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Stand: 27.01.2014

Olympische Winterspiele in Sotschi: Snowboarden unter Palmen

Wenn am 7. Februar in Sotschi die Olympischen Winterspiele eröffnet werden, steht ein Verlierer bereits fest: die Umwelt. Die Idee, das weltweit größte Sportereignis des Winters in eine Region zu verlegen, in der Wetterbedingungen wie am Mittelmeer herrschen, ist absurd. Ein Kommentar von WWF Vorstand Eberhard Brandes.

Olympische Winterspiele in Sotschi: Snowboarden unter Palmen © iStock / Getty Images
Olympische Winterspiele in Sotschi: Snowboarden unter Palmen © iStock / Getty Images

Winterspiele am Schwarzen Meer

In mehr als der Hälfte Russlands ist der Boden permanent gefroren. Doch anstatt die Spiele im Altaigebirge oder im Fernen Osten des Landes zu veranstalten, werden sie ausgerechnet am Schwarzen Meer ausgerichtet. Weiterer Malus: Infrastruktur? Fehlanzeige. Also wurden hastig und unüberlegt Sportstätten und andere Bauten aus dem Boden gestampft. Ein Großteil liegt ausgerechnet im Sotschi Nationalpark, einer Perle der Natur mit der vielfältigsten Artenvielfalt des ganzen Landes. Hier leben Goldschakale, Wisente, Steinadler und seltene Eidechsen. Selbst Leoparden könnten hier wieder heimisch werden. Aber die wurden ja nicht gefragt.

Prestigeobjekt von Wladimir Putin

Olympia 2014 war von Beginn an ein Prestigeobjekt von Staatspräsident Wladimir Putin und ein Alptraum für Naturschützer. Anders als in London, Sydney oder selbst in Peking, wo man auf bestehende Infrastruktur zurückgreifen konnte, musste in Sotschi nahezu alles neu gebaut werden. Neben einem neuen Stadion, Eishallen und Rodelbahnen mussten neue Straßen und Eisenbahnlinien und zehntausende Hotelbetten her, die nach dem Großereignis kaum mehr gebraucht werden dürften. Sotschi wird niemals ein Wintersportort in großem Stil, da es hier gar nicht genug Hänge gibt.

Es war von vornherein klar, dass die Winterspiele am Schwarzen Meer niemals grüne Spiele werden würden. Dennoch haben der WWF und andere Umweltorganisationen an Verhandlungen teilgenommen, um zumindest die krassesten Fehlplanungen zu verhindern.

Ökologische Schäden durch die Winterspiele

Leider nicht mit durchschlagendem Erfolg: Die Gespräche verliefen zwar durchaus konstruktiv, doch die Pläne für Ausgleichsmaßnahmen sind weit davon entfernt, jemals umgesetzt zu werden. Stattdessen wurden Fakten geschaffen und einmalige Naturlandschaften zerstört: Mehr als 3000 Hektar wertvoller Wälder wurden gerodet. Autobahn- und Eisenbahntrassen wurden ohne Rücksicht auf die Natur geplant und umgesetzt. Sporthallen wurden ohne Umweltverträglichkeitsprüfungen mitten im Marschland gebaut und haben die Lebensgrundlagen vieler Arten zerstört.

Auf Wanderrouten bedrohter Hirsch- oder Antilopenarten wurde keine Rücksicht genommen. Selbst in die Fischgründe des Msymta-Flusses, eines der wichtigsten Laichgebiete des Schwarzmeer-Lachses wurde eingegriffen. Die Lebensgrundlage vieler Fischer steht auf der Kippe und die ökologischen Schäden kann niemand beziffern.

Teuerste Winterspiele der Geschichte

Die Winterspiele in Sotschi werden die teuersten der Geschichte. Nach offiziellen Angaben kostet Putins Protzspektakel mindestens 40 Milliarden Euro. Wenn es darum geht, ökologische Reparaturarbeiten zu finanzieren, ist die russische Regierung hingegen knauserig: Experten der Vereinten Nationen und der Weltnaturschutzunion haben einen Plan für die Renaturierung nach den Spielen vorgelegt und dafür 22 Millionen Dollar veranschlagt. Der Plan wurde abgelehnt.

FairPlay spielt keine Rolle

FairPlay gegenüber der Natur spielt bei den Winterspielen im Kaukasus keine Rolle. Die Olympische Idee hat dadurch einen bitteren Rückschlag erlitten. Bei den Spielen in Sydney oder London gab es durchaus Ansätze von Nachhaltigkeit, auch wenn nicht alle vollmundigen Versprechen erfüllt wurden.

Der WWF fordert, dass schon bei der Vergabe der Spiele ökologische Kriterien in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen. Immerhin: Tokio, Ausrichter der Olympischen Sommerspiele 2020, wirbt mit grünen Spielen der kurzen Wege. Diese Idee muss ausgebaut und umgesetzt werden, damit Nachhaltigkeit bei großen Sportveranstaltungen zur Selbstverständlichkeit wird. Die Olympischen Spiele sollen ein Fest sein, von dem auch Impulse für den Breitensport ausgehen. Das gilt für den Umgang mit unserer Umwelt ganz besonders.

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