WWF Deutschland

http://www.wwf.de/


Content Section

Subventionen kontra Artenvielfalt

Die Europäische Union (EU-25) subventioniert die Landwirtschaft mit jährlich ca. 55 Milliarden Euro und steckt damit mehr als die Hälfte ihres Budgets in den Agrarsektor. Sechs Milliarden Euro per anno fließen (zurück) nach Deutschland. Der Großteil der Zahlungen an die Höfe stammt aus der so genannten ersten Säule („Direktzahlungen“). Die aber sind bisher nur unzureichend an die Einhaltung ökologischer Mindeststandards und damit an die Koppelung gewünschter Leistungen gebunden („Cross Compliance“).

Ein Maisacker wird umgepflügt. © agrarfoto.com / WWF
© agrarfoto.com / WWF

Um die Artenvielfalt zu sichern oder überhaupt erst wieder herzustellen, ist es zwingend erforderlich, dass die Subventionen an ökologische Vorgaben geknüpft werden: Dazu zählen ökologische Ausgleichsflächen, die jeder Betrieb auf einem Teil seines Hofs schaffen müsste. Nötig sind etwa Blühstreifen auf den Äckern, zehn Meter breite Randstreifen an Bächen und Teichen, eine Reduktion des Stickstoffeinsatzes auf 80 Kilogramm je Hektar, das strikte Einhalten einer Fruchtfolge, die Monokulturen wie heute im Maisanbau immer mehr üblich ausschließt sowie ein kompletter Verzicht auf den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen.

Die Großen sind die Profiteure

Im Durchschnitt bezieht ein landwirtschaftlicher Betrieb in Deutschland heute 44 Prozent seines Einkommens aus Brüssel. Tatsächlich aber besteht eine enorme Spanne der Transferleistungen, die große Zweifel an einer gerechten und gesellschaftlich akzeptablen Verteilung der Subventionen aufkommen lassen. Durchrationalisierte, intensiv arbeitende Großbetriebe und Agrokonzerne  profitieren überdurchschnittlich von den Staatsgeldern:

 

Gerade 0,5 Prozent der Höfe in Deutschland kassieren pro Jahr mehr als 300.000 Euro aus Brüssel an Flächen- und Betriebsprämien. Damit greift eine Minderheit der Betriebe 20 Prozent der Direktzahlungen ab. 70 Prozent der Höfe hingegen erhalten weniger als 10.000 Euro – zusammen weniger als ein Viertel der nach Deutschland fließenden Brüsseler Direktzahlungen.

 

Ausgerechnet jene Betriebe, die extensiv wirtschaften und überproportional vielen Menschen Arbeit geben, bekommen die geringsten Zuschüsse.

 

In elf EU-Staaten wurde inzwischen transparent gemacht, wofür und welche Unternehmen und Betriebe Agrarsubventionen erhalten. Dort – zum Beispiel in Großbritannien – kann sich jeder selbst ein Bild machen, ob Steuergelder für eine Landwirtschaft ausgeben werden, die sich an soziale und für die Umwelt nützliche Vorgaben hält oder nicht. Trotz der Aufforderung von EU-Kommissar Siim Kallas, der im Jahre 2005 die Europäische Transparenz-Initiative ins Leben gerufen hat, und darin unter anderem die Mitgliedstaaten auffordert, die Empfänger von EU-Subventionen offen zu legen, reagiert Deutschland mit der Nennung der Empfänger zögerlich. Das Informationsrecht der Bevölkerung wird mit Füßen getreten.

WTO-Agrarverhandlungen: Entwicklungsländer bleiben auf der Strecke

Kommt der Aufschrei der Entwicklungsländer? Die vor fünf Jahren in Doha gestartete „Entwicklungsrunde“ der Welthandelsorganisation (WTO) scheiterte Ende Juli 2006 vorerst. Damit schwinden Hoffnungen, die handelsverzerrenden Agrarsubventionen der Industrieländer bald zu stoppen. Unzählige Bauern in den  Entwicklungsländern werden durch die hochsubventionierten EU-Exporte benachteiligt. Zwar hat die EU zugesagt, die Exportsubventionen von jährlich 3,4 Milliarden Euro auslaufen zu lassen, darunter 1,2 Milliarden Euro Zuckersubventionen und 1,7 Milliarden Euro Exporterstattungen für Milchprodukte. Doch will die EU den Abbau der global gesehen unfairen Zuschüsse erst 2013 auslaufen lassen.

 

Dieser Zeithorizont unterschlägt, dass die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern ein Schlüssel zur Bekämpfung der Armut ist. Andererseits ist es wichtig, Landwirtschaft und Umweltschutz in Einklang zu bringen. Denn Landwirtschaft ist immer noch Artenkiller Nummer eins, und 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs gehen auf Kosten der Agrarproduktion.

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken
   
Unterstützen Sie
den WWF
Unterstützen Sie
den WWF