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Das traurige Ende von M13

Der Jungbär M13 sorgte in der Schweiz für viel Aufsehen. Jetzt ist er tot.  Vertreter der Bündner Behörden hatten ihn nun zum Problembären erklärt. Es war sein Todesurteil. Der WWF will weiterkämpfen: Mit den richtigen Präventionsmaßnahmen bietet die Alpenregion genügend Platz für Braunbären.

Joanna Schönenberger, Bärenexpertin beim WWF Schweiz. © Mark Schulman / WWF-Canon
Joanna Schönenberger, Bärenexpertin beim WWF Schweiz. © Mark Schulman / WWF-Canon

Mitte November 2012 brach M13 in ein leerstehendes Ferienhaus ein – und fraß dort lediglich ein paar Kartoffeln verspeist hat. „Nun verliert er noch mehr die Scheu und wird dadurch definitiv ein Problembär“, sagte Jagdinspektor Reinhard Schnidrig in einem Interview für das schweizerische Bundesamt für Umwelt (BAFU). Diese Einstufung kam seinem Todesurteil gleich. Er wurde am Morgen des 19. Februars 2013 abgeschossen.

 

„Kein Problembär“

„Der Abschuss erfolgte eindeutig zu früh. Es wäre besser gewesen, hätte man die Vergrämungsmaßnahmen intensiviert und fortgeführt“, sagte WWF-Bärenexpertin Joanna Schönenberger. M13 war sicher kein Problembär.“  Bei Vergrämungsmaßnahmen wird der Bär gezielt mit Gummischrot beschossen und verscheucht.

 

Mit den richtigen Präventionsmaßnahmen biete die Alpenregion genügend Platz für Braunbären, sagt Schönenberger. Streng geschützte Tiere zu töten, nur weil Menschen ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, dürfe keine Lösung sein. Seit 2006 haben bereits acht Exemplare die Schweiz besucht.

Viel Aufsehen – und eine Leiche

M13 sorgte 2012 für viel Aufsehen. Am 25. April hatte er bei seinen Streifzügen im Tiroler Grenzgebiet bei Spiss im österreichischen Kreis Landeck einen Baum umgeschubst. Dieser fiel ausgerechnet auf ein Stromkabel und verursachte einen Brand. Die alarmierten Behörden stießen bei den Löscharbeiten anschließend auf einen skurrilen Fund: eine männliche Leiche - laut der Nachrichtenagentur APA - nur mit einer Unterhose bekleidet.

 

Am 30. April meldete die Rhätischen Bahn, dass es einen Zwischenfall mit „einem größeren Tier“ gegeben habe – mit M13. Den Unfall habe der Bär allerdings recht unbeschadet überstanden, wie die schweizerische Tageszeitung „20min“ schreibt. Seitdem durchstreifte er die Grenzregion im Dreiländereck. Als neugieriger Jungbär kannte er wenig Scheu vor Menschen und lief öfter vor eine Kameralinse. Nachdem er mehrere ungesicherte Bienenstöcke aufgebrochen und einzelne Nutztiere gerissen hat, wurde er betäubt und mit einem Senderhalsband versehen.

 

Vorbereitung ist entscheidend

Doch der Bär hatte auch in der Schweiz Feinde. Im November wurden sogar ausgelegte Fleischköder mit Rattengift gefunden. „Ausschlaggebend für das Überleben des Braunbären in den Alpen ist die Akzeptanz der Leute, die in den Bärengebieten leben“, sagt WWF-Bärenexpertin Joanna Schönenberger. Langfristig führe kein Weg daran vorbei, dass sich die betroffenen Regionen auf die natürliche Rückkehr der Großen Beutegreifer wie etwa Bären vorbereiteten. „Es braucht in den betroffenen Regionen Präventionsmaßnahmen wie geschützte Herden, bärensichere Abfallcontainer und gesicherte Bienenhäuser", fordert Schönenberger. Während sich in Deutschland Bayern mit seinem Bären-Managementplan zumindest auf dem Papier damit auseinandergesetzt habe, habe es der Schweiz benachbarte Bundesland Baden-Württemberg seit 2006 versäumt, sich auf eine Rückkehr der Bären vorzubereiten.

M13 – woher kommt der Name?

M13 ist wie JJ2 und JJ3 ein Nachkomme aus dem „Life Ursus“-Projekt, welches das Ziel hatte, die letzten Alpenbären zu retten. Dazu wurden zwischen 1999 und 2002 insgesamt zehn Bären aus Slowenien in den Naturpark Adamello-Brenta überführt und mit den drei Bären vor Ort zusammengeführt.

 

Mittlerweile hat sich eine Population von 30 Bären entwickelt. Diese sind gesund und auch genetisch noch nicht verarmt, erklärt Joanna Schoenenberger. Zunächst gaben die Tierschützer den Bären Namen, in der zweiten Generation erhielten sie Buchstaben zur Identifikation. JJ1war der erste Nachkomme der Bärin Jurka und dem Männchen Joze, JJ3 folglich das dritte Jungtier. In der nächsten Generation hatten die Bären logischerweise vier Buchstaben, und später hätten sie gar sechs und acht Buchstaben erhalten müssen. Daher wurden die Bezeichnungen weiter vereinfacht: M steht dabei für Männchen und die Zahl wiederum dafür, dass es sich um das 13. Jungtier in dieser Generation seit der Namens-Umstellung handelt.

Die Rückkehr der Braunbären

Der WWF engagiert sich seit über 20 Jahre für die Rückkehr der Braunbären im alpinen Raum. Im Jahr 1989 gelang es dem WWF zum ersten Mal einen Bären in Österreich auszuwildern. Dabei handelte es sich um eine dreieinhalb Jahre alte Bärin namens „Mira". Sie wurde erst in Kroatien eingefangen und dann in Niederösterreich wieder in die Natur freigelassen. Dort lebte bereits der „Ötscherbär", der von selbst aus Slowenien eingewandert war. Die WWF-Initiative zum Bärenschutz beinhaltet vor allem die Datensammlung durch die Besenderung von Bären, die verstärkte Aufklärungsarbeit, eine enge Einbindung der Jägerschaft sowie die Unterstützung der strafrechtlichen Verfolgung von Tötungsdelikten.

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