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Stand: 25.06.2014

Energiesparend und nachhaltig: Der Verkehr der Zukunft

Verkehr fast ohne Emissionen – das geht. Wie, das zeigt das Konzept „Klimafreundlicher Verkehr in Deutschland“ das der WWF gemeinsam mit BUND, Germanwatch, NABU und VCD erarbeitet hat.

Konzept: Klimafreundlicher Verkehr in Deutschland © iStock / Getty Images
Konzept: Klimafreundlicher Verkehr in Deutschland © iStock / Getty Images

Deutschland hat sich verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Dieses Klimaziel wird aber verfehlt, wenn Deutschland nicht deutlich klimafreundlicher fährt und fliegt, denn knapp ein Viertel der gesamten Treibhausgasemissionen kommt heute aus dem Verkehr. Eine an den Klimazielen ausgerichtete Verkehrspolitik fehlt aber bisher - die deutschen Verkehrsemissionen stiegen zwischen 1990 und 2012 sogar um 2,5 Prozent.

Konzept „Klimafreundlicher Verkehr in Deutschland“

Unser Mobilitätsverhalten muss sich ändern © iStock / Getty Images
Unser Mobilitätsverhalten muss sich ändern © iStock / Getty Images

Effizienzsteigerung und Elektromobilität, Verkehrsvermeidung und -verlagerung auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel und regenerative Kraftstoffe: Das vom WWF gemeinsam mit den Umweltverbänden BUND, Germanwatch, NABU und VCD erarbeitete Konzept „Klimafreundlicher Verkehr in Deutschland“ zeigt, wohin sich der Verkehr der Zukunft entwickeln muss. „Zentral ist dabei, den Energiebedarf des Verkehrs drastisch zu reduzieren“, sagt Johannes Erhard vom WWF.

Das in der Studie entwickelte Szenario zeigt faszinierend, wie sich unser Mobilitätsverhalten ändern muss und welche Reformen der Verkehrspolitik wir brauchen, damit Deutschland mobil bleibt und gleichzeitig die Lebensqualität steigt – etwa, wenn auch die Lärm- und Schadstoffbelastung sinken und unverhältnismäßig breite Verkehrsadern mit parkenden Autos öffentlichen Plätzen und Grünflächen weichen.

Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel

Zentral ist dafür der Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel. Das Verbändekonzept skizziert ein Bild der Zukunft, in der man in Städten flexibel auf Fahrräder, gut vernetzte öffentliche Verkehrsmittel und elektrisch betriebene Carsharing-Fahrzeuge zurückgreift. Smartphones unterstützen dies, denn Informationen sind immer griffbereit.

Der private Besitz eines Pkw ist dann weniger wichtig. Für längere Strecken steht ein leistungsfähiges Bus- und Bahnnetz zur Verfügung. Dadurch rollen im Jahr 2050 weniger als halb so viele Pkw wie heute auf unseren Straßen. Die Einbeziehung des Luftverkehrs in einen wirksamen Emissionshandel macht das Fliegen teurer als heute. Der Trend geht von vielen Kurztrips wieder zu zeitlich längeren, selteneren Flugreisen. Geschäftsreisen werden zunehmend durch Videokonferenzen ersetzt. Der Personenflugverkehr geht dadurch bis 2050 leicht zurück. In der alternden Gesellschaft Deutschlands mit rückläufiger Bevölkerungszahl verringert sich der Personenverkehr bis 2050 insgesamt um 15 Prozent.

Transportwege und Güterverkehr

Viele Einkaufswege fallen weg © iStock / Getty Images
Viele Einkaufswege fallen weg © iStock / Getty Images

Da zunehmend online eingekauft wird, fallen viele Einkaufswege weg. Der Güterverteilverkehr nimmt dementsprechend zu. In Städten werden dafür kleine elektrisch betriebene Lastwagen und Lastenräder eingesetzt. Der Güterverkehr in Deutschland nimmt insgesamt bis 2030 zwar weiter zu, stabilisiert sich aber langfristig auf heutigem Niveau. Bei Nahrungs- und Futtermitteln gewinnen regionale Kreisläufe wieder an Bedeutung, die durchschnittlichen Transportweiten nehmen hier ab. Fossile Energieträger wie Kohle und Erdöl werden dank der Energiewende kaum noch transportiert.

Auch der Güterverkehr wird umweltfreundlicher: Bahn und Binnenschiffe transportieren in 2050 etwa die Hälfte aller Güter. Die Kapazität der Schiene verdoppelt sich, vor allem die großen Seehäfen werden besser an die Bahn angebunden.

Damit aus dem Konzept Wirklichkeit wird

Empfehlung: Eine Pkw-Maut berechnet nach gefahrener Distanz und CO2-Ausstoß © Global Warming Images / WWF-Canon
Empfehlung: Eine Pkw-Maut berechnet nach gefahrener Distanz und CO2-Ausstoß © Global Warming Images / WWF-Canon

Damit die im Verbändekonzept skizzierte Entwicklung Wirklichkeit wird, empfehlen die Verbände der Politik die Einführung einer Pkw-Maut, die sich je nach gefahrener Distanz und CO2-Ausstoß des Fahrzeugs berechnet. Die EU-Gesetzgebung zur Begrenzung der CO2-Emissionen von Pkw müsse über 2020 hinaus schrittweise verschärft werden – nur so würden spritsparende Autos gebaut und die Elektromobilität komme in Schwung. Der öffentliche Verkehr und auch die Fahrradinfrastuktur müssen von der Politik finanziell gestärkt werden.

Besonders wichtig sei auch die Einbindung des Flugverkehrs inklusive internationaler Flüge in einen wirkungsvollen Emissionshandel, da sonst die Klimaziele kaum zu erreichen seien. Im Güterverkehr empfehlen die Verbände der Politik insbesondere eine Stärkung von Schienen- und Schiffsverkehr durch gezielte Infrastrukturmaßnahmen. Dafür brauche Deutschland eine nachhaltigere Verkehrsinfrastrukturplanung. Die Lkw-Maut solle gleichzeitig auf alle Straßen ausgeweitet und erhöht werden.

Energiewende für den Verkehr

Mit den im Konzept skizzierten Maßnahmen lässt sich der Energiebedarf des Verkehrs bis 2050 gegenüber 2005 um 70 Prozent reduzieren, die Treibhausgasemissionen sinken um zwei Drittel. Um jedoch die Emissionen um 95 Prozent zu reduzieren, müssen auch die fossilen Kraftstoffe ersetzt werden.

„Die drastische Reduktion der Emissionen lässt sich nur erreichen, wenn langfristig ausreichend saubere und nachhaltige Kraftstoffe zur Verfügung stehen“, sagt Johannes Erhard. Dafür werden neben Strom aus erneuerbaren Energien auch fortschrittliche Biokraftstoffe aus Abfall- und Reststoffen sowie synthetische Gas- und Flüssigkraftstoffe, die ebenfalls mit Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt werden, gebraucht. Der Verkehrssektor hat langfristig einen großen Bedarf an regenerativ erzeugtem Strom. „Alleine das zeigt schon, wie dringend eine konsequente Umsetzung der Energiewende auch für den Verkehrssektor ist“, so Johannes Erhard.

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