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Bioenergie: Saubere Sache oder Holzweg

Im Vergleich zur Ölpalme aus Südostasien hält nicht mal der so ertragreiche, einheimische Raps mit. Lediglich bis zu 2,5 Tonnen Rapsöl lassen sich pro Hektar jährlich gewinnen. Auf der Palmölplantage ist es durchschnittlich rund eine Tonne mehr. Zugleich kann die Tonne Biodiesel aus Palmöl gegenüber der Verwendung der gleichen Menge herkömmlichen Diesels schätzungsweise bis zu 50 Prozent des Treibhausgases Kohlendioxid einsparen, dass dadurch weniger in die Luft geblasen wird.

© James Morgan / WWF International
© James Morgan  / WWF International

Palmöl gilt als größter Regenwaldkiller

Die Klimabilanz der Ölpalme fällt allerdings nur dann positiv aus, wenn sie nicht dort gedeiht, wo einst Regenwald stand. Wer mit einem Kleinflugzeug über das Umland von Palangkaraya auf Borneo fliegt, sieht, welche Zerstörung die Anpflanzungen anrichten. Anstelle üppigen Tropenwalds erstreckt sich bis zum Horizont eine Monokultur, angelegt in gigantischen Planquadraten, unterbrochen nur durch schnurgerade Bewässerungskanäle.

Indonesien zählt zu den weltweit wichtigsten Anbaugebieten für Ölpalmen. Mehr als ein Drittel des globalen Pflanzenölbedarfs wird bereits mit dem Öl der Palme gedeckt. Einem Entwicklungsland wie Indonesien bringt das finanzielle Vorteile. Denn durch derartige Marktchancen lässt sich viel Geld verdienen. Abnehmer für sein Rohpalmöl sind vor allem Indien, China und die EU. Über die niederländischen Häfen Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam gelangt das Öl in riesigen Tanks auf den EU-Binnenmarkt. Bei einem Großteil des Rohstoffs lässt sich später nicht mehr prüfen, woher er stammt.

Auf die Weise wächst sich das Geschäft mit der nachhaltigen Ressource zum ökologischen Desaster aus. Denn geht beispielsweise Borneos Torfwald für Ölpalmen in Flammen auf, verursacht die Produktion einer Tonne Palmöl gewaltige CO2-Emissionen: das Zehn- bis Dreißigfache von dem, was beim Einsatz von einer Tonne Diesel entsteht.

Konkurrenz mit dem Anbau von Nahrungsmitteln

Wächst der Bedarf an Biomasse, wird irgendwann die Anbaufläche knapp. Denn die Energiepflanzen gedeihen auf Äckern, die eigentlich für andere Nutzpflanzen gedacht sind: Kartoffeln, Kohl oder Getreide, um daraus Nahrungsmittel herzustellen. Mancherorts schlägt sich der Platzmangel bereits auf die Lebensmittelpreise nieder. So etwa stiegen im Jahr 2008 die Weltmarktpreise für Nahrungsmittel, weil etwa Mais oder Soja für Bioenergie in Autotanks und Kraftwerken verschwand. Wenn Energiepflanzen auf ehemaligem Weide- und Ackerland wachsen, ist das allerdings nicht nur ein finanzielles Problem. Denn wohin mit den Nahrungspflanzen? Ackerbauern weichen aus auf andere Flächen, erschließen Neuland. In vielen Ländern der Dritten Welt gehen so oft wertvolle Naturregionen verloren.

Ackerflächen schwinden auch in Deutschland

Rapsfeld. © Andrzej Szebiotko / WWF
Rapsfeld. © Andrzej Szebiotko / WWF

Damit im Biogasfermenter massenhaft Silage vergoren werden kann, muss Mais auf großen Äckern angebaut werden. Und so strahlend gelb und lebendig die Rapsfelder für Biodiesel im Frühsommer leuchten, ihr Schein trügt. Sie bergen kaum noch biologische Vielfalt. Trist sieht es auch im Maisacker aus. Stängel an Stängel, dazwischen lebt kaum ein Tier oder eine andere Pflanze. Zudem laugen die Böden solch gigantischer Monokulturen schneller aus. Die Bauern müssen viel mehr düngen. Das wiederum belastet Acker und Grundwasser.

 

Wie lässt sich Bioenergie so nutzen, dass Mensch und Umwelt keinen Schaden nehmen?

Soll Biomasse nützen, bedarf es Regeln. WWF-Deutschland setzt sich dafür ein, dass etwa für Palmöl, Soja oder Holz kein Urwald gerodet wird. Für die Region Kalimantan auf Borneo heißt das: Ölpalmen nur auf Flächen anzubauen, die heute bereits zu stark zerstört oder gänzlich entwaldet sind. Die Organisation engagiert sich bei so genannten Multistakeholder-Dialogen, die alle Interessengruppen an eine Tisch holen: etwa Plantagenbetreiber, Hersteller von Biosprit, Holzfirmen, Bauern, Plantagenarbeiter und Umweltverbände. An solchen Runden Tischen wollen die Mitglieder gemeinsam Lösungen finden, um Energiepflanzen möglichst ohne Umweltrisiken anzubauen. Für das Öl der Palme hat WWF mit Unternehmen der Palmölindustrie einen "Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl" (RSPO) gegründet. Erstes Ergebnis: ein Umweltsiegel für "zerstörungsfreies" Palmöl. Auch Soja und Zuckerrohr sollen nur auf weniger wertvollen Flächen wachsen. Dafür sollen die Zertifizierungssysteme RTRS (Soja) und Bonsucro (Zuckerrohr) sorgen.

Zwei der jüngsten Siegel, die der WWF zusammen mit Interessensvertretern, Unternehmen und dem Privatsektor unterstützt, sind das ISCC-Label und das RSB-Zertifikat zur Herstellung von Biokraftstoff. Wer die Siegel beansprucht, darf Biomasse beispielsweise nicht in arten- und kohlenstoffreichen Gebieten wie Torfmooren oder Regenwäldern anbauen. Die Versorgung der lokalen Bevölkerung muss gewährleistet sein und gegen bestehende Landrechte darf nicht verstoßen werden. Erst wenn Agrarunternehmen lückenlos nachweisen, dass sie die Auflagen erfüllen, erhalten ihre Produkte das ISCC- oder RSB-Siegel.

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