WWF Deutschland

http://www.wwf.de/


Content Section

UN-Gipfel zur biologischen Vielfalt in Nagoya:

Die 10. Vertragsstaatenkonferenz (COP 10)

WWF-Fazit: Die 10. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention zur biologischen Vielfalt (CBD COP 10) vom 18.-29. Oktober 2010 ist als Erfolg der internationalen Gemeinschaft von 193 Staaten zu verbuchen. Der Beschluss des Nagoya-Protokolls zum gerechten Vorteilsausgleich (Access and Benefit Sharing – ABS) muss als historisches Ergebnis der COP 10 gewertet werden, denn nach 18 Jahren CBD ist endlich auch das dritte Ziel der Konvention umgesetzt worden.

© Christoph Kniel / WWF
© Christoph Kniel / WWF

Das Nagoya-Protokoll sieht vor, die Biopiraterie zu stoppen. Pharmafirmen können sich nicht mehr wie bisher an den genetischen Ressourcen aus dem Süden und dem traditionellen Wissen indigener Völker für die Herstellung von Arzneimitteln umsonst bedienen, sondern müssen die Herkunftsländer und die lokale Bevölkerung an den Gewinnen beteiligen. Das Protokoll wird nach Inkrafttreten den Zugang zu den genetischen Ressourcen und die Gewinnbeteiligung völkerrechtlich verbindlich regeln. Allerdings drohten die Verhandlungen mehrmals zu scheitern, zu sehr lagen die Interessen des Nordens und Südens auseinander. Das Protokoll konnte durch einen am letzen Tag von dem Verhandlungsleiter Japan vorgelegten Kompromissvorschlag doch noch zum Abschluss gebracht werden.

Rückblick auf die Verhandlungen

Die Entwicklungsländer hatten die drei Schlüsselthemen: ein rechtlich verbindliches ABS-Protokoll, den neuen Strategischen Plan 2011-2020 und die Mobilisierung zusätzlicher Finanzen zur Umsetzung des Plans zu einem Verhandlungspaket geschnürt und pochten besonders auf die Verabschiedung des ABS-Protokolls. Seit den Vorverhandlungen im Mai in Nairobi stand der Aktionsplan mit seinen 20 Unterzielen zur Disposition. Die Entwicklungsländer gaben deutlich zu verstehen, dass ohne langfristig vorhersehbare und größere finanzielle Unterstützung der Verlust an biologischer Vielfalt bis 2020 nicht aufzuhalten und der Aktionsplan nicht realisierbar sei. Weil die Europäer ambitionierte Ziele bis 2020 im Aktionsplan durchsetzen wollten, mussten sie mehr Zugeständnisse beim ABS-Protokoll machen.


Die Finanzierungsfrage blieb bis zum Schluss einer der kritischen Punkte und die Konferenz drohte noch am letzten Tag daran zu scheitern. Forderte der Süden klare Finanzzusagen des Nordens auf der COP 10, wollten sich die Industrieländer nicht auf konkrete Finanzierungszusagen festlegen. Die EU schlug einen Fahrplan bis zur COP 11 vor, um zu klären, wie viel Geld benötigt wird, um das Aktionsprogramm bis 2020 umzusetzen. Forderungen in Höhe von mindestens 30 Milliarden bis zu 300 Milliarden Euro pro Jahr wurden auf der Konferenz laut. Bis zur nächsten COP 2012 in Indien soll nun ermittelt sein, wie viel Geld bereits ausgegeben, viel benötigt wird und wo das zusätzliche Geld für neue Aktionen herkommen soll. Der Gastgeber Japan ging beispielhaft voran und wird für die nächsten drei Jahre zwei Milliarden US-Dollar für den Erhalt der biologischen Vielfalt bereitstellen.

 

Enttäuscht war der WWF über die neuen Zielvorgaben für Schutzgebiete. Man einigte sich darauf, bis 2020 die Schutzgebiete auf 17 Prozent an Land und 10 Prozent auf den Meeren auszuweiten. Der WWF forderte jeweils 20 Prozent.

Auch der definitive Stopp der Entwaldung und das Ende der Zerstörung von Naturgebieten bis 2020 scheiterten an den Interessen waldreicher Staaten. Der Kompromiss sieht zumindest eine Halbierung des Verlustes natürlicher Lebensräume vor.

 

Ein weiterer Erfolg der Konferenz ist der Beschluss zum Abbau von schädlichen Subventionen, die der biologischen Vielfalt schaden. Das wird Auswirkungen auf die Reformen in der Landwirtschaft und der Fischerei in der EU bedeuten.

 

Hier sehen Sie die COP-10-Entscheidungen >>

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken
   
Unterstützen Sie
den WWF
Unterstützen Sie
den WWF