Frauen bewässern Feld © Jasper Doest / WWF

EDEKA und Süßwasser

Stand: 30.09.2026

Süßwasser ist weltweit ungleich verteilt, oft knapp und stark beansprucht – mit immer mehr negativen Folgen für zahlreiche Süßwassersysteme der Erde. Der größte Wassernutzer weltweit ist mit 70 Prozent die Landwirtschaft für die Erzeugung unserer Lebensmittel.

Bei der Herstellung gibt es viele Möglichkeiten effizienter mit der Ressource umzugehen. Daher setzen EDEKA, deren Tochtergesellschaft Netto Marken-Discount und der WWF genau hier an: So werden Eigenmarkenprodukte zum Beispiel mit einem auf der WWF Filter Suite basierenden EDEKA Risk Tool auf „Wasser- und Biodiversitätsrisiken“ innerhalb der Produktionsgebiete untersucht. Zudem werden identifizierte Risiken durch zusätzliche Zertifizierungen adressiert und Maßnahmen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasserressourcen gefördert.

Obwohl unser Planet zu mehr als zwei Dritteln damit bedeckt ist, ist Wasser für die wachsende Weltbevölkerung ein knappes Gut. Weniger als 1 Prozent dieser gewaltigen Mengen ist Süßwasser und für den Menschen zugänglich. Weltweit ist es zudem ungleich verteilt.

Süßwasser wird sehr vielseitig verwendet und benötigt. Es ist nicht nur ein wichtiges Lebensmittel, sondern wird zum Beispiel in der Industrie als Rohstoff, Reinigungs- oder Kühlmittel eingesetzt oder dient für die Energiegewinnung mit Wasserkraftwerken. Der größte Wassernutzer weltweit ist jedoch die Landwirtschaft. Auf sie entfällt laut World Water Assessment Programme 70 Prozent des weltweit entnommenen Süßwassers. Die Herstellung landwirtschaftlicher Erzeugnisse kann vor Ort zu Wasserknappheit und -verschmutzung und damit zu großen Problemen führen. Zum Beispiel, wenn in trockenen Regionen viel bewässert wird, dies zu erhöhter Wasserknappheit für andere Wassernutzer führt und das wiederum lokale Konflikte auslöst oder verstärkt. Häufig können solche Probleme durch Verbesserungen im einzelnen Betrieb nicht gelöst werden. Damit ein Fluss am Leben bleibt, muss das gesamte Einzugsgebiet und seine Anrainer betrachtet werden.

In immer mehr landwirtschaftlichen Produktionsgebieten, wie Südspanien, Südafrika, Kalifornien oder Peru, herrschen schon heute problematische Wassersituationen für Mensch und Umwelt. Die Vereinten Nationen warnen: Sollte sich am gegenwärtigen Umgang nichts ändern, sei bis zum Jahr 2030 ein globales Süßwasserdefizit von 40 Prozent zu erwarten.

Water Stewardship: gemeinsame Herausforderungen – gemeinsame Lösungen

Um hier gegenzusteuern, ist für EDEKA-Verbund und dem WWF ist wichtig, gemeinsam mit Erzeuger:innen und Lieferant:innen Lösungen für einen effizienten Umgang mit Süßwasser zu finden. Seit 2018 arbeiten EDEKA und Netto Marken-Discount mit dem Web-basierten EDEKA Risk Tool (ehemals EDEKA Water Risk Tool), das zunächst für Obst- und Gemüseartikel ausgerollt wurde und mittlerweile auch zusammengesetzte Produkte erfassen kann. Mit dem Tool können für EDEKA und Netto tätige Produzent:innen weltweit in wenigen Schritten Wasser- und Biodiversitätsrisiken in ihrem Anbau bestimmen.

