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Stand: 21.01.2014

Das „Rote Panda Projekt“ in Indien

Der Rote Panda ist eine ganz besondere Tierart – nämlich die einzige seiner Familie. Doch der Katzenbär hat zwei Probleme: Schwindenden Lebensraum – und Hunde.

Roter Panda, <i>Ailurus fulgens</i> © iStock / Getty Images
Roter Panda, &lt;i&gt;Ailurus fulgens&lt;/i&gt; © iStock / Getty Images

Ein richtiger Bär? Oder doch eher eine Art Waschbär? Lange Zeit waren sich Wissenschaftler nicht sicher, was der Rote Panda genau für ein Tier ist. Um die Verwirrung vollständig zu machen, benannte der Erstbeschreiber des Roten Pandas, Frederic Cuvier – der sich übrigens sicher war, dass er mit dem Roten Panda das "schönste Säugetier auf Erden" gesehen habe – diese Art in ihrem wissenschaftlichen Namen nach der Katze, Ailurus.

Projekt für das Wappentier

Der Rote Panda ist auf dem Landeswappen der Provinz Sikkim dargestellt © WWF
Der Rote Panda ist auf dem Landeswappen der Provinz Sikkim dargestellt © WWF

Heute weiß die Wissenschaft: Das "schönste Säugetier auf Erden" ist weder Bär, noch Waschbär, noch Katze, sondern Teil seiner eigenen Familie, die schon lange von seinen nächsten Verwandten, den Mardern, Stinktieren und Waschbären, getrennt ist. Weltweit gibt von diesen etwa ein Meter großen Katzenbären weniger als 10.000 geschlechtsreife Tiere, davon geschätzt die Hälfte in Indien.

Der Rote Panda ist das Wappentier des kleinen indischen Bundestaats Sikkim, der im südlichen Himalaja eingezwängt zwischen China, Nepal und Bhutan liegt. Der WWF Deutschland unterstützt diese Arbeit, unter anderem mit Hilfe des Verbands Deutscher Zoodirektoren (VDZ) und eines privaten Spenders. „Bevor sich der WWF des Roten Pandas angenommen hat, waren die Tiere de facto schutzlos. Wir sind Deutschland dafür sehr dankbar, dass sich das geändert hat“, versichert Priya Shrestha vom WWF-Büro Sikkim.

Patrouille der Panda-Experten

Wir sind im Barsey-Rhododendron-Schutzgebiet im Westen Sikkims auf rund 3000 Metern Höhe. Drei Rote Pandas wurden kürzlich an zwei verschiedenen Standorten von automatischen Kameras fotografiert, die der WWF hier oben installiert hat. Rund 380 Tiere sollen momentan im Schutzgebiet leben. Denn hier sind die Lebensbedingungen für Rote Pandas ideal: mächtige Eichen, Tannen, Rhododendron- Bäume, Farne und als dichter Unterwuchs der Bambus, der ihnen besonders schmeckt.

Der Nebel über dem Wald schluckt alle Farben. Die Flechten und Moose, die sich über die Äste legen, sind mit Wasser vollgesogen. Plötzlich brechen Zweige. Etwas Schweres bewegt sich hoch über unseren Köpfen. Schwerer als ein Vogel, das ist gewiss. Was ist das? Wir recken die Köpfe in Richtung der Baumkronen. „Wahrscheinlich ein Affe“, spekuliert Basant Kumar Sharma vom WWF und rät zum Weitergehen.

Immer wieder schlägt sich der Panda-Experte in das Bambusgestrüpp und klettert auf Bäume. Dort sucht er nach Kratzspuren oder Losungen. Er fotografiert und notiert. Viele Wochen im Jahr kontrollieren WWF-Experten die Lebensräume der Pandas. Nichts soll deren kleinen Bestand hier gefährden.

Das Problem: Lebensraumverlust – und Hunde

Rote Pandas © iStock / Getty Images
Rote Pandas © iStock / Getty Images

Seit 1975 ist der internationale Handel mit dem Roten Panda durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) streng reglementiert, seit 1995 sogar komplett verboten. In Indien selbst genießt der Rote Panda seit 1972 die höchste Schutzstufe.

Doch noch immer scheint Wilderei in Teilen ihres Verbreitungsgebietes ein Problem zu sein. Außerdem laufen Rote Pandas Gefahr, Beute herrenloser Hunde zu werden, sobald sie sich von den Bäumen wagen. Einige Dutzend dieser Streuner wurden bereits gefangen und sterilisiert. So wird deren Anzahl im Zaum gehalten. Der WWF bezahlt das.

Ein größeres Problem ist der Lebensraumverlust. Seit 1971 hat sich die Bevölkerung Sikkims mehr als verdoppelt. Feuerholz fürs Heizen und Kochen wird aus dem Wald geholt. Früher wurde das Nutzvieh zur Weide in den Wald getrieben. Darunter litt der Bambus und damit der Panda. Nun ist die Waldweide, auch durch WWF-Initiative, offiziell verboten. Und eigentlich auch die Brennholzsuche in den Schutzgebieten. Doch Verbote sind nur wirksam, wenn man sie auch durchsetzen kann. Leider mangelt es an gut ausgerüsteten Wildhütern. Im Übrigen leben die Roten Pandas nicht nur in geschützten Gebieten. Hier wie dort haben sie im regionalen WWF aufmerksame Anwälte. Aber auch Menschen, die aus Not in die Natur vordringen, brauchen Unterstützung, die der Natur letztlich wieder zugutekommt.

2013 wurde nach intensiver Feld- und Lobbyarbeit des WWF ein neues Gemeindeschutzgebiet für den Roten Panda geschaffen, die 85 Quadratkilometer große Pangchen Lakhar Community Conserved Area. Hier gibt es nicht nur eine gesunde, sich fortpflanzende Panda-Population – WWF-Wissenschaftler haben unter anderem eine Pandamutter mit zwei Jungtieren beobachtet – sondern auch andere seltene Tiere wie Leoparden und Kragenbären.

Den Roten Panda schützen - mit den Einwohnern

Verbreitungsgebiet des Roten Pandas © WWF
© WWFLupe

Weil der Großteil des Panda-Lebensraums in Sikkim unter der Kontrolle lokaler Gemeinden steht, kann der Rote Panda nur mit Hilfe dieser Gemeinden effektiv geschützt werden. Daher bemüht sich der WWF, die Menschen Sikkims in die Umweltschutzarbeit mit einzubeziehen.

In Workshops wird das Bewusstsein von Lokalbevölkerung und Regierungsbediensteten für die Bedrohung der Pandas durch die Hunde geschärft. Informiert wurden zum Beispiel 60 Mitarbeiter der Indischen Grenzschutzpolizei, die für Sicherheit in den Grenzregionen sorgen und gegen Schmuggel und andere illegale Aktivitäten vorgehen.

Die Erfolge in der Bildung und bei der Schaffung von Schutzgebieten sollen nun auch auf andere Bereiche des Bundesstaats Sikkim ausgedehnt werden, um den Roten Panda noch besser zu schützen.

Der Rote Panda als Inspiration

Dass der Rote Panda ein ganz besonderes Tier ist, hat im Übrigen auch  die „Mozilla-Foundation“ erkannt. Der „Firefox“, einer der meistbenutzten Internet-Browser der Welt, verdankt seinen Namen nämlich eben jenem kleinen drolligen Katzenbären. 

Sie möchten die Arbeit des WWF Deutschland für den Schutz des Roten Pandas unterstützen? Spenden Sie jetzt!

Roter Panda im Arten A-Z

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