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Stand: 12.12.2013

Soja: Wunderbohne mit riskanten Nebenwirkungen

Tofu, Sojamilch und Sojasoße – das sind Produkte, die Verbrauchern beim Stichwort Soja einfallen. Nicht mit auf der Liste ist Fleisch. Dabei werden 80 Prozent der begehrten Bohne zu Mehl verarbeitet, das anschließend als Futtermittel in Tiertrögen landet. Schließlich wächst weltweit der Hunger auf Fleisch, und das lässt sich mit billigem Soja-Tierfutter günstig produzieren. Das gefragte Soja hinterlässt auf unserem Planeten deutliche Spuren.

Die globale Soja-Anbaufläche beträgt inzwischen über 90 Millionen Hektar, fast das Dreifache der Größe der Bundesrepublik. Sojafelder fressen sich in wertvolle Wälder und seltene Savannen wie den brasilianischen Cerrado, die artenreichste Savanne der Welt. Anhand der Futtermittel und der vielfältigen Auswirkungen auf die Umwelt wird einmal mehr deutlich, wie dringend notwendig eine weltweite, nachhaltige Landwirtschaft ist.

WWF-Studien zeigen: Es gibt Alternativen zu Soja

Soja wird hauptsächlich zur Fütterung von Tieren verwendet. Durch den massiven Import von Soja wurden heimische proteinreiche Futtermittel vom Markt verdrängt. Dabei lässt sich Soja – je nach Tierart – in unterschiedlichster Weise durch andere Futtermittel ersetzen.Der WWF hat für drei Tiergruppen (Milchvieh, Geflügel und Schwein) Studien in Auftrag gegeben, die ausgehend von der aktuellen Situation Alternativen zum importierten Soja bei der Proteinversorgung in der Fütterung untersuchen und aufzeigen. Den Beginn machte die Studie zu Alternativen in der Milchviehfütterung.

Luzerne, Ackerbohne, Erbse und Raps

Die Erbse als Alternative zur Sojabohne © WWF
Die Erbse als Alternative zur Sojabohne © WWF

Betrachtet man Futtermittelqualität und -verfügbarkeit gemeinsam, lassen Rapsschrot, Erbsen, Ackerbohnen und Rotklee die größten Potenziale in der Milchviehfütterung erkennen. Auf der Basis der Ökosystemleistungen ergibt sich folgende Reihenfolge der untersuchten Alternativen in der Milchviehfütterung: Luzerne vor Ackerbohne vor Erbse vor Raps. Auch eine sojareduzierte Geflügelfütterung ist grundsätzlich möglich und umsetzbar. Das zeigt der Futtermittelreport Geflügel des WWF. Ersatz aus heimischem Anbau kann wiederum Rapsschrot sein, außerdem Hülsenfrüchte wie Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen. Die WWF-Studie zur Schweinefütterung erscheint zum Jahresbeginn 2014.

Weniger Tiere pro Fläche und mehr heimische Eiweißpflanzen

Um langfristig den massiven Einsatz von Soja durch heimische Futtermittel zu ersetzen, muss der Anbau von Eiweißpflanzen wie Ackerbohnen und Erbsen in Deutschland ausgebaut werden. Die Landwirte müssen für einen nachhaltigen Futtermittelanbau honoriert werden. Dazu bedarf es politischer Rahmenbedingungen wie einer Stärkung der nationalen Eiweißpflanzenstrategie: Die Bundesregierung will heimische Eiweißpflanzen – sogenannte Leguminosen - durch Förder- und Forschungsprogramme wieder stärker auf die Felder bringen.

Außerdem muss die Tierhaltung wieder stärker an die Fläche des Hofes und die Möglichkeit des eigenen Futtermittelanbaus gebunden werden. Denn der Hauptgrund für den großen Bedarf an Sojamehl als Futtermittel ist die Intensivtierhaltung mit einer großen Anzahl an Tieren auf häufig zu kleiner Fläche.

© agrarfoto.com / WWF
© WWF

Mayonnaise, Lotion, Biodiesel

Neben dem Mehl ist es vor allem das Öl, das die Sojapflanze kommerziell interessant macht. Der Anteil von Soja am weltweiten Pflanzenölverbrauch beläuft sich mittlerweile auf rund 26 Prozent. Sojaöl findet sich beispielsweise in Margarine, Mayonnaise und Kosmetika. Mit der steigenden Nachfrage nach Biodiesel wächst zudem die Bedeutung von Soja als Biotreibstoff.

Bodenerosion, verseuchtes Wasser und sozialer Sprengstoff

Soja wird zum großen Teil in agrarindustriellen Monokulturen angebaut. Um den daraus entstehenden Krankheits- und Unkrautdruck zu bekämpfen, sind immer neue Pestizide notwendig. So folgen der Abholzung für neue Sojafelder weitere Umweltprobleme. Der Anbau in Monokulturen führt zu Bodendegradation und Gewässerverschmutzung. Unter beidem leidet vor allem die Bevölkerung vor Ort. Immer wieder kommt es zu Konflikten um Landnutzungsrechte. Diese Form der Landwirtschaft ist auf lange Sicht nicht nachhaltig.

Gentechnik macht sich breit

Sojaanbau © Franko Petri / WWF
Sojaanbau © Franko Petri / WWF

Zusätzlich versucht die Agrarindustrie, mit Hilfe der Gentechnik die Sojapflanze für ihre Zwecke zu optimieren. In Lateinamerika stammen bereits über zwei Drittel der Bohnen von so genannten transgenen, also gentechnisch veränderten Pflanzen. So wurden zum Beispiel so genannte „herbizidresistente“ Sojabohnen gezüchtet. Diese gentechnisch veränderten Bohnen überleben den Einsatz bestimmter Pflanzenschutzmittel, während die Gifte alle anderen Gewächse radikal abtöten.

In der EU sind gentechnisch veränderte Sojabohnen nicht für den Anbau zugelassen. Sie landen aber als Sojaschrot im Tierfutter, von dem die EU über 21 Millionen Tonnen Sojaschrot jährlich importiert. Weitere Informationen finden Sie in der WWF-Studie "Sojaboom in deutschen Ställen".

Der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen wird vom WWF weltweit weder befördert noch unterstützt. Der WWF setzt sich stattdessen für den Erhalt von gentechnikfreien Optionen für alle Agrargüter ein und fordert die Anwendung des Vorsorgeprinzips, wo immer auf der Welt gentechnisch veränderte Organismen eingeführt werden sollen. Aus diesem Prinzip heraus lehnt der WWF Deutschland gentechnisch veränderte Organismen in Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei ab, solange Schäden für Natur und Mensch nicht ausgeschlossen werden können. Dies gilt auch für Soja.

Um Gentechnikfreiheit sicherzustellen und um wertvolle Ökosysteme zu erhalten, hat der WWF die „Baseler Kriterien“ mitentwickelt, nach denen gentechnikfreies Soja zertifiziert werden kann. Lesen Sie hier die Ergebnisse eines Vergleichs des ProTerra-Standards (Baseler Kriterien) mit dem RTRS-Standard für gentechnikfreie Soja.

Die WWF-Landwirtschaftsexpertin Dr. Birgit Wilhelm erzählt:

WWF-Landwirtschaftsexpertin Birgit Wilhelm. © Andreas Eistert / WWF
Dr. Birgit Wilhelm © Andreas Eistert / WWF

"Soja wird zum großen Teil in agrarindustriellen Monokulturen angebaut. In Brasilien erlebe ich, welche massiven negativen Umweltauswirkungen diese Art der Landbewirtschaftung auf den Boden, das Wasser und vor allem auf die Artenvielfalt hat. Die Gentechnik forciert diese Entwicklung. Auf lange Sicht ist diese Form der Landwirtschaft nicht nachhaltig. Doch der Druck auf die brasilianischen Landwirte ist groß. Bis vor kurzem war die konventionelle Züchtung ohne Gentechnik für Soja fast komplett eingestellt. Brasilianischen Initiativen wie ABRANGE ist es zu verdanken, dass das staatliche landwirtschaftliche Forschungsinstitut Embrapa das konventionelles Zuchtprogramm weiterführt. Die Chancen für gentechnikfreie Landwirtschaft in Brasilien sind vorhanden, denn die Nachfrage aus Europa nach gentechnikfreien Sojaschrot steigt."

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