Ziel ist es, Produzent:innen in Risikogebieten zu identifizieren und gemeinsam mit ihnen an einer Verbesserung zu arbeiten. Dazu nutzen sie Zertifizierungen wie Global G.A.P. und das Add-On SPRING, Rainforest Alliance und SIZA. Zudem motivieren sie Produzent:innen an der Teilnahme an lokalen wassereffizienten Anbauprojekten. Seit Einführung des EDEKA Risk Tools Mitte 2018 wird der Fortschritt in der Erfassung und der Umsetzung fortlaufend gemessen. Mittlerweile sind weltweit über 30.000 Anbaubetriebe im Tool aufgenommen, wodurch etwa 90 Prozent der Absatzmengen an frischem Obst und Gemüse geprüft werden. Neuerdings können auch Lieferant:innen aus anderen Warenbereichen wie zum Beispiel Konserven, Trockenfrüchten, Tiefkühlkost und alkoholfreien Getränken das Tool nutzen.

WWF und EDEKA-Verbund haben zudem zwei eigene Feldprojekte, die beim konventionellen Anbau von Zitrusfrüchten und Bananen an konkreten Verbesserungen im Bereich Wasser durch effizientere Bewässerung und optimierter Wassernutzung durch Wasseraufbereitungsanlagen arbeiten.

Darüber hinaus engagiert sich EDEKA in vorwettbewerblichen Initiativen zum Wassermanagement in wichtigen Anbauregionen: Beispielsweise werden in Spanien von der NGO WRAP in Huelva/Doñana und Murcia Gewässerschutznetzwerke aufgebaut mit technischer Unterstützung, Schulungen und Maßnahmen zu Wassernutzung und Wasserqualität. Ein anderes Beispiel ist ein weiteres WRAP-Projekt, dass EDEKA in Südafrika unterstützt, und das vor Ort vom WWF Südafrika umgesetzt wird. Aktuell beteiligen sich 80 Farmen, unter anderem aus dem Tafeltraubenanbau, zusammen mit Politik und anderen Organisationen.

Damit wollen die Partner zeigen, wie sich Anforderungen an einen verantwortungsvolleren Umgang mit Wasser stärker in landwirtschaftlichen Lieferketten berücksichtigen lassen. So geht es insbesondere darum, Wasserrisiken im Anbaugebiet zu erkennen und den Umgang mit Wasser stärker in die landwirtschaftliche Praxis einzubeziehen.

Um Stakeholder dabei zu unterstützen, bestehende Wasserrisiken zu verringern, und sich für eine Markttransformation zur langfristigen Wassernutzung einzusetzen, haben EDEKA und WWF einige ihrer Arbeitsergebnisse in Studien geteilt, stellen sie auf Fachkonferenzen vor und setzen sich für die Aufnahme verbesserter Wasserkriterien in Landwirtschaftsstandards ein.

Mehr dazu, wo EDEKA bei der Erreichung der Ziele steht

Interview mit Nina Schneider, Expertin für Süßwasser beim WWF

Nina Schneider © Kathrin Tschirner / WWF
Nina Schneider © Kathrin Tschirner / WWF

Produkte aus dem EDEKA Eigenmarken-Sortiment werden auf mögliche Wasserrisiken untersucht. Was heißt das konkret?

Landwirtschaftliche Produkte werden weltweit angebaut. Je nachdem wo, können die Wasserressourcen knapp, überbeansprucht, verschmutzt oder staatlich ungenügend reguliert sein. Häufig bestehen mehrere Risiken zugleich. Wir prüfen, ob und welche Risiken pro Produkt und Region vorhanden sind. Dazu nutzen wir den WWF Risk Filter, ein Instrument, das wir gemeinsam mit der DEG (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft) entwickelt haben. EDEKA arbeitet daran, diese Analysen fest in ihre Einkaufsprozesse zu verankern. Hierzu dient das auf die Bedürfnisse des Unternehmens angepasste EDEKA Risko-Tool. Gestartet sind wir mit dem Obst und Gemüse Sortiment, inzwischen sind auch andere Sortimentsbereiche erfasst.

Was zeigen solche Analysen?

