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Gefährdungen und Schutz der Population

Der Kamtschatka-Braunbär gehört seit dem 19. Jahrhundert zu den jagdbaren Tierarten in Russland, die Lizenz für die Bärenjagd können Berufs- und Sportjäger erwerben. Wovon diese offenbar reichlich Gebrauch machten: Bereits im Jahre 1897 verbot erstmals der damalige Gouverneur die Bärenjagd auf Kamtschatka, damit die Braunbärenbestände sich erholen konnten.

Heute scheint nicht nur für russische, sondern auch für ausländische Jäger aus USA, Japan und Europa die Bärenjagd auf Kamtschatka ein attraktives Angebot zu sein. Deren Nachfrage verstärkte seit 1990 auch den illegalen Jagdtourismus. Die Jagdquoten und die Jagdzeiten im Frühling und Herbst werden jährlich durch das russische staatliche Amt für Jagdwirtschaft festgelegt und veröffentlicht. Für die Frühlingsjagd 2005 wurde dank Engagement vieler Naturschützer erneut ein Jagdmoratorium durch den Gouverneur von Kamtschatka unterzeichnet.

© Peter Prokosch / WWF

Trotz Verbots: Die illegale Jagd geht weiter

Die Braunbären sind nach wie vor durch die illegale Jagd stark gefährdet: Im Frühling, wenn die Bären die Winterhöhlen verlassen haben, sind sie aus der Luft und auf der schneebedeckten Erde sehr gut sichtbar. Trotz Verbots kommen die illegalen Jäger mit Hubschraubern und Schneemobilen zur Bärenjagd. Und nur steile Berghänge und unzugängliche Flussläufe können die Bären noch von den Verfolgern schützen. Aber auch dieser Schutz reicht nicht aus, wenn kriminelle Jäger aus dem Hubschrauber die Braunbären verfolgen.

Die zweite Gefahr droht im Spätsommer: Die Bären versammeln sich an den Lachsflüssen und Seen, wo das größte Nahrungsangebot vorhanden ist und werden dann von Wilderern gefangen oder erschossen.

Die Braunbären benötigen ausgedehnte und ungestörte Lebensräume und Schutzgebiete, um langfristig überleben zu können. Ein totaler Schutz und Jagdverbot existiert im Reservat Kronozky. In allen anderen Naturparken und Schutzgebieten gibt es verschiedene Nutzungsrechte einschließlich der Bärenjagd.

 

Zählungen der Bären

Die erste Zählung der Braunbärenpopulation Kamtschatkas führte der Wissenschaftler A.G. Ostroumov 1968 durch und registrierte etwa 20.000 Tiere. Im Jahre 1976 wurden nur noch circa 7.000 Braunbären gezählt. Der WWF hat Mitte der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts eine umfangreiche wissenschaftliche Studie zum Schutz und Management der Braunbärenpopulation erstellt und veröffentlicht. Die Studie ergab, dass es noch 10.000 Exemplare auf der gesamten Halbinsel gibt. Die nachfolgenden Braunbärenzählungen (2002) und anschließende Bewertungen bescheinigen eine stabil bleibende Braunbärenpopulation (circa 10.000).

 

Nachhaltige Jagdwirtschaft

In Anbetracht der aktuellen politischen Lage in Russland haben Forderungen nach Unterschutzstellung weiterer Flächen oder nach einer vollständigen Entnahme von Flächen aus jeglicher Nutzung auf Kamtschatka kaum Chancen auf Durchsetzbarkeit. Daher sollte eine nachhaltige Jagdwirtschaft durch effektive Managementpläne in den Schutzgebieten langfristig etabliert und umgesetzt werden. Auch die privaten Jagdpächter sollen für die Schutzmaßnahmen gegen illegale Jäger sowie für die Zählung der Braunbärenbestände gewonnen werden. Die stabile Braunbärenpopulation auf Kamtschatka kann sich aber auch dann drastisch reduzieren, wenn die bereits begonnene Industrialisierung voranschreitet und Laichflüsse und Seen für die Wanderlachse durch zunehmende Öl- und Gaserschließung an der Küste verschmutzt werden.

Steckbrief des Kamtschatka-Bären

Größe, Gewicht: Der Kamtschatka-Bär (Ursus arctos piscator = Ursus arctos beringianus) ist die größte Bärenunterart Russlands und vergleichbar mit dem Ostsibirischen Braunbär und dem Ussuri-Braunbär. Er ist fast so groß wie der Kodiak-Bär, der größte Bär der Welt: Der ausgewachsene männliche Kamtschatkabär wird etwa 2,5 Meter groß und wiegt bis zu 600 Kilogramm, Weibchen sind etwa 20 bis 30 Prozent leichter.

 

Nahrung: Das Nahrungsangebot an Pflanzen- und Eiweißkost ist ausgesprochen reichhaltig. Im Frühling liegt noch meterhoch der Schnee, aber für die aus dem Winterschlaf erwachenden Braunbären gibt es bereits Gräser und Pflanzen um die heißen Thermalfelder, außerdem aufgetaute Kiefernzapfen und reichlich Meeresgaben wie Fische, Wirbellose oder verendete Meeressäuger. Später kommen Insekten, Larven, Beeren, Wurzeln, Nüsse, Waldfrüchte, Fleisch und Aas dazu.

 

Vom Hochsommer bis zum Spätherbst genießt der Kamtschatka-Braunbär dann das 'Schlemmerparadies' der Wildnis mit sechs pazifischen Lachsarten, die alle die Flüsse zum Laichen hochwandern. Die Bären warten schon auf sie und wandern mehrmals am Tag zu den Flüssen, um zu schauen, ob die Lachse schon da sind. Am Anfang verzehren die Tiere noch ganze Lachse. Später suchen sie sich nur noch die "Filetstücke" wie den Fischkopf oder ein Rückenteil raus. Im Sommer und Herbst legt der Kamtschatka-Braunbär eine lebenswichtige Fettschicht für die Winterruhe an und nimmt jeden Tag bis zu einem Pfund zu.

Merkmale: Braunbären sind nicht immer braun, sondern variieren von schwarz nach dunkelbraun bis gelbbraun oder grau. Auch beim Kamtschatka-Braunbären variiert die Farbe individuell. Nach dem Haarwechsel im September erreicht das neue Fell dann während der Winterruhe im Dezember seine volle Farbe und Dichte. Das dichte Winterfell schützt den Braunbären optimal vor Kälte. Es ist deswegen im Frühling als Jagdtrophäe sehr begehrt. Vor allem in der dunkelbraunen Variante. Das hat zur Folge, dass sich die Zahl nicht nur der größten, sondern auch der dunkelbraunen Exemplare auf Kamtschatka deutlich reduzierte, weil dieses Aussehen wohl am meisten den Vorstellungen der Jäger entspricht.

Verbreitungsgebiet und Lebensraum: Der Kamtschatka-Braunbär lebt ausschließlich auf der namensgebenden Halbinsel im fernen Osten Russlands. Der Lebensraum des Kamtschatka-Braunbären ist gekennzeichnet durch den Einfluss der Vulkaneruptionen, der geothermalen Phänomene und der Pazifiknähe.

 

Drei Schlüsselfaktoren bestimmen sein Umfeld: Schutz und Ruhe, Zugänglichkeit und Verfügbarkeit des Nahrungsangebotes und das Vorhandensein von Höhlenplätzen für die Winterruhe. Wichtige Lebensräume sind die Berghänge mit undurchdringbaren Kiefern- und Erlenbeständen (Pinus pumila, Alnus kamtschatica). Beide Arten nehmen etwa fast die Hälfte der Waldfläche ein. Dort liegen auch die meisten Höhlenplätze der Braunbären.

Auch die lichten Birkenwälder (Betula ermannii, Betula kamtschatica) mit hohem Gras und Unterholz bestimmen den Lebensraum der Kamtschatka-Braunbären. Sie wechseln mosaikartig mit der großflächigen und baumlosen Beeren-Tundra oder mit einer Strauch,- Gras- und Blüten-Tundra ab.

 

Ebenso spielen alle weitere Naturzonen für die Bären eine wichtige Rolle. So führen ihre Fährten von den Küstenwiesen durch den Wald in die Gebirgstundra bis zu den Berggipfeln der Vulkane und wieder zurück ins Flusstal mit Auwäldern und vielen Nehrungen in den Mündungsbereichen der Lachsflüsse.

Paarung, Winterruhe und Aufzucht: Männchen und Weibchen treffen sich im Sommer etwa drei Monate lang (Mai bis Juli) nur zur Paarung. In der übrigen Zeit ist der Kamtschatka-Braunbär ein Einzelgänger. Sein Leben ist in etwa zwei gleiche Phasen geteilt - in die passive Zeit in der Winterhöhle und die aktive Zeit nach dem Verlassen der Höhle. Vor der Winterruhe sinken die Temperaturen von minus fünf Grad Celsius auf minus 25 Grad Celsius, die Schneedecke wächst auf 50 Zentimeter bis zu einem Meter hoch.

 

Bei trächtigen Weibchen beginnt die Winterruhe bereits etwa Ende Oktober, sieben bis acht Monate dauert die Tragzeit und zum Frühling kommen in der Höhle ein bis drei noch blinde Bärenjungen zur Welt (Gewicht 400 bis 500 Gramm; Körperlänge 20 bis 25 Zentimeter). Erst nach circa 30 Tagen können die Bärenjungen sehen.

 

Im Frühling verlässt die Mutter mit den Bärenjungen die Höhle, die Jungen bleiben noch zwei bis drei Jahre bei der Mutter, erlernen die Suche nach Nahrung und das Verhalten bei Gefahr. Das Verlassen der Winterhöhlen beginnt etwa Mitte April.

   
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