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WWF fordert: 30 Prozent CO2-Reduktion für Europa

Das deutsche Bündnis für mehr Klimaschutz in Europa

Investitionsstopp, schleppende Klimaverhandlungen, mangelnde Umsetzung der geplanten Klimaschutzstrategie – die deutsche Energiewende ist ins Stocken geraten. Der WWF ruft daher die Angela Merkel auf, die Energiewende zur Chefsache zu erklären. „Frau Bundeskanzlerin, packen Sie jetzt mal richtig an!“ Bis zum kommenden EU-Gipfel am 28. Juni muss Deutschland sich dafür einsetzen, das CO2-Reduktionsziel auf 30 Prozent zu erhöhen. Unterstützung erhält der WWF von Brot für die Welt, BUND, Germanwatch, der Klima-Allianz, Nabu, und Oxfam.

Aktion vor dem Kanzleramt. „Frau Bundeskanzlerin, packen Sie jetzt mal richtig an!“ © Matthias Adler / WWF
Aktion vor dem Kanzleramt. „Frau Bundeskanzlerin, packen Sie jetzt mal richtig an!“ © Matthias Adler / WWF

Was wird am 11. Juni in Luxemburg entschieden?

Die Erhöhung des EU-Klimaschutzziels beim Umweltministerrat war im März 2012 am Veto Polens gescheitert. Um die Diskussion wieder zu beleben, hatte Deutschland das Thema wieder auf der Agenda für das EU-Umweltministertreffen am 11. Juni gesetzt. Leider ist dieser Versuch gescheitert: Auf Druck Polens wurde der Agendapunkt gestrichen, so dass die Diskussion nicht stattfinden wird und Polen kein weiteres Veto einsetzen muss. Für den WWF ist diese Sackgasse keine Option: ein einziges Land darf nicht den europäischen Klimaschutz blockieren.

Neue Studie zum Emissionshandel

Der WWF nimmt das EU-Umweltministertreffen als Anlass, zur Sanierung des EU-Emissionshandels zu veröffentlichen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die von der EU-Kommission favorisierte Maßnahme, 1,4 Milliarden Zertifikate bis Ende 2020 aus dem System zu entfernen (set-aside) nicht ausreichen wird, um signifikante Effekte auf den CO2-Preis zu erzielen und damit das System zu stabilisieren. Die so genannte set aside Lösung muss kombiniert werden mit der Erhöhung der jährlichen Minderungsverpflichtung, also mit einer Festlegung eines ambitionierten europäischen Reduktionsziel von 30% weniger CO2 Emissionen bis 2020.

 

Der WWF fordert: Auf dem EU-Gipfel am 28. Juni 2012 müssen die Regierungschefs endlich eine Minderung klimaschädlicher CO2-Emissionen von 30 Prozent bis 2020 in Europa beschließen!

Worum geht es bei den geplanten CO2-Einsparzielen?

Im Jahr 2008 hatte sich die Europäische Union dazu verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 senken. Vier Jahre nach dem Beschluss ist klar: Dieses Ziel war zu niedrig. Auch wenn nach der Finanz- und Wirtschaftskrise die Emissionen wieder leicht steigen werden, gilt die 20-Prozent Minderung für 2020 als so gut wie erreicht.

WWF-Klimaexpertin Juliette de Grandpré. © Bernd Lammel / WWF
WWF-Klimaexpertin Juliette de Grandpré. Bernd Lammel / WWF

„Wir müssen die Kohlenstoffdioxid-Reduktion auf 30 Prozent heraufsetzen. Ohne diese Anhebung droht dem Emissionshandel, dem Flaggschiff der europäischen Klimaschutzstrategie, der Kollaps, da sich zu viele Zertifikate auf dem Markt befinden. Dieser Überschuss an Zertifikaten bedeutet einen Preisverfall und bringt die Glaubwürdigkeit des Instrumentes in Gefahr“, sagt Juliette de Grandpré vom WWF. Die Folgen sind weitreichend: Fehlende wirtschaftliche Impulse für entscheidende Investitionen in klimafreundliche Technologien und die Verfehlung der deutschen Klimaschutzziele – die Energiewende droht zu scheitern.

Deutschland muss Vorreiterrolle im Klimaschutz gerecht werden

Die bisherigen Verhandlungen haben gezeigt, dass viele EU-Staaten das 30 Prozent Ziel unterstützen. Auch Deutschland unterstützt eine Aufstockung des Zieles. Bis zum 28. Juni auf dem EU-Gipfel fordern wir deshalb von der Bundeskanzlerin, dass sie sich dafür einsetzt, dass die Anhebung des CO2-Zieles auf 30 Prozent gemeinschaftlich von den EU-Mitgliedstaaten beschlossen wird.

„Frau Bundeskanzlerin, packen Sie jetzt mal richtig an!“

Frau Bundeskanzlerin, Sie haben es in der Hand: Packen Sie jetzt richtig an! Machen Sie den europäischen und deutschen Klimaschutz zur Chefsache. Setzen Sie am 28. Juni in Brüssel ein 30-Prozent-Klimaschutzziel durch!

Die Zehn Gründe für ein 30-Prozent Ziel im Überblick

  1. Positive Dynamik für die europäische Wirtschaft
    Ein verbindliches Klimaziel von 30 Prozent Reduktionen der europäischen Emissionen bis 2020 kann eine wirtschaftliche Dynamik auslösen, die im Vergleich zu einem 20-Prozent-Szenario europaweit netto sechs Millionen zusätzliche Arbeitsplätze schafft. Mehr noch: Die Investitionsrate könnte von 18 auf 22 Prozent steigen und das jährliche Wirtschaftswachstum von 2,2 auf 2,8 Prozent zunehmen.
  2. Sinkende Kosten nach aktuellen Berechnungen der EU-Kommission
    Die Kosten eines 30-Prozent-Ziels sind durch die Finanz- und Wirtschaftskrise erheblich gesunken. Zu diesem Ergebnis kommen selbst Modellrechnungen der EU, die die positiven konjunkturellen Auswirkungen eines ehrgeizigen Klimaschutzzieles nur unzureichend abbilden.
  3. Sinkende Gesundheitskosten durch weniger Luftverschmutzung
    Eine Minderung der Emissionen um 30 Prozent und die damit einhergehende sinkende Luftverschmutzung führen in Deutschland und Europa zu jährlichen Einsparungen im Gesundheitsbereich in Milliardenhöhe.
  4. Sinkende Abhängigkeit von Energieimporten
    Ambitionierterer Klimaschutz bedeutet auch: Investitionen in Europa anstatt hoher Ausgaben für Energieimporte. In einem 30-Prozent-Szenario fallen die europaweiten Kosten für Öl- und Gasimporte im Jahr 2020 um mindestens 9–14 Mrd. EUR niedriger aus als in einem 20-Prozent-Szenario.
  5. Zusätzliche Einnahmen aus dem Emissionshandel
    Bei einem 30-Prozent-Ziel liegen die Versteigerungserlöse aus dem Emissionshandel europaweit wieder in den Größenordnungen, mit denen die Finanzminister noch vor der Finanz- und Wirtschaftskrise gerechnet hatten. Deutschland kann über den Zeitraum 2013–2020 mit Mehreinnahmen von 15 Mrd. € gegenüber einem 20-Prozent-Szenario rechnen.
  6. Ein Klimaziel von nur 20 Prozent ist nicht ambitioniert
    Minderungen der Treibhausgasemissionen von nur 20 Prozent wären kaum mehr als business-as-usual.
  7. Langfristiger Klimaschutz erfordert mindestens 30 prozentige Emissionsminderungen bis 2020
    Um das vom Europäischen Rat beschlossene Ziel von mindestens 80–95 Prozent Reduktionen kosteneffizient erreichen zu können, müssten bis 2020 die Emissionen in Europa (d. h. ohne Verwendung von Carbon Offsets) sogar um mindestens 34 Prozent absinken.
  8. Deutsches 40-Prozent-Ziel braucht europäisches 30-Prozent-Ziel
    Bleibt die EU bei ihrem 20-Prozent-Ziel, wird Deutschland sein für 2020 gesetztes Ziel von 40 Prozent Reduktionen verfehlen. Dafür sorgt die gesamteuropäische Regelung des Emissionshandels, solange diese auf die Erreichung des niedrigen aktuellen EU-Ziels ausgerichtet ist.
  9. Nachteile für energieintensive Industrie sind nicht zu erwarten
    Analysen zeigen, dass Produktionsverlagerungen energieintensiver Industrien (Carbon Leakage) kaum zu erwarten sind und gesamtwirtschaftlich nicht ins Gewicht fallen.
  10. Schubkraft für die internationalen Verhandlungen
    Nach dem Klimagipfel von Durban schaut die Welt auf die EU. Ein europäisches Klimaziel von 30 Prozent Reduktionen kann eine Aufwärtsspirale in Gang setzen und andere Länder beim Klimaschutz mitziehen.
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