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Stand: 12.09.2013

Die Soja-Lüge

Gen-Soja in unserem Essen: Der Anbau von gentechnisch manipuliertem Soja ist in der EU verboten – und trotzdem essen wir es, wie eine aktuelle Studie des WWF zeigt. Genmanipuliertes Soja steckt in vielen Produkten: in Fleisch, Käse und Eiern.

Soja wird zum großen Teil in agrarindustriellen Monokulturen angebaut. © Peter Caton / WWF
Soja wird zum großen Teil in agrarindustriellen Monokulturen angebaut. © Peter Caton / WWF

Über 80 Prozent aller Soja-Importe auf dem deutschen Markt enthalten Gentechnik, zeigt die Studie des WWF. „Gentechnik landet mit Fleisch, Eiern oder Käse auf unseren Tellern, ohne dass wir es wissen. Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch verändertem Futtermittel gefüttert werden, müssen nicht gekennzeichnet werden“, warnt WWF-Referentin Dr. Birgit Wilhelm. Wer konventionell erzeugte Nahrung isst, müsse davon ausgehen, dass die Tiere zuvor mit gentechnisch verändertem Soja gefüttert wurden.

Um den Verbraucher überhaupt eine Wahl zu ermöglichen, fordert der WWF daher eine Kennzeichnungspflicht auf alle tierischen Produkte. Futtermittel mit gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen sind zwar kennzeichnungspflichtig – aber nur gegenüber dem Tierhalter, der das Futter kauft. Fleisch, Eier und Milch von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden, müssen nicht gekennzeichnet werden.

Gentechnikfreies Soja ausreichend verfügbar

WWF-Landwirtschaftsexpertin Dr. Birgit Wilhelm © Andreas Eistert / WWF
WWF-Landwirtschaftsexpertin Dr. Birgit Wilhelm © Andreas Eistert / WWF

Jährlich werden dem WWF zufolge in Deutschland rund 4,5 bis 4,6 Millionen Tonnen Sojaschrot in der Futtermittelindustrie eingesetzt. Herkunftsländer sind vor allem die USA, Brasilien oder Argentinien. In Lateinamerika sind bereits über 70 Prozent der Sojaplantagen mit transgenem Saatgut bestückt. In Argentinien sind über 90 Prozent der Soja gentechnisch verändert. Die großen Händler wie Cargill, ADM und Bunge verschleiern den Anteil genmanipulierten Sojas. Das Argument, es sei nicht genügend gentechnikfreies Soja verfügbar, entlarven die WWF-Recherchen als Vorwand. Der Weltmarkt stellt die für Deutschland benötigte Menge bereit. „Die Käufer müssten lediglich gentechnikfreie Ware bestellen, dann werden auch wieder größere Mengen gentechnikfreies Soja angebaut“, sagt WWF-Referentin Wilhelm. „Wenn die Nachfrage aus Europa steigt, wirkt sich das sofort aus.“

Der WWF fordert Unternehmen auf, konsequent Bio-Soja, gentechnikfreies Soja des nachhaltigen ProTerra Standards oder die gentechnikfreie Lieferkette des Runden Tisches für nachhaltiges Soja (RTRS) zu nutzen. ProTerra- und RTRS-Zertifizierungen  schreiben Mindestanforderungen in Bezug auf Sozial- und Umweltstandards vor – auch wenn noch erhebliches Verbesserungspotenzial besteht, etwa beim Einsatz von Chemikalien, Entwaldung und Bodenfruchtbarkeit. Lesen Sie hier die Ergebnisse eines Vergleichs des ProTerra-Standards mit dem RTRS-Standard für gentechnikfreie Soja.


Eine weitere Alternative sei es, Soja durch andere Futtermittel zu ersetzen. „Durch den massiven Import von Soja werden auch heimische, proteinreiche Futtermittel vom Markt gedrängt und viele Wiederkäuer auf eine Weise gefüttert, die einer artgerechten Fütterung widerspricht“, kritisiert WWF-Referentin Wilhelm.

 

Die Soja-Bohne wird vor allem gentechnisch verändert, um sie widerstandsfähiger zu machen. Der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen wird vom WWF weltweit weder befördert noch unterstützt. Der WWF setzt sich stattdessen für den Erhalt von gentechnikfreien Optionen für alle Agrargüter ein und fordert die Anwendung des Vorsorgeprinzips, wo immer auf der Welt gentechnisch veränderte Organismen eingeführt werden sollen. Aus diesem Prinzip heraus lehnt der WWF Deutschland gentechnisch veränderte Organismen in Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei ab, solange Schäden für Natur und Mensch nicht ausgeschlossen werden können. Dies gilt auch für Soja.

Die Schattenseiten des Soja-Booms

Der hohe Fleischkonsum in Deutschland trägt maßgeblich zu den hohen Soja-Importen bei. © agrarfoto.com / WWF
Der hohe Fleischkonsum in Deutschland trägt maßgeblich zu den hohen Soja-Importen bei. © agrarfoto.com / WWF

Soja wird zum großen Teil in agrarindustriellen Monokulturen angebaut. Die globale Anbaufläche beträgt inzwischen über 90 Millionen Hektar, fast das Dreifache der Größe der Bundesrepublik. 80 Prozent der Soja-Weltproduktion werden zu Mehl verarbeitet, das als Futtermittel verwendet wird. Mehr als eine Viertel des Weltbedarfs an Pflanzenöl wird aus Soja gewonnen. Sojaöl findet sich beispielsweise in Margarine, Mayonnaise und Kosmetika. In Lateinamerika stammen bereits über zwei Drittel der Bohnen von so genannten transgenen, also gentechnisch veränderten Pflanzen. Der Soja-Boom hat oft verheerende Folgen für die Umwelt. Sojafelder fressen sich in wertvolle Wälder und seltene Savannen wie den brasilianischen Cerrado, die artenreichste Savanne der Welt. Gewässer werden zudem durch erheblichen Pestizid- und Düngereinsatz verschmutzt.

 

Der hohe Fleischkonsum in Deutschland trägt maßgeblich zu den hohen Soja-Importen bei. Nicht nur gesundheitlichen, sondern auch aus ökologischen Gründen sollten die Deutschen daher ihren Fleischkonsum von durchschnittlich 60 Kilogramm pro Person und Jahr überdenken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät zum Beispiel, 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche zu essen. Das ist etwa die Hälfte des aktuellen durchschnittlichen Verbrauchs.

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