Wasserrisiken betreffen in einem Flussgebiet wie auch entlang der Lieferkette meist mehrere Akteure gleichzeitig. Als Risiko bezeichnen wir Faktoren wie Wasserknappheit, Verschmutzung, Wasserkonflikte und so weiter. Um diese Risiken zu reduzieren, müssen wir auf die Situation vor Ort angepasste Lösungswege finden. Nur auf Farmebene einzugreifen, löst die Probleme nicht. Der Verbrauch kann sogar ansteigen, wenn das eingesparte Wasser für eine Ausweitung der Anbaufläche verwendet oder auf wasserintensivere Produkte gewechselt wird. Die Landwirt:innen stehen vor der Situation, dass in der Region vorhandenes Wasser unfair verteilt wird, die Verteilung nicht oder zu wenig geregelt ist, Regelungen ignoriert werden oder illegale Brunnen angelegt werden. Damit steigt für sie die Unsicherheit, ob sie ihre Produkte anbauen können und damit auch für den Handel, der ihre Waren bezieht.

Was heißt das in der Praxis für ein Produkt, bei dem Wasserrisiken bestehen?

Wir schauen bei Produkten mit hohem Wasserverbrauch aus trockenen Regionen genauer hin und arbeiten gemeinsam mit EDEKA und den Produzent:innen an Lösungen. Dazu haben wir zwei eigene Anbauprojekte ins Leben gerufen, zum Zitrusfrüchteanbau in Spanien und zum Bananenanbau in Kolumbien, Ecuador, Costa Rica, Belize und Kamerun. Diese Projekte helfen uns dabei, systematische Ansätze zu entwickeln. Die Erkenntnisse geben wir an andere weiter, um so möglichst vielen Landwirt:innen zu helfen.

Es geht also auch stark um das Management im gesamten Wassereinzugsgebiet?

Genau. In Kolumbien haben wir beispielsweise in Anknüpfung an das Bananenprogamm von WWF und EDEKA mit Landwirt:innen aus dem Bananen-, Palmöl-, und Kaffeeanbau, lokalen Wasserbehörden und weiteren Anrainern eine Flussgebietsplattform geschaffen. Trockenheit und Hochwasser stellen dort eine Herausforderung für Menschen, Betriebe und Ökosysteme dar. Hauptursache dafür ist der Klimawandel: Man rechnet mit 25 Prozent weniger Niederschlägen bis 2050. Aufgrund des Bürgerkrieges gab es in den letzten 20 Jahren keine öffentliche Flussgebietsplanung. Gleichzeitig bestehen Nutzungskonflikte zwischen den Landwirt:innen, Gemeinden und Fischereien. Die Plattform schafft Raum für den Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren und ermöglicht ihnen, sich in Planungsprozessen im Flussgebiet einzubringen.

So können unterschiedliche Interessen an der Wassernutzung zusammengebracht und gleichzeitig die ökologischen Funktionen des Flussgebiets zu berücksichtigt werden. In der Region liegen zwei Nationalparks, darunter Kolumbiens größtes geschütztes Feuchtgebiet, in denen zahlreichen Tier- und Pflanzenarten leben.

Was ist das Ziel sich im Rahmen der Partnerschaft um Süßwasser zu kümmern?

Wir wollen zum Schutz von Süßwasser beitragen und gemeinsam mit den Akteuren vor Ort Ansätze für einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser entwickeln. Dabei können Standards wie der der Alliance for Water Stewardship (AWS) eine Orientierung geben.

Beide Partner arbeiten mit der AWS zusammen und sind aktive Mitglieder dieses internationalen Netzwerks. Der AWS-Standard betrachtet nicht nur die Wassernutzung auf einzelnen Farmen, sondern bezieht auch das jeweilige Flussgebiet und die verschiedenen Akteure ein. Dazu gehören beispielsweise andere Wassernutzer, Behörden und weitere Interessengruppen. Ziel ist es, die unterschiedlichen Interessen und Abhängigkeiten bei der Wassernutzung zu berücksichtigen und gemeinsam Maßnahmen für den Umgang mit Wasserrisiken zu entwickeln. Gerade in Gebieten mit hohen Wasserrisiken ist die Zusammenarbeit verschiedener Wassernutzer und weiterer Akteure wichtig.

Letztlich können diese Risiken auch Lieferketten beeinflussen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Wasser ist deshalb sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Betrachtung wichtig.

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Sylvia Ratzlaff

Pressereferentin / WWF Deutschland

Miriam Heimberg

Unternehmenskommunikation / EDEKA