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Klimaschutzprojekte im Ausland

Klimaschutzprojekte im Ausland – fair und gut fürs Klima?

Seit 2008 können Unternehmen ihre Reduktionsverpflichtung im EU Emissionshandel auch über Investitionen in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern erfüllen. Denn für die Atmosphäre ist es nicht von Belang, an welchem Ort der Erde CO2 eingespart wird. Daher schützt es das Klima genauso viel, wenn eine Tonne CO2 in Indien eingespart wird statt in Deutschland. Angesichts der historischen Verantwortung der Industriestaaten am Klimawandel, sollte die Mehrheit der Emissionsreduktion in den Ländern selbst stattfinden, und nicht in die Entwicklungsländer verlagert werden.

© Adam Oswell / WWF
© Adam Oswell / WWF

Hintergrund des Clean Development Mechanism

Der Clean Development Mechanism (CDM) ist einer der flexiblen Mechanismen des Kyoto-Protokolls. Er soll es Industrieländern möglich machen, Teile ihrer Emissionsverminderungen kostengünstiger in Entwicklungsländern zu erfüllen. Beispielsweise über die Investition in Projekte wie den Bau von Windparks oder die Errichtung von Biomassekraftwerken. Für jede in einem solchen Projekt eingesparte Tonne CO2 erhalten die Investoren eine CO2-Gutschrift, die sie im europäischen Emissionshandel verwenden dürfen. Ein positiver Effekt des Mechanismus ist der Technologietransfer von beispielsweise erneuerbaren Energien in Entwicklungsländer.  

 

Da jedoch die Zertifikate aus solchen Projekten in den EU-Emissionshandel Eingang finden, wird der CDM zu einem Nullsummenspiel für das Klima. Denn für jede eingesparte Tonne CO2 in Entwicklungsländern dürfen die Unternehmen innerhalb Europas eine Tonne CO2 mehr ausstoßen.  

 

Um die globale Klimaerwärmung auf einen Wert von unter 2°C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen, muss der Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen global um 80 Prozent gegenüber 1990 sinken. Da der CDM ein reines Nullsummenspiel ist, trägt das Instrument eigentlich nicht zu absoluten Treibhausgas-Reduktionen bei. Deshalb müssen wir langfristig andere Instrumente schaffen, die den Entwicklungsländern helfen, in CO2-arme Technologien zu investieren, ohne dass die Industrieländer sich die Reduktionen anrechnen können.


Erfahrungen mit dem CDM

Die Menge der externen Zertifikate, die im EU-Emissionshandel Eingang finden, ist entscheidend für den Erfolg des Systems. Wird den Unternehmen in zu starkem Umfang erlaubt, ihre Reduktionsverpflichtung im Ausland zu erfüllen, verzögert das notwendige Maßnahmen zur CO2-Minderung innerhalb Europas. Nun haben jedoch die Regierungschefs der EU entschieden, dass die Mitgliedsstaaten im Rahmen des Emissionshandels bis zu 50 Prozent ihrer CO2-Einsparverpflichtung über Gutschriften aus CDM-Projekten erfüllen dürfen. Der WWF kritisiert dies scharf, denn damit wird es der Industrie erlaubt, die Hälfte ihrer Emissionsverpflichtungen ins Ausland zu verschieben. Über den Zukauf von externen CO2-Zertifikaten finden Innovationen nicht mehr in Europa statt und echte Emissionsminderungen innerhalb der EU werden verhindert. Die Vorreiterrolle Europas, möglichst viele CO2-Emissionen innerhalb der EU zu vermindern, steht mit dieser Regelung in Frage.  

 

Neben der Quantitätsfrage ist der WWF sehr besorgt, dass das System missbraucht wird. So werden bspw. viele Projekte realisiert, die das Kriterium der „Zusätzlichkeit“ nicht erfüllen. Das bedeutet, dass viele dieser Projekte auch ohne die Finanzierung über CDM zustande gekommen wären. Gelangen dann die Zertifikate in den EU-Emissionshandel, führt dies global betrachtet zu einem Anstieg der weltweiten Emissionen. Eine  Studie des Öko-Instituts von 2007 hat die Wirksamkeit von CDM-Projekten hinsichtlich ihrer Zusätzlichkeit überprüft. Sie kam zu dem Ergebnis, dass mindestens 20 Prozent der CDM-Zertifikate nicht zusätzlich seien. Dazu kommt, dass das Instrument, das eigentlich sowohl Emissionsminderungen bringen soll als auch zu einer nachhaltigen Entwicklung der Entwicklungsländer beitragen soll, diesem Anspruch nicht gerecht ist. Dadurch dass die Nachhaltigkeitskomponente der Projekte finanziell nicht belohnt wird, übergehen die Mehrheit der Projekte diese Voraussetzung, viele haben sogar negative Auswirkungen für ihre Umgebung.  

 

Bezüglich der Qualität fokussiert sich die Kritik auf bestimmte Technologien, die im CDM zugelassen sind:  bei HFC-23 Projekten* oder der Vermeidung von N2O-Emissionen bei der Adipinsäureproduktion**.


Verbesserung des CDM ab 2013

Da die EU-Regierungschefs im Dezember 2008 die wichtigsten Entscheidungen zur Gestaltung des Emissionshandels ab 2013 schon getroffen haben, gibt es vor allem noch zwei Bereiche, in denen das System innerhalb des existierenden Regelwerks nachgebessert werden könnte:

  • Im Bezug auf eine quantitative Begrenzung fordert der WWF, dass die Nutzung von CDM/JI beim Übergang der EU auf das 30% Ziel nicht erhöht wird;
  • Im Bezug auf die Qualität besteht in der überarbeiteten Emissionshandelsrichtlinie die Möglichkeit, bestimmte Projekttypen ab 2013 von der Nutzung im EU ETS auszuschließen. Der WWF begrüßt, dass das EU-Klimaschutzkomitee im Januar 2011 den Vorschlag der EU-Kommission zugestimmt hat, Zertifikate aus HFC-23 und N2O Projekten ab 2013 aus dem Emissionshandel auszuschließen. Der WWF fordert die EU auf,  weitere Projekttypen, bei denen berechtigte Zweifel an der Zusätzlichkeit oder an der Umweltintegrität bestehen, nicht länger zur Nutzung im Emissionshandel zuzulassen.    

 

*HFC-23 ist ein Abfallprodukt, das bei der Herstellung des Kühlmittels HCFC-22 anfällt. Da die Zerstörung von HFC-23 kostengünstig ist, übersteigen die Einnahmen aus CDM-Zertifikaten die Einnahmen aus dem Verkauf des Kühlmittels um das 3- bis 5-fache. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass bei diesen CDM-Projekten ein Anreiz entsteht, mehr klimaschädliches Gas zu produzieren, um mehr Zertifikate generieren zu können. Da nur Anlagen für die CDM-Methode in Frage kommen, die vor dem Jahr 2000 gebaut wurden, wird die Produktion in älteren Anlagen unterstützt, obwohl davon ausgegangen werden kann, dass in älteren Anlagen das Verhältnis von HCFC-22 zu seinem Nebenprodukt HFC-23 schlechter ist als in modernen Anlagen. Darüber hinaus konterkarieren HFC-23 Projekte im CDM das Ziel des Montrealer Protokolls, da der CDM kontraproduktive Anreize schafft, die Produktion von HCFC-22 zu erhöhen.  

 

**Bei der Herstellung der Chemikalie Adipinsäure fällt als Nebenprodukt das klimaschädliche Gas N2O an, das bei den CDM-Projekten durch einen zusätzlich eingebauten Katalysator oder durch eine Nachverbrennung thermisch zerstört wird. Die N2O-Vermeidung ist ebenfalls zu sehr niedrigen Kosten möglich, durch den CDM lassen sich deshalb erhebliche Zusatzeinnahmen realisieren. Dies senkt die Produktionskosten in Schwellenländern im Vergleich zu den Produktionskosten in der EU. In der Wirtschaftskrise beklagten Unternehmen in der EU Auslastungsprobleme, eine Anlage in Großbritannien wurde geschlossen, während die Produktion in Anlagen in Schwellenländern nicht zurückgegangen ist. Experten haben gezeigt, dass der CDM mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Produktionsverschiebungen von der EU in Länder ohne vergleichbare Emissionsreduktionsziele geführt hat. Dies führt zu einem Anstieg der globalen Emissionen. Im Bereich der Adipinsäureproduktion sind also Zertifikate für Minderungen ausgestellt worden, die nicht real waren, weil die Produktion ohne das CDM-Projekt wahrscheinlich in einem Land mit absolutem Emissionsreduktionsziel durchgeführt worden wäre.  

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