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Riesige Palmöl-Plantage bedroht Kameruns Regenwälder

Seit dem Sommer 2011 kämpft der WWF in Kamerun gegen die Errichtung einer fast 80.000 ha großen Palmöl-Plantage in einer der ökologisch wertvollsten Regionen in Afrika, den Regenwäldern am Golf von Guinea. Das Gebiet gehört zu den 25 Biodiversitäts-Hot-Spots der Welt.

Lage der Konzessionsflächen innerhalb der „Priority Landscape Korup Ndongere“ in Kamerun. © WWF
© WWFLupe

Es liegt nicht nur dicht am Korup Nationalpark, einem der ältesten und artenreichsten Regenwälder Afrikas, sondern auch inmitten von drei weiteren Schutzgebieten, der Heimat einzigartiger und bedrohter Tiere wie Schimpansen, Waldelefanten, Preuss-Wildkatzen und Stummelaffen.

 

Nach den Plänen der Unternehmensgruppe Herakles Capital und deren lokaler Tochterfirma SG Sustainable Oils Cameroon Limited (SG-SOC) soll diese wertvolle Fläche jetzt abgeholzt und mit Ölpalmen bepflanzt werden. Gegen den Willen der Bevölkerung vor Ort und obwohl es sich nach Ansicht des WWF, verschiedener anderer Umweltschutzorganisationen und Wissenschaftler bei der Fläche weitgehend um intakte, ökologisch wertvolle Regenwälder handelt.

Verstöße gegen die RSPO-Regeln

Herakles und SG-SOC sind zwar Mitglieder im Runden Tisch für Palmöl (RSPO), an dem sich auch der WWF engagiert. Aber: Der WWF betont immer wieder, dass der RSPO nur funktionieren kann, wenn sich alle Mitglieder an die Regeln des Runden Tisches halten und dass eine Mitgliedschaft allein einem Unternehmen keine Nachhaltigkeit bescheinigt, sondern jede einzelne Plantage zertifiziert werden muss. Genau dies bestätigt der Fall in Kamerun leider. Die Unternehmen betonen zwar, dass die Plantage nachhaltig entwickelt werden soll, halten sich aber nicht an die Regeln des RSPO.

Widerstand der lokalen Gemeinden

Die lokalen Gemeinden wurden weder mit den erforderlichen Informationen, wie Umweltgutachten, versorgt, noch wurde ihre Zustimmung für das Projekt eingeholt. Im Gegenteil: Dem WWF liegen mindestens 20 offizielle Beschwerdebriefe von Dörfern, Abgeordneten und Bürgermeistern der Region vor, die sich gegen die Errichtung der Plantage aussprechen. Die Bevölkerung der Region ist existentiell auf die Ressourcen dieser Wälder angewiesen und überwiegend gegen die Palmöl-Konzession. Einige Gemeinden haben sogar gemeinsam eine Klage gegen die Unternehmen eingereicht, da diese  ihrer Ansicht nach gegen Kameruner Gesetze verstoßen. Mit einem derartigen Vorgehen verstoßen die Unternehmen gegen die RSPO-Kriterien 1.1, 1. 2. und 6.1. 

Palmöl-Baumschule bei Fabe, Südwest Kamerun im August 2011

Die Plantage im Januar 2012

Regenwald-Rodung für Palmöl-Setzlinge

Im August 2011 haben lokale Partner eine Groß-Baumschule mit Ölpalmen auf der Konzession entdeckt. 28 ha Wald wurden gerodet, obwohl das erforderliche Umweltgutachten zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht war. Ein Teil dieser Fläche liegt sogar inmitten der kleinen – von Herakles selbst identifizierten – HCV („High Conservation Value“)-Fläche, das heißt inmitten der wertvollen Fläche, die nicht gerodet werdend darf. Ein Verstoß gegen das Kameruner Gesetz und die RSPO-Regeln (Kriterium 2.1, 5.2, 7.1, 7.3).

Herakles hat ein HCV-Assessment für die geplante Plantage in Auftrag gegeben. Dieses stellt fast die komplette Konzessionsfläche als "degradiert" und nur 3 % als schützenswert (sog. HCV-Flächen) dar.


Der WWF hat daraufhin mit Hilfe von Satellitenaufnahmen mindestens die Hälfte der Konzession als weitestgehend intakten Wald  identifiziert, der als wichtige ökologische Pufferzone und Korridor für die umgebenden Schutzgebiete sowie als Lebensgrundlage für die lokale Bevölkerung dient. Um mehr Sicherheit über die Lage vor Ort zu erlangen, hat der WWF das im Auftrag von Herakles erstellte Umweltgutachten zu einer Überprüfung an die Experten des HCV-Networks gegeben, sowie eine umfangreiche Studie bei unabhängigen Wissenschaftlern in Auftrag gegeben Der Prozess läuft noch, aber erste Feedbacks unterstützen die Befürchtungen des WWF, dass das Gutachten mangelhaft ist.

Offizielle Beschwerde des WWF beim RSPO

Der WWF ist über das Vorgehen zutiefst besorgt und hat daher im März 2012, nach eingehender Recherche, mehrfachen Treffen mit den Gemeinden vor Ort, gemeinsamen Protest-Schreiben von Umweltverbänden an den Kameruner Umweltminister und mehreren Gesprächen mit den Herakles und SG-SOC, eine offizielle Beschwerde gegen Herakles und SG beim RSPO eingereicht.

 

Der WWF wird sich weiter gemeinsam mit den Gemeinden vor Ort und anderen Organisationen gegen die Errichtung der Plantage in diesem artenreichen Wald engagieren und nach alternativen, umweltfreundlichen Nutzungen für dieses wertvolle Walgebiet suchen.

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