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Stand: 13.12.2013

Auf den Spuren des Feuerschwänzigen Springaffen

WWF-Expedition im Amazonas-Regenwald

Sie übernachten in einfachen Camps mitten im Amazonas. Sie stehen jeden Morgen um drei Uhr auf. Sie nehmen anstrengende Touren durch den Urwald auf sich. Sie suchen einen Affen – und sind einer Sensation auf der Spur.

Feuerschwänzige Springaffen <i>Callicebus miltoni</i> © Adriano Gambarini / WWF
Feuerschwänzige Springaffen © Adriano Gambarini / WWF

Über dreitausend Kilometer durch den Regenwald, in drei Wochen. Je ein bis zwei Nächte bleiben die Experten in provisorischen Camps im Urwald – bestehend aus Hängematte, Moskitonetz und einem einfachen Dach als Regenschutz. Alle müssen ständig mobil sein, auspacken, arbeiten, einpacken und weiterziehen. Die Expedition ist bis ins kleinste Detail perfekt durchgeplant. Die Gegend, in der sie unterwegs sind, ist wissenschaftlich noch kaum erforscht. Doch 2010 wurde hier eine neue Affenart entdeckt – eine Sensation.

Sensationsfund Säugetier

Das auffälligste Merkmal des neu entdeckten Affen ist sein buschiger, feuerroter Schwanz. Seine Entdeckung 2010 war Zufall. Eine WWF-Expedition zur Einrichtung neuer Schutzgebiete führte damals in ein nahezu unberührtes Gebiet zwischen zwei Flüssen – den Lebensraum der Affen. „Eine Expedition, die mit der Entdeckung einer neuen Säugetierart endet, ist heute sehr selten. Das hat man im 21. Jahrhundert fast gar nicht mehr“, betont Roberto Maldonado, Lateinamerika Referent beim WWF Deutschland. Die neue Art gehört zur Gattung der Springaffen und das Aussehen der Tiere sorgte schnell für einen bildlichen Namen: Feuerschwänziger Springaffe (Callicebus Miltoni).

Einfaches Expeditionscamp © Julio Dalponte / WWF
Einfaches Expeditionscamp © Julio Dalponte / WWF

Auf der Suche nach dem unbekannten Wesen

Noch weiß man fast nichts über den seltenen Feuerschwänzigen. "Das Tier wurde vor unserer Expedition noch nie in der Wildnis beobachtet," erklärt Roberto Maldonado. "Gesichtet ja, aber wirklich beobachtet nicht." Auf der Suche nach den Affen legt das Expeditionsteam weite Strecken auf unbefestigten Straßen zurück, lange Bootsfahrten und anstrengende Wanderungen durch den Wald. Frühes Aufstehen gehört dabei immer dazu, denn die Forscher wollen an bestimmten Stellen im Wald sein, bevor die Affen in der Dämmerung aktiv werden. So scheuchen sie die Tiere nicht auf und können sie besser beobachten.

Vermuteter Lebensraum des Feuerschwänzigen Springeaffen zwischen dem Roosevelt River und dem Guariba River © WWF
Vermuteter Lebensraum des Feuerschwänzigen Springeaffen zwischen dem Roosevelt River und dem Guariba River © WWFLupe

Wissenschaft ist mühselig

Die Forscher suchen nach Essensresten und Wanderwegen der Tiere, nach Verstecken und Schlafplätzen. Und sie hoffen, dass sie die Affen beobachten können. Das Team um den Affenexperten Julio Dalponte will zum Beispiel wissen, was der neu entdeckte Affe frisst, wo und in welcher Höhe er sich aufhält, ob er Einzelgänger ist oder in welchen Gruppen er sich bewegt. Viel Zeit haben sie für ihre Untersuchungen nicht, sagt Roberto Maldonado vom WWF: "Drei Wochen Expedition sind nicht viel. Das kann nur ein Anfang sein. Aber so ist Wissenschaft, sehr langwierig und zum Teil sehr mühselig." 

 

Unüberwindbare Hindernisse

Die wichtigste Frage kostet dabei am meisten Zeit: Wo ist der Lebensraum der Tiere wirklich? Der Feuerschwänzige Springaffe scheint zwischen zwei Flüssen eingekesselt zu sein. Wie die Spitze eines Dreiecks laufen beide Flüsse aufeinander zu. Im Süden begrenzen die sogenannten Cerrados das Dreieck, die Savannen Südamerikas – kein Gebiet für eine Affenart aus dem Regenwald. Wenn die Affen es im Laufe der Evolution wirklich nie geschafft haben, die Flüsse zu überqueren, ist ihr Lebensraum nicht besonders groß. "Das ist typisch für den Amazonas," erklärt Roberto Maldonado. „Die Nischen der einzelnen Arten sind zum Teil sehr klein. Das macht die Arten und die Ökosysteme als Ganzes natürlich deutlich anfälliger für Veränderungen oder Störungen.“

Affen-Familie, Feuerschwänzige Springaffen © Adriano Gambarini / WWF
Affen-Familie, Feuerschwänzige Springaffen © Adriano Gambarini / WWF

Gerade entdeckt und schon bald verschwunden?

Als die WWF-Expedition in den Süden zwischen den beiden Flüssen vordringt, entdecken die Forscher eine ganze Affen-Familie mit roten, buschigen Schwänzen. Es sind die gesuchten Feuerschwänzigen Springaffen – auf einem Waldfleck mitten in einer Rinderfarm. „Das sind alles andere als überlebensfähige Umstände“, betont Roberto Maldonado vom WWF. Die größte Bedrohung für den kleinen Affen ist die Abholzung des Regenwaldes zugunsten von Rinderweiden. Ein Teil seines Lebensraumes liegt in Schutzgebieten. Der Rest jedoch ist von Entwaldung bedroht, über 230.000 Hektar sind bereits abgeholzt. Neben den Rinderweiden gefährden mehrere Wasserkraftwerkprojekte vor Ort und die Agrarindustrie den Lebensraum der neu entdeckten Affenart.

Wissen schafft Schutz

Je mehr wissenschaftliche Belege es für die Bedrohung der Feuerschwänzigen Springaffen gibt, desto besser können die Experten gegenüber der Brasilianischen Regierung argumentieren. "Brasilien will wachsen. Der Verlust von Arten ist dabei aber keine Option. So lautet die offizielle Position der Brasilianischen Regierung", erklärt Roberto Maldonado. "Vor diesem Hintergrund bringt unsere Expedition sehr viel, das geht bis hin zum Überleben dieser Affenart." Denn nur wenn man genug über die neu entdeckte Art weiß, kann man sie vor dem Aussterben schützen.

(Von Stephanie Probst)

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