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Stand: 29.06.2016

Der Runde Tisch für Soja

Mindeststandards für den Sojaanbau

Im Jahr 2006 wurde der Runde Tisch für verantwortungsvolle Soja (Round Table on Responsible Soy, kurz RTRS) mit dem Ziel gegründet, die negativen Umweltauswirkungen des Sojabooms durch Aufstellung von Mindestanforderungen zu reduzieren und die sozialen Bedingungen für die Arbeiter zu verbessern. Der Runde Tisch ist eine freiwillige, globale Plattform für alle Akteure entlang der Soja-Wertschöpfungskette. Unter den Mitgliedern befinden sich sowohl Soja-Produzenten, Vertreter von Industrie, Handel und Finanzinstituten als auch Nichtregierungsorganisationen wie The Nature Conservancy und Solidaridad.

Soja kurz vor der Ernte © Birgit Wilhelm / WWF
Sojabohnen kurz vor der Ernte © Birgit Wilhelm / WWF

Dialog am Runden Tisch – erster Etappensieg für den WWF

Der WWF war bei der Gründung beteiligt, spielte im Entwicklungsprozess der Kriterien in der Version 1.0 eine Rolle und setzt sich seitdem für eine Verbesserung der Kriterien ein. Die aktuelle Version der RTRS Richtlinien findet sich hier.

Unser größtes Verdienst ist, dass es seit 2011 eine gentechnikfreie Linie des RTRS gibt. Ursprünglich sollte das Thema Gentechnik am Runden Tisch keine Rolle spielen – für den WWF vollkommen inakzeptabel.

Der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen wird vom WWF weltweit weder gefördert noch unterstützt. Der WWF setzt sich stattdessen für den Erhalt von gentechnikfreien Optionen für alle Agrargüter ein und fordert die Anwendung des Vorsorgeprinzips, wo immer auf der Welt gentechnisch veränderte Organismen eingeführt werden sollen. Aus diesem Prinzip heraus lehnt der WWF Deutschland gentechnisch veränderte Organismen in Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei ab, solange Schäden für Natur und Mensch nicht ausgeschlossen werden können.

Freiwillige Mindeststandards: Die Kriterien des RTRS

Im Dialog mit den unterschiedlichen Interessengruppen wurden freiwillig Mindestanforderungen für die Produktion von Soja entwickelt. Die RTRS-Richtlinien stellen zudem sicher, dass die nationalen Gesetze eingehalten werden. Die Richtlinien berücksichtigen:

  • den Erhalt der natürlichen Vegetation, u.a. Primärwaldflächen und artenreicher Lebensräume
  • Mindestlöhne, faire Arbeitsbedingungen und sichere Arbeitsplätze und
  • Respekt vor den traditionellen Landrechten.

Kritik am RTRS

Der RTRS wird von verschiedenen Umweltgruppen hart kritisiert, weil große Agrarkonzerne und Sojaproduzenten mit am Tisch sitzen und weil in den Kriterien Gentechnik nicht ausgeschlossen ist.

Auf Grundlage der WWF Position zu Gentechnik - die auch für Soja gilt - haben wir hart für eine gentechnikfreie Linie des RTRS gekämpft. Diese macht im Moment aber nur einen Bruchteil der RTRS-Sojaproduktion aus. Die Gentechnik-Realität sieht derzeit so aus: In Lateinamerika sind bereits über 70 Prozent der Sojaplantagen mit transgenem Saatgut bestückt. In Argentinien sind über 90 Prozent der Soja gentechnisch verändert. Wenn wir in diesen Ländern wertvolle Lebensräume retten wollen, müssen wir uns diesem Problem stellen. Dazu gehört auch ein kritischer Dialog mit den Produzenten von Gensoja. 

Trotz aller Dialogbereitschaft rüttelt der WWF Deutschland nicht an seiner Ablehnung gegenüber Gentechnik. Wir empfehlen grundsätzlich keine gentechnisch veränderte Soja, auch keine mit dem Zertifikat des RTRS. Wir setzen auf die gentechnikfreie Lieferkette innerhalb des RTRS und das gentechnikfreie Soja nach ProTerra Standard (Baseler Kriterien).

Paraquat-Studie

Im Moment überprüft der RTRS, ob das Verbot des hochgefährlichen Pestizides Paraquat ab 2017 in Kraft treten wird. Der WWF Deutschland hat dafür eine Studie in Auftrag gegeben, die exemplarisch in Brasilien, Argentinien, Uruguay und Indien untersucht, welche alternativen Wirkstoffe als Ersatz für Paraquat in diesen Ländern zur Verfügung stehen.

Auf Grundlage dieser Studie hat der WWF eine Stellungnahme zur Durchsetzung des Verbots von Paraquat an den RTRS geschickt. Die Studie vom Pestizidexperten Lars Neumeister, sowie die daraus entwickelte WWF Stellungnahme finden Sie hier als Download (auf Englisch).

   
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