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UN-Gipfel zur biologischen Vielfalt in Hyderabad:

Die 11. Vertragsstaatenkonferenz (COP 11)

Die 11. Vertragsstaatenkonferenz zur Konvention über die biologische Vielfalt (CBD COP-11) findet vom 8. bis 19. Oktober 2012 in Hyderabad/Indien statt. Für den WWF stehen zwei wichtige Themen im Vordergrund der Verhandlungen, die von der Staatengemeinschaft beschlossen werden müssen: Die Festlegung konkreter Finanzierungsziele bis zum Jahr 2020, um die notwendigen Finanzmittel für die Umsetzung des Masterplans der CBD bereitzustellen, und die Genehmigung der wissenschaftlich fundierten Vorschlagsliste für ökologisch bedeutende und schützenswerte Meeresgebiete.

© Cat Holloway / WWF-Canon
© Cat Holloway / WWF-Canon

Günter Mitlacher, der Leiter Biodiversität beim WWF Deutschland, rechnet mit harten Verhandlungen in Hyderabad: „Es geht hier schließlich um zwei ganz schwierige Themen. Die internationale Staatengemeinschaft bewegt sich erfahrungsgemäß nur sehr schwerfällig beim Thema Finanzierung. Ebenso verhält es sich bei dem Thema Meeresschutzgebiete. Wir müssen dabei berücksichtigen, dass die Meere als die kommende Quelle für Ressourcen zu sehen ist, sowohl für die Nahrungssicherung aber auch die Exploration von Bodenschätzen. Wir fordern, dass die ökologischen Aspekte berücksichtigt werden und die ökologisch bedeutenden Meeresgebiete unter Schutz gestellt werden.“

Günter Mitlacher, Leiter Biodiversität beim WWF Deutschland. © David Biene / WWF
Günter Mitlacher, Leiter Biodiversität beim WWF Deutschland. © David Biene / WWF

Finanzierungskonzepte fehlen

Zwei Jahre liegt die letzte Vertragsstaatenkonferenz für Biodiversität, die CBD COP-10, (10th Conference of the Parties to the Convention of Biological Diversity) zurück. Im japanischen Nagoya hatten sich die teilnehmenden Staaten 2010 auf einen Masterplan geeinigt. Dieser beinhaltet insgesamt 20 Ziele, die sogenannten „Aichi Targets“. „Bislang fehlt ein schlüssiges Konzept für die Finanzierung  der Maßnahmen, um die 20 Ziele zu erfüllen“, sagt Günter Mitlacher. „Die Lösung der chronischen Unterfinanzierung des globalen Biodiversitätsschutzes ist die entscheidende Hürde, die wir in Hyderabad überspringen müssen.“ Bessere Gesetze, effektivere Landnutzungsplanung, stärkere Einbindung von Naturschutzanliegen in anderen Wirtschaftssektoren und die Transformation hin zu einer „Green Economy“ müssen nach Ansicht des WWF hinzukommen, sind allein aber nicht ausreichend, um den dauerhaften Artenschwund zu bremsen.

Um wie viel Geld streitet sich die Staatengemeinschaft?

„Konservativ gerechnet, besteht ein Finanzierungsbedarf von mindestens 50 Mrd. US-Dollar pro Jahr an Mitteln aus allen öffentlichen Haushalten für alle Länder“, sagt Mitlacher. In dem 10-Jahreszeitraum des Masterplans läge der Bedarf somit bei insgesamt ca. 500 Milliarden US-Dollar. „Die staatliche Finanzierung ist deshalb wichtig und nötig, weil die Biodiversität ein globales Allgemeingut ist und die Verantwortung für die Erhaltung der biologischen Vielfalt primär in den Händen der CBD-Staaten liegt.“ Im Durchschnitt der Jahre 2006-2010 stellten beispielsweise die OECD-Staaten jährlich rund 4,6 Milliarden Euro bereit, um die globale Biodiversität zu erhalten. Mitlacher fordert für die Zukunft das Doppelte und setzt sich in Hyderabad dafür ein, dass 10 Milliarden US-Dollar pro Jahr an Zuschuss der OECD-Länder beschlossen wird.

 

„Gute Gesetze, positive Anreize zu Finanzierung nachhaltiger Landnutzung und der konsequente Abbau schädlicher Subventionen müssen die Finanzierungsstrategie flankieren, so dass auch Ausgaben gespart werden können. Die reichen Länder des Nordens, aber auch die Entwicklungs- und Schwellenländer müssen nach Ansicht des WWF ihren fairen Teil der Gesamtlast tragen“, sagt Mitlacher. Sie verursachen nach dem neusten Living Planet Report des WWF auch die meisten Schäden an der Natur.

Anerkennung ökologisch bedeutender, schützenswerter Meeresgebiete

„Der WWF wird sich in Hyderabad für die Anerkennung schützenswerter Meeresgebiete stark machen“, sagt Tim Packeiser, Meeresschutzexperte vom WWF Deutschland. „Obwohl die Staatengemeinschaft sich bereits vor Jahren darauf verständigt hatte, ein repräsentatives Netz von Meeresschutzgebieten einzurichten, welches 2020 mindestens 10% der Weltmeere umfassen soll, sind bis heute nur ca. 1,6% der Ozeane unter Schutz gestellt worden“, so Packeiser. In den letzten beiden Jahren sind bereits Meeresgebiete von Experten identifiziert und wissenschaftlich beschrieben worden, welche eine besondere ökologische oder biologische Bedeutung vorweisen. Diese sogenannten „Ecologically or Biologically Significant marine Areas (EBSAs)“ wurden bisher von Wissenschaftlern in der Karibik und dem westlichen Atlantik, dem südwestlichen Pazifik und im Mittelmeer identifiziert.

 

„Wir fordern die Vertragsstaaten dazu auf, diese ökologisch oder biologisch bedeutsamen Meeresgebiete offiziell anzuerkennen“, sagt Packeiser. „Dazu benötigen wir angemessene Schutzmaßnahmen und vor allem benötigen wir einen verbindlichen Zeitplan und natürlich auch die Sicherstellung der Finanzierung. Wir müssen möglichst schnell sämtliche Weltmeere wissenschaftlich exakt beschreiben, damit wir weitere Meeresschutzgebiete ausweisen können.“

Schützenswerte Gebiete im Mittelmeer. © WWF
Schützenswerte Gebiete im Mittelmeer. © WWFLupe

Umsetzung des Nagoya Protokolls (ABS-Protokoll) vorantreiben

Die Vertragsstaaten sollen bis 2015 das Nagoya-Protokoll in ihre nationale Gesetzgebung umsetzen, um den Zugang zu genetischen Ressourcen und die faire Verteilung der Vorteile aus dieser Nutzung zu regeln. Seit der COP 10 tagte ein Intergovernmental Committee for the Nagoya Protocol on Access to Genetic Resources and the Fair and Equitable Sharing of Benefits Arising from their Utilization (ICNP), um weitere Konkretisierungen der Umsetzung zu diskutieren.

 

Der WWF fordert die CBD-Vertragsstaaten auf, in Hyderabad

  • die Empfehlungen des ICNP anzunehmen und insbesondere dafür zu sorgen, dass Kapazitäten in den Ländern aufgebaut werden, um das Protokoll auf nationaler Ebene umzusetzen;
  • eine weitere Sitzung des ICNP einzuberufen, um die erste Konferenz der Vertragsparteien zum Nagoya-Protokoll einzuberufen.

 

Eine Hintergrund-Information über das Nagoya-Protokoll hat der WWF gemeinsam mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) erstellt.

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