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Stand: 26.09.2014

Auf der Suche nach den Flussdelfinen

Der Amazonas ist nicht nur der größte Regenwald, er ist auch das größte Flusssystem der Welt mit über 100.000 Kilometer an Wasserläufen. Hier leben die Amazonas-Delfine. Doch wir wissen nach wie vor wenig über die Tiere. Wie viele gibt es von ihnen? Wo leben sie genau? Wie weit wandern sie? Wie reagieren sie auf Umwelteinflüsse? Diese Informationen sind essentiell, um Schutzstrategien zu entwerfen – und können auch Argumente liefern, um gigantische Staudammprojekte zu stoppen. Also haben wir uns auf den Weg gemacht. Ein weiteres Mal.

Amazonas-Delfin © Roberto Maldonado / WWF
Amazonas-Delfin © Roberto Maldonado / WWF

Tausende Kilometer auf dem Amazonas

Seit 2006 war der WWF Deutschland 15 Mal auf dem Amazonas unterwegs, um mehr über die Delfine zu erfahren. Tausende Kilometer. 8000 Delfine der vier bekannten Arten wurden dabei dokumentiert. “Wir sammeln damit Basisinformationen, um zu wissen, wie sich die Arten wo kurz-, mittel- und langfristig entwickeln werden“, sagt Miriam Marmontel vom Mamiraua-Institut.

Diesmal ging es 577 Kilometer lang auf dem Rio Tapaós, einem der größten Nebenflüsse des Amazonas, zusammen mit Forschern des Mamiraua-Instituts, des Humboldt-Instituts und der kolumbianischen Omacha-Stiftung. Dabei waren acht Forscher, ein Fotograf und die Mannschaft der beiden Boote. Von Santaram fuhren wir flussaufwärts bis zu den Stromschnellen von Sao Luiz do Tapajos. Für die Zählung stromaufwärts der Stromschnellen ging es 250 Kilometer weiter auf dem Trans-Amazonas Highway, dann per Boot weiter zur Bergbaustadt Penedo.

Wie zählt man wissenschaftlich?

Für das wissenschaftliche Zählen der Delfine reicht es nicht, einfach auf dem Fluss spazieren zufahren. Das Boot steuerte innerhalb eines speziellen Korridors des Flusses, die 100 Meter steuer- und backbord wurden genau beobachtet. Zeigten sich Delfine, wurden Gattung, die Entfernung von Ufer und Boot sowie die Größe der Gruppe festgehalten. Das Flussufer wurde bei Sichtungen fotografiert, um die jeweilige Phytophysiognomie, also die Bewuchsstruktur, festzustellen. Alle 2,5 Kilometer wurden jeweils zusätzlich Daten zur Phytophysiognomie erhoben, die den Bestand an Delfinen beeinflussen könnte.

Untersucht wurden dabei auch einige Nebenarme des Flusses wie der Tupari oder auch der Lago Verde. “Diese Studie zeigt die Situation auf Abschnitten, wo noch keine Dämme gebaut sind. Wir können auf dieser Basis die ökologische Lage mit der anderer Amazonasgebiete vergleichen, wo schon Wasserkraft gewonnen wird – und damit die Risiken für Delfine und das gesamte Wasserökosystem aufzeigen“, sagt Miriam. Auch auf den Flussabschnitten, die wir abgefahren haben, sind große Wasserkraftwerke geplant. Das gigantische Kraftwerk in Sao Luis do Tapajós mit einer sieben Kilometer langen Staumauer soll 2018 begonnen werden, das Jatoba Kraftwerk ein Jahr später. Insgesamt sollen am Unteren Tapajós sieben Dämme entstehen, flussaufwärts sogar noch mehr.

Die Folgen der Dämme

Dammbauten am Amazonas haben direkte Konsequenzen für das Leben im Fluss und an Land. Die Delfine werden durch Dämme an ihren Wanderungen gehindert und auf bestimmten Flussabschnitten isoliert. Dadurch wird der Genpool bei der Fortpflanzung reduziert, ihre Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten sinkt.

“In einer der wichtigsten Ökoregion der Welt müssen Wasserkraftwerke nach den höchsten Standards ökologisch verantwortlich geplant und von einem demokratisch transparenten Prozess mit höchstem Respekt vor der örtlichen Bevölkerung und den Indigenen begleitet werden“, sagt Claudio Maretti, Leiter der WWF Living Amazon Initiative. Der WWF hat Planung und Bau von Wasserkraftwerken am Amazonas seit Jahren kritisch begleitet. Speziell zum Tapajós River wurden Studien veröffentlicht, Debatten angeregt und Modelle angefertigt, um die Folgen von Dammbauten offenzulegen.

Nun gilt es, die Fülle der gewonnen Daten korrekt auszuwerten. Am Ende der Forschungsreise wurden fast 300 Delfine der beiden im Tapejòs vorkommenden Arten gezählt. Wir haben herausgefunden, dass Delfine weiter stromaufwärts der São Luiz do Tapajós-Stromschnellen vorkommen als bisher angenommen. Die Zahl der Delfine scheint dort aber gering zu sein, was sich durch den Einfluss des Bergbaus in dieser Region erklären lässt. Der Quecksilbereintrag durch den Bergbau gehört neben den Dammbauten und dem Fischfang zu den größten Bedrohungen der Flussdelfine. Häufig ertrinken sie, wenn sie sich in den Netzen der Flussfischer verfangen.

Es gibt aber ganz sicher noch viel mehr herauszufinden. Der WWF wird wieder unterwegs sein. Mit den Delfinen, für die Delfine.

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