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Artendetektiv im Regenwald

Andreas Wilting spürt Nebelparder auf

Sie sind gut getarnt, sehr selten und vor allem nachts unterwegs: Der Biologe Andreas Wilting vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im malaysischen Bundesstaat Sabah erforscht die Raubkatzen daher mit detektivischen Methoden – und mit Unterstützung des WWF.

Nebelparder. © naturepl.com / Edwin Giesbers / WWF
Nebelparder. © naturepl.com / Edwin Giesbers / WWF

WWF: Wie untersucht man Tiere, die man eigentlich nie zu Gesicht bekommt?

 

Wilting: Aufgrund der zurückgezogenen Lebensweise der Nebelparder gehen wir hauptsächlich auf Spurensuche. Jeden Tag suchen zwei unserer Forschungsassistenten auf Straßen oder alten Holzfällerwegen nach Abdrücken und Kot der Tiere. Denn Nebelparder scheinen diese Wege einem dichten Regenwald vorzuziehen. Außerdem bleiben hier ihre Spuren eher erhalten, denn im Wald bedecken Blätter den Boden und Kot wird sofort von Käfern weggetragen.

Nebelparder-Experte Andreas Wilting beim Eintüten von Hinterlassenschaften der scheuen Raubkatze. Andreas Wilting. © Andreas Wilting
Nebelparder-Experte Andreas Wilting beim Eintüten von Hinterlassenschaften der scheuen Raubkatze. © Andreas Wilting

WWF: Klingt nach mühsamer Detailarbeit statt nach Abenteuer im Regenwald …

 

Wilting: Oft ist es beides. Vor allem, weil es zurzeit fast jeden Abend stark regnet und unser Team auch häufiger mit dem Auto stecken bleibt – neulich für ganze drei Tage – oder Straßen gar nicht befahren kann. Diese Strecken müssen dann immer zu Fuß zurückgelegt werden. Aber auch die Spurensuche selbst ist harte Arbeit und sehr häufig frustrierend, wenn wir tage- oder wochenlang nichts entdecken.

 

WWF: Und wenn ihr Spuren findet?

 

Wilting: Dann fotografieren wir sie mit einem speziellen Gerät, das uns erlaubt, die Konturen der Spuren zu betonen. Später wollen wir mithilfe dieser Fotos von jeder Spur 3D-Modelle erstellen. Vielleicht wird es uns bald schon möglich sein, einzelne Nebelparder an ihrem persönlichen Tatzenabdruck zu identifizieren.

Die gesammelten Kotproben werden wir demnächst genetisch untersuchen. Wir wollen dabei versuchen, einzelne Nebelparder anhand ihres genetischen Fingerabdrucks zu unterscheiden.

Nebelparder in der Kamerafalle. © Andreas Wilting / WWF
Nebelparder in der Kamerafalle. © Andreas Wilting / WWF

WWF: Ihr setzt auch Fotofallen ein.

 

Wilting: Ja, sie helfen uns, die Anzahl an Nebelpardern im Untersuchungsgebiet genauer abzuschätzen. Es sind digitale Kameras, die durch Wärme- und Bewegungssensoren ausgelöst werden. Sobald sich ein Tier der Kamera nähert, wird ein Foto gemacht.

 

Anhand ihrer individuellen Fellzeichnung können wir verschiedene Nebelparder auf den Bildern unterscheiden. In den letzten Monaten gelangen uns einige Aufnahmen, auf denen das ganze Tier sehr schön zu sehen ist.

 

Fotofallen bieten den weiteren Vorteil, dass auch viele andere Arten fotografiert werden. So konnten wir zum Beispiel erste Aufnahmen einer Flachkopfkatze und vor kurzem einer Borneo-Goldkatze machen, zweier weiterer stark gefährdeter Katzenarten. Daneben erhalten wir auch Fotos von Beutetieren des Nebelparders. Und erfahren, zu welcher Tageszeit welche Arten aktiv sind.  

WWF: Wie kann man Fotofallen einsetzen, wenn Nebelparder sich hauptsächlich auf Bäumen fortbewegen?

 

Wilting: Genau diese Annahme scheint nicht zu stimmen. Sie beruhte hauptsächlich auf Beobachtungen von Nebelpardern in Zoos. Sie scheinen sich wie alle anderen Großkatzen meist am Boden fortzubewegen. Vermutlich aber bevorzugen sie Bäume zum Ausruhen. Deshalb übrigens trägt der Nebelparder in Malaysia und Indonesien auch den Namen „harimau dahan“, was soviel heißt wie „Ast-Tiger“.    

 

WWF: Der Nebelparder Neofelis diardi auf Borneo und Sumatra wurde erst 2006 als eigene Art erkannt. Worin genau unterscheidet er sich vom festländischen Neofelis nebulosa?

 

Wilting: Der Sunda- oder Sundaland-Nebelparder, wie die neue Art genannt wird, unterscheidet sich äußerlich hauptsächlich in der Färbung und der Größe der wolkenartigen Strukturen auf dem Fell. Sundaland-Nebelparder sind etwas dunkler gefärbt und die „Wolken“ sind meist kleiner und haben mehr schwarze Punkte als die ihrer festländischen Verwandten.

 

Der Grund zur Aufspaltung in zwei Arten liegt allerdings eher in den eindeutigen genetischen Unterschieden. So konnten wir mit unseren bisherigen Untersuchungen zeigen, dass sich die beiden Nebelparderarten in ihrem Erbgut so unterscheiden wie zum Beispiel Jaguar und Tiger.  

 

WWF:  Welche weiteren neuen Erkenntnisse hast Du gewonnen?  

 

Wilting: Wir konnten anhand der Spurenanalyse herausfinden, dass in der untersuchten Region etwa neun Nebelparder auf 100 Quadratkilometer leben. Mithilfe der kürzlich eingesetzten Fotofallen erhoffen wir uns noch präzisere Abschätzungen der Populationsdichte. 

 

Außerdem konnten wir zeigen, dass im malaysischen Bundesstaat Sabah ein Großteil des Verbreitungsgebietes von Nebelpardern in weiträumigen, kommerziell genutzten Waldgebieten liegt. Die reinen Naturschutzgebiete in Sabah sind leider schon zu klein und fragmentiert für den langfristigen Schutz der Tiere.  

 

Deshalb haben wir in unseren jetzigen Untersuchungen einen Schwerpunkt auf kommerziell genutzte Waldgebiete wie Deramakot gelegt. Nur wenn es uns gelingt, sie naturnah zu bewirtschaften, können Nebelparder dort auch langfristig geschützt werden.  

 

WWF: Und wie kann man Nebelparder gezielt schützen, was tut der WWF?

 

Wilting: Der Schutz großer Waldflächen im Herzen Borneos, der auf WWF-Initiative zustande kam, kommt auch der dortigen Population an Nebelpardern zugute. Denn sie benötigen wie alle Großkatzen großflächige Gebiete. 

 

Daneben engagiert sich der WWF seit 2008 auch aktiv in der Erforschung des Nebelparders, um mehr über die Lebensweise und die Ansprüche des scheuen Tieres in Erfahrung zu bringen. Wegweisend daran: Unsere Forschungsergebnisse können durch die Zusammenarbeit mit dem WWF und der nationalen Wildtier- und Forstbehörde direkt in Schutzmaßnahmen  wie etwa die Ausweisung neuer Schutzgebiete umgesetzt werden. 

 

Darüber hinaus muss natürlich auch dafür gesorgt werden, dass die Wälder des Nebelparders nachhaltig nach den Kriterien des FSC genutzt werden. Die WWF-Kollegen auf Borneo arbeiten gezielt an diesem Thema.

 

Die Fragen stellte Donné Norbert Beyer

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