WWF Deutschland

http://www.wwf.de/


Content Section

Stand: 17.04.2014

Feldhasen in Gefahr

Die Landwirtschaft bedroht das Symbol des Osterfestes

Zu Ostern begegnen wir dem Hasen überall – in Form von Schokolade oder als Dekoration. Doch in freier Natur bekommen wir Meister Lampe immer seltener zu sehen. Den Feldhasen in Deutschland geht es schlecht. Was können wir tun, um sie zu schützen?

Feldhase (<i>Lepus europaeus</i>) © iStock / Getty Images
Feldhase (Lepus europaeus) © iStock / Getty Images

Wie der Name schon sagt, leben Feldhasen vorwiegend auf Feldern, Wiesen und Äckern. Doch die früher so häufige Art gilt inzwischen als gefährdet. Seit den 1960er Jahren ist die Zahl der Feldhasen in Deutschland stark gesunken. Die intensive Landwirtschaft bietet den Hasen in weiten Teilen nicht mehr den richtigen Lebensraum und auch nicht mehr ausreichend Nahrung. 

Meister Lampe liebt den Weitblick

Der Feldhase stammt ursprünglich aus den Steppen Osteuropas und ist der einzige Vertreter der Echten Hasen in Deutschland. Feldhasen lieben warme, trockene und offene Flächen mit einer guten Sicht zu allen Seiten. Die Tiere sind zwar kurzsichtig, können aber durch ihre seitlich stehenden Augen rundherum fast 360 Grad überblicken. Im Gegensatz zu Kaninchen leben Feldhasen nicht in einem Bau, sondern scharren sich flache Mulden in den Ackerboden, die sogenannten Sassen. Als Versteck, zum Beispiel vor Greifvögeln, brauchen die Langohren außerdem Büsche, Hecken und hohes Gras.

Steckbrief: Woran erkenne ich einen Feldhasen?

Ausgewachsene Feldhasen sind etwa 60 bis 70 Zentimeter groß. Ihr Fell ist gelb- bis rotbraun. Kennzeichnend sind die langen Ohren, die der Feldhase im Gegensatz zum Wildkaninchen nicht ständig aufrecht stehen hat. Die Hinterläufe sind extrem lang. Feldhasen können drei Meter weit und zwei Meter hoch springen und bis zu 80 Kilometer pro Stunde schnell werden. Typisch ist das Hakenschlagen: Auf der Flucht ändern Feldhasen immer wieder plötzlich ihre Richtung. Genau wie die Hinterbeine ist auch die Schnauze des Feldhasen länger als beim Wildkaninchen.

Zu wenig Verstecke, zu wenig Nahrung

Gute Hasen-Verstecke sind selten geworden auf den Äckern der heutigen Zeit, wo jeder Zentimeter genutzt wird. In dicht gesätem Getreide können Feldhasen sich außerdem nur schwer bewegen. Vor allem aber finden die Tiere immer weniger Nahrung. „Feldhasen ernähren sich hauptsächlich von Wildkräutern und Gräsern. Sie brauchen eine vielfältige Agrarlandschaft, wo Futter für sie wächst,“ erklärt WWF-Landwirtschaftsexperte Markus Wolter. „In den heutigen ausgeräumten Landschaften wird die Nahrungsgrundlage immer dürftiger. Das ist ein Grund, warum viele Junghasen sterben.“ Vor allem Maismonokulturen bieten wenig Nahrung für Hasen. Die Häsinnen müssen sich zur Futtersuche weit weg von der Sasse bewegen und ihre Brut dabei allein lassen.

Gerade im Frühjahr lauert die Gefahr

In der Zeit vor Ostern bereiten die Landwirte ihre Äcker für die Aussaat vor. Heutzutage bleibt dabei kaum ein Stückchen Land unbearbeitet. Der Einsatz großer landwirtschaftlicher Maschinen gefährdet Junghasen, die sich bei Gefahr im Gras ducken und auf ihre Tarnung vertrauen. Denn Feldhasen stellen sich bei Gefahr tot und verharren reglos in ihrer Erdmulde. Viele Feldhasen in Deutschland fallen außerdem dem Autoverkehr zum Opfer.

Im Westen mehr Hasen

Feldhase (<i>Lepus europaeus</i>) © Wild Wonders of Europe / Igor Shpilenok / WWF
Feldhase (Lepus europaeus) © Wild Wonders of Europe / Igor Shpilenok / WWF

Der jahrzehntelange Rückgang der Feldhasen-Population hat verschiedene Ursachen und noch sind längst nicht alle Zusammenhänge erforscht. 2012 beobachteten die Biologen eine leichte Erholung der Bestände. Auch hierfür sind die Gründe nicht eindeutig geklärt und nach wie vor ist der Feldhase unter Druck. Aber eines lässt aufhorchen: In Westdeutschland leben wesentlich mehr Feldhasen als im Osten. „Im Westen Deutschlands gibt es eine deutlich kleinteiligere und damit vielfältigere Feldstruktur. Hier sind die Feldhasenvorkommen durchschnittlich drei- bis viermal so hoch wie in Ostdeutschland,“ sagt Markus Wolter vom WWF Deutschland.

Bio ist besser

Die heutige Art der intensiven Landwirtschaft gilt als Hauptgrund für den Verlust der Artenvielfalt in Deutschland – besonders durch den großflächigen Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden. „Bio-Flächen sind nachweislich artenreicher als konventionelle, vor allem weil hier keine Pestizide und leicht lösliche Stickstoffdünger eingesetzt werden,“ erklärt Markus Wolter vom WWF. Was den Feldhasen besonders freut: Im Ökologischen Landbau gibt es viel Kleegras, das ist bei vielen Betrieben fester Bestandteil der Fruchtfolge. Wo viel Kleegras wächst, gibt es viele Hasen. Im Bio-Landbau werden die Flächen möglichst vielfältig bewirtschaftet. Das bietet dem Feldhasen den richtigen Lebensraum mit ausreichend Nahrung. Daher ist der Kauf regionaler Bio-Produkte eine Möglichkeit, den Artenreichtum in unserer Agrarlandschaft zu unterstützen und auch dem Feldhasen in Deutschland wieder ein gutes Zuhause zu bieten.


Von Stephanie Probst

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken
   
Unterstützen
Sie den WWF
Unterstützen
Sie den WWF