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Stand: 21.04.2016

Soja: Wunderbohne mit riskanten Nebenwirkungen

Tofu, Sojamilch und Sojasoße – das sind Produkte, die Verbrauchern beim Stichwort Soja einfallen. Nicht mit auf der Liste ist Fleisch. Dabei werden 80 Prozent der begehrten Bohne zu Schrot verarbeitet, das anschließend als Futtermittel in Tiertrögen landet. Schließlich wächst weltweit der Hunger auf Fleisch, und das lässt sich mit den relativ günstigen Soja-Futtermitteln gut produzieren. Das gefragte Soja hinterlässt allerdings auf unserem Planeten deutliche Spuren.

Die globale Soja-Anbaufläche beträgt inzwischen über 110 Millionen Hektar, dies entspricht mehr als das Dreifache der Größe der Bundesrepublik. Sojafelder fressen sich in wertvolle Wälder und seltene Savannen wie den brasilianischen Cerrado, die artenreichste Savanne der Welt. Anhand der Futtermittel und der vielfältigen Auswirkungen auf die Umwelt wird einmal mehr deutlich, wie dringend notwendig eine weltweite, nachhaltige Landwirtschaft ist. 

 

WWF-Studien zeigen: Es gibt Alternativen zu Soja

Soja wird hauptsächlich zur Fütterung von Tieren verwendet. Durch den massiven Import von Soja wurden heimische proteinreiche Futtermittel vom Markt verdrängt. Dabei lässt sich Soja – je nach Tierart – in unterschiedlichster Weise durch andere Futtermittel ersetzen. Der WWF hat für drei Tiergruppen (Milchvieh, Geflügel und Schwein) Studien in Auftrag gegeben, die ausgehend von der aktuellen Situation Alternativen zum importierten Soja bei der Proteinversorgung in der Fütterung untersuchen und aufzeigen.

Anhand der Berechnungen wird deutlich, dass 65 Prozent des heute importierten Sojas unter jetzigen Voraussetzungen und Tierzahlen durch heimische Futtermittel ersetzt werden könnte. Während in der Eiweißfütterung