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Stand: 17.05.2013

„Afrikas Blumenindustrie gräbt sich selbst das Wasser ab“

Dass europäische Supermärkte ganzjährig frische Schnittblumen im Sortiment haben, ist längst keine Besonderheit mehr. Dank effizienter Transport- und Kühltechnologien sind Rosen und Tulpen weitgehend saisonunabhängig zu kaufen. Doch wo haben diese Blumen ihre Wurzeln?

Verarbeitung der Schnittblumen am Lake Naivasha. © Hartmut Jungius / WWF-Canon
Verarbeitung der Schnittblumen am Lake Naivasha. © Hartmut Jungius / WWF-Canon

Insgesamt landen jährlich etwa 85 Prozent der kenianischen Schnittblumen in europäischen Wohnungen und Hotels. Das Land ist Afrikas größter Schnittblumenexporteur, Rosen sind mit Abstand die wichtigste Ware. Wer heute in Deutschland eine Rose kauft, kann fast sicher sein, dass sie aus Kenia stammt.

Autor dieses Artikels: WWF-Experte Philipp Wagnitz. © Rosa Merk / WWF
WWF-Experte Philipp Wagnitz. © Rosa Merk / WWF

Rosen aus Kenia

Am Anfang dieser globalen Handelskette liegt meist der Naivasha-See im afrikanischen Rift Valley, rund 80 Kilometer von Nairobi entfernt. Die Region ist ein Hotspot der Biodiversität im Osten Afrikas. Mehrere Faktoren — ein gutes Klima, hochwertiges Frischwasser, fruchtbare Böden, und eine geeignete Infrastruktur — begünstigen die Produktion.

 

Hier werden rund 70 Prozent der nationalen Schnittblumen hergestellt, was ungefähr 20.000 direkte und eine weitaus größere Zahl indirekter Arbeitsplätze schafft. Insgesamt trägt allein der Blumenanbau neun Prozent zu den nationalen Exporteinnahmen bei.

Hoher Wasserverbrauch für Schnittblumen

Seit einiger Zeit gibt es jedoch Bedenken über die Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit der Produktion. Vor allem die lokalen Wasserressourcen geben Anlass zur Besorgnis. Aufgrund des steigenden Bedarfs an Frischwasser für die Schnittblumenindustrie droht der See in Trockenperioden auszutrocknen. Die daraus entstehenden Probleme für die lokalen Ökosysteme, die Landbesitzer und Kleinbauern sind unabsehbar. Auf lange Sicht ist auch die Schnittblumenindustrie selbst bedroht, die sich im wörtlichen Sinne das Wasser abgräbt. Doch mit dieser Problematik die lokalen Anbauer allein zu lassen, gar die Verantwortung dafür auf sie abzuwälzen, greift zu kurz. Aufgrund des internationalen Handels von Kenia nach Europa und Deutschland müssen alle Akteure entlang der Lieferkette ihren Teil zur Lösung beitragen.

 

Um dieser Rolle gerecht zu werden, gibt es seit 2010 Treffen zwischen der Regierung, Vertretern der Blumenindustrie, Nichtregierungsorganisationen wie dem WWF und der lokalen Bevölkerung. Gemeinsam wurde ein Plan zur nachhaltigen Nutzung der Wasserressourcen für den Naivasha-See erarbeitet, der nun schrittweise umgesetzt wird. Alle wissen, was auf dem Spiel steht und sind sich im Klaren, dass die Probleme nur gemeinsam zu lösen sind. 

Bewässerung am Lake Naivasha. © Hartmut Jungius / WWF-Canon
Bewässerung am Lake Naivasha. © Hartmut Jungius / WWF-Canon

Kritische Konsumenten sind gefordert

Das Beispiel des Naivasha-Sees zeigt, dass die Verantwortung nicht beim Einzelnen liegt. Die Situation ist meist vielschichtiger, als es auf den ersten Blick scheint. Aufgrund der globalen Handelsbeziehungen müssen sich vom Bauern bis zum Konsumenten alle ihrer Rolle bewusst werden. Der WWF fordert Unternehmen daher auf, sich stärker um ihre Risiken und die damit verbundenen Auswirkungen vor Ort und innerhalb ihrer Lieferkette zu kümmern. Weiter muss die Politik Unternehmen und Akteure mit klaren und starken Gesetzen zur Transparenz stärker in die Pflicht nehmen. Aufgabe des Verbrauchers ist es, mehr Transparenz im globalen Geschäft einzufordern, um besser über die Situation vor Ort informiert zu sein.

 

Der Text wurde im Magazin EURO 06|13 veröffentlicht.  

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