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Teersande - schmutziges Öl aus Kanada

Im Dezember 2011 erklärte Kanada seinen Austritt aus dem Kyoto-Protokoll. Der Abbau seiner gigantischen Teersandvorkommen verspricht eine lukrative Zukunft als Energieweltmacht. Die Klimaziele sind zweitrangig, das Rohöl ist teuer. Für den WWF jedoch ist die Ölgewinnung aus Kanadas Teersanden schlicht eine Katastrophe.

Die teure Teersandextrahierung wird für Konzerne immer lukrativer. © Jiri Rezac / WWF-UK
Die teure Teersandextrahierung wird für Konzerne immer lukrativer. © Jiri Rezac / WWF-UK

Kanada heizt das Weltklima auf

Glitschig, matschig - eine ökologische Katastrophe. Eigentlich hatte sich Kanada dazu verpflichtet, seinen CO2-Ausstoß um sechs Prozent zu reduzieren, als es im Jahr 1990 das Kyoto-Protokoll mitunterzeichnete. Tatsächlich ist er jedoch bis 2011 um ein ganzes Viertel gestiegen.

Schuld daran ist auch die verheerende Energiebilanz von Teersanden. Das „Colorado Energy Institute“ rechnet mit jährlich etwa 350 Millionen Tonnen CO2, die Kanada zusätzlich in die Atmosphäre bläst (WWF, 2012). Das entspricht den Jahres-Emissionswerten der gesamten deutschen Energiewirtschaft (Vgl. 2009: 338,5 Mio t CO2).

Seit 1990 hat sich gleichzeitig der Ölpreis verdoppelt. Die teure Teersandextrahierung wird so für Konzerne immer lukrativer und befördert Kanada zu einer Energieweltmacht. Unter diesen Voraussetzungen verkündete der einstige Vorreiter im internationalen Klimaschutz im Dezember 2011 kurzerhand seinen Austritt aus dem Kyoto-Protokoll.

Die größten LKW der Welt mit Ladeflächen für 400 Tonnen Teersand. © Jiri Rezac / WWF-UK
Die größten LKW der Welt mit Ladeflächen für 400 Tonnen Teersand. © Jiri Rezac / WWF-UK

Die Förderung – ein schmutziger Prozess

Der Großteil dieses Öls wird direkt vor Ort gefördert und verarbeitet. In einem Tagebau schaufeln dabei Bagger die bitumenhaltige Erde auf die größten LKW der Welt (Caterpillar 797B) mit Ladeflächen für 400 Tonnen Teersand. Der Kraftstoffverbrauch dieser PS-Monster beträgt schlappe 450 Liter Diesel - in der Stunde. Aus zwei Tonnen dieser Erde wird ein Barrel Öl gewonnen – insgesamt sind es so mehrere Millionen Tonnen, die täglich bewegt werden.

Unter Beigabe von heißem Wasser und Lösungsmittel werden die Ölpartikel in riesigen Depots vom unbrauchbaren Rest getrennt. „Aus den Behältern fließt das Gemisch in einen Absetzkessel. Oben schwimmt das Öl, in der Mitte das Wasser, und unten lagert sich der Sand ab. In der Theorie jedenfalls. In der Praxis bleibt eine riesige Menge öligen Schlicks zurück, der in einen Klärteich gepumpt wird”, so beschreibt es der Journalist Reiner Luyken („Die Scheichs aus Kanada“ , ZEIT, 06.11.2008 Nr. 46).

Glitschig, matschig - eine ökologische Katastrophe. © Jiri Rezac / WWF-UK
Glitschig, matschig - eine ökologische Katastrophe. © Jiri Rezac / WWF-UK

Vergiftetes Wasser

Die Erdölgewinnung aus Teersanden benötigt Unmengen von Wasser zum Aufheizen und Abkühlen des Sandgemischs. Zwischen sechs und 15 Millionen Barrel sind es am Tag - drei Mal mehr, als konventionelle Erdölförderung. Als primäre Wasserquelle dient der 1231 km lange Athabasca-Fluss. Jährlich werden so bis zu 529 Mio Kubikmeter Wasser entnommen. Nur fünf bis zehn Prozent davon gelangen wieder zurück in den Fluss. Der große Rest lagert als giftige Brühe in bis zu 50 km² großen Bassins und versickert.

Im April 2008 verendeten auf einen Schlag über 1800 Zugvögel auf dem Gelände des auf Teersand spezialisierten Konzerns „Syncrude“. Der Kontakt mit dem kontaminierten Wasser wurde ihnen dabei zum Verhängnis.

Die Folgen für die Menschen, die in der Athabasca-Region leben, sind noch nicht genau bekannt. Kanadische Mediziner verweisen jedoch auf ein sprunghaftes Ansteigen der eher seltenen Krebserkankung der Gallengänge.

Mit Benzin aus Teersanden sind die EU-Klimaziele für Kraftstoffe Makulatur. © Jiri Rezac / WWF-UK
Mit Benzin aus Teersanden sind die EU-Klimaziele für Kraftstoffe Makulatur. © Jiri Rezac / WWF-UK

„Mit Benzin aus Teersanden sind die EU-Klimaziele für Kraftstoffe Makulatur“

Derzeit beträgt der Anteil am weltweiten Rohölmarkt zwei Prozent. Im Jahr 2008 gab es zwölf Ölkonzerne, die in der Athabasca-Region 722.000 Barrel Erdöl am Tag förderten (WWF, Unconventional Oil, 2008). Bis zum Jahr 2020 sollen es 18 Unternehmen und 2.596.000 Barrel täglich sein. Auch zahlreiche europäische Ölfirmen investieren massiv in Kanadas Teersandförderung. Viviane Raddatz vom WWF ist sich aber sicher: "Teersande haben in Europa nichts zu suchen. Gelangt dieses Öl ohne Klimaauflagen auf den europäischen Markt, sind die CO2-Einsparziele nicht mehr zu realisieren. Mit Benzin aus Teersanden sind die EU-Klimaziele für Kraftstoffe Makulatur."

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