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Stand: 22.03.2016

Löwen in Afrika: König ohne Land - Land ohne König

Einst waren sie die Herrscher der Savannen, inzwischen ist die Situation jedoch dramatisch: In Westafrika gibt es nur noch etwa 500 Löwen, auf dem ganzen Kontinent höchstens 23.000 bis 35.000. Weniger als die Hälfte davon ist im fortpflanzungsfähigen Alter. Die eindrucksvollen Raubkatzen drohen für immer zu verschwinden.

Löwenmutter mit ihrem Jungen © Michael Poliza / WWF
Löwenmutter mit ihrem Jungen © Michael Poliza / WWF

Keinem anderen Tier bringt der Mensch so viel Achtung entgegen wie dem Löwen. Die beeindruckende Raubkatze steht für Kraft, Schönheit, Ausdauer und Stolz. Und doch ist der Löwe massiv in Gefahr, vor allem durch menschliche Eingriffe. Was unvorstellbar erscheint, ist in einigen Regionen Afrikas bereits Realität: Die Löwen sind vom Aussterben bedroht!

 

Früher war die zweitgrößte Raubkatze der Erde sogar im südlichen Europa und im Balkan beheimatet. Doch dort, wo der Mensch ihm das Revier streitig machte, verschwand der Löwe und ist beinah nirgends mehr zu anzutreffen: nicht in Europa, nicht in Nordafrika und nicht in Asien. Lediglich eine kleine Population in Indien überlebte. Und Afrika südlich der Sahara galt lange als seine letzte Bastion.

Dramatische Entwicklung: Löwen in Afrika

Seit einigen Jahren wurde er jedoch auch immer seltener in Afrika gesehen. Umweltschützer und Wissenschaftler wollten es genauer wissen und suchten akribisch nach Spuren und Lebenszeichen. Das Ergebnis war schockierend: Experten erwarten, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten weitere 50 Prozent der Löwen in Ost-, Zentral- und Westafrika verschwinden.

 

“Die jüngsten Untersuchungen sind alarmierend”, sagt Brit Reichelt-Zolho vom WWF-Deutschland. ”Im westlichen Afrika gibt es nur noch etwa 500 Tiere. Das ist eine Katastrophe. Meist leben sie isoliert in großen Parks, haben keinen Kontakt zueinander und sind so dem Untergang geweiht.”

Weniger Beute, schrumpfender Lebensraum und wachsende Konflikte mit Menschen

Konflikte zwischen Mensch und Löwe enden für die Löwen oft tödlich © imago
Konflikte zwischen Mensch und Löwe enden für die Löwen oft tödlich © imago

Die Raubkatzen stecken in einer tödlichen Spirale. “Die Löwen haben in den letzten 50 Jahren etwa 75 Prozent ihres ursprünglichen Lebensraumes in Afrika verloren”, erklärt Reichelt-Zolho. Um zu überleben, erweitern die afrikanischen Kleinbauern ihre Felder und dringen immer weiter in den Lebensraum der Löwen vor. Büffel, Zebras und Antilopen werden selten. Und die Löwen kommen auf ihren Beutezügen immer wieder in menschliche Siedlungen - Konflikte mit Kleinbauern, Nutztierhaltern und Dorfbewohnern sind die Folge.

 

Löwen: Vom Jäger zum Gejagten

“Die meisten der Länder, in denen Löwen leben, gehören zu den ärmsten der Welt. Die Menschen leben hier zum Großteil von den natürlichen Ressourcen, die sie umgeben. Reißt ein Löwe ein Rind, ist der finanzielle Schaden immens”, erklärt Reichelt-Zolho. Die Löwen werden oftmals vergiftet oder sogar erschossen. Auch Wilderer erlegen Löwen, um ihre Körperteile in Asien zu verkaufen, wo sie auf dem Gebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin einen hohen Wert haben.

KAZA - Löwen als Tourismus-Faktor

Dabei sind lebende Löwen viel wertvoller. Im südlichen Afrika ist der Tourismus eine wichtige Einkommensquelle. Länder wie Botswana, Sambia und Namibia setzen schon jetzt Tourismuskonzepte mit lokalen Gemeinden um - zum Schutz der Löwenbestände. Und das mit Erfolg. In KAZA, dem größten Schutzgebietsnetzwerk der Welt an Land, sollen insgesamt 21 Schutzgebiete miteinander vernetzt werden, um isolierte Löwenbestände zu verbinden und zu erhalten. 

KAZA hat das Potenzial, 6000 Löwen eine Heimat zu bieten. Der WWF setzt sich hier unter anderem für Wildtierkorridore und Konzepte zur Verringerung der Konflikte zwischen Löwen und Menschen ein. 

Lage des Mudumu Nationalparks © WWF
Lage des Mudumu Nationalparks © WWFLupe

So hilft der WWF:

Der Mudumu-Nationalpark in der Zambeziregion im Nordosten Namibias befindet sich innerhalb eines wichtigen Wildtierkorridors und ist ein zentraler Teil von KAZA. Anders als in vielen anderen afrikanischen Regionen ist die Löwen-Population hier relativ stabil. Doch die heranwachsenden Löwen wollen neue Reviere erobern und stoßen immer wieder auf menschliche Siedlungen an den Grenzen des Parks. Daher kommt es immer öfter zu Konflikten zwischen den Raubkatzen und der lokalen Bevölkerung.

 

Seit 2013 kam es allein in drei Gemeinden zu insgesamt 226 Fällen von durch Löwen gerissenen Rindern. Auf der anderen Seite wurden mindestens 30 Raubkatzen vergiftet oder geschossen, um die Herden und somit die Lebensgrundlage der Bevölkerung zu schützen.

Wie 20.000 Euro Löwen und Rinder retten

Verstärkte Nutztierzäune, sogenannte Kraals, haben sich als eine effektive Schutzmaßnahme erwiesen. Bis zum Ende des Jahres 2016 sollen drei Communities mit mobilen Kraalsystemen ausgerüstet werden. Der WWF stellt dafür insgesamt 20.000 Euro zur Verfügung. Bisherige Erfahrungswerte zeigen, dass die Löwenrisse allein mit diesen Zäunen um bis zu 80 Prozent verringert werden können.

Fotostrecke: Stark, schön, Löwe!

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