Alternative zu Tigerknochen in der Traditionellen Asiatischen Medizin geworden, da es nur noch wenige wildlebende Tiger in Asien gibt und der Handel mit Tigerknochen verstärkt kontrolliert wird. Leopardenhäute sind in Asien außerdem begehrte Luxusgüter. Bis in die 1970er Jahre wurden Leopardenfelle außerdem im großen Stil in der Pelzindustrie zu Bekleidungsstücken für die amerikanische und europäische Modewelt verarbeitet. Zum anderen werden Leoparden immer wieder zum Schutz der Menschen und der Nutz- und Haustiere oder aus Rache getötet. Als Aasfresser können sie leicht geködert und vergiftet werden. Die Tötung von Leoparden ist in allen kaukasischen Verbreitungsländern verboten. Dennoch ist die Wilderei dort weit verbreitet. Seit dem Jahr 1990 sind mindestens 23 Leoparden in Armenien, Aserbaidschan, Georgien und Russland durch Menschenhand ums Leben gekommen. Obwohl die Wilderei im Kaukasus bisher wenig untersucht worden ist, scheinen die sogenannten Mensch-Wildtier-Konflikte meistens die Ursache gewesen zu sein, wenn Leoparden Vieh gerissen haben. Da nicht alle Wildereifälle bekannt werden, bleibt unklar, wie viele Kaukasus-Leoparden insgesamt getötet werden. Bei einer landesweiten Untersuchung der Todesursache verstorbener Leoparden im Iran wurde festgestellt, dass 70 Prozent der Leoparden durch Jagd und Vergiftung ums Leben gekommen sind.

Wildtiere, darunter viele Leopardenbeutetierarten, sind im Kaukasus ebenso wie in anderen Regionen des Verbreitungsgebiets als so genanntes Buschfleisch eine wichtige Nahrungs- und Einkommensquelle für die Bevölkerung. Im Zuge der Wirtschaftskrise in den 1990er Jahren gab es einen starken Anstieg der Jagdaktivitäten. In der Konsequenz brachen die Beutetierbestände im Kaukasus über viele Jahre immer weiter ein. Zudem wurde ihr Lebensraum fragmentiert und verkleinert. Für die Kaukasus-Leoparden bedeutete dies, dass sie schwieriger und weniger zu fressen finden konnten. Im Iran waren die Beutetierbestände sogar schon seit den späten 1970er Jahren eingebrochen. Einzig in einigen Schutzgebieten in der Ökoregion Kaukasus konnten sich große Huftierbestände halten. Für die Festsetzung von Jagdquoten fehlen Bestandsuntersuchungen der Beutetierpopulationen und Kontrollorgane für deren Durchsetzung.

Obwohl es bisher keine Untersuchung zur genetischen Vielfalt und zu Inzuchteffekten bei Kaukasus-Leoparden gibt, ist klar, dass ihre Population auf einige Hundert Tiere anwachsen muss, um langfristig vital zu bleiben.

 

Der Leopardenschutz ist seit Jahrzehnten ein großes Thema für den WWF. Leoparden gehören ebenso wie Eisbären, Nashörner, Elefanten, Menschenaffen, Große Pandas und weitere Arten zu den Flaggschiffarten des World Wide Fund for Nature. Der WWF ist weltweit in zahlreichen Projekten zum Schutz und zur Erforschung bedrohter Arten aktiv und hat bereits viel erreicht. Weitere Informationen über die Projektarbeit finden sich unter: www.wwf.de/themen-projekte/bedrohte-tier-und-pflanzenarten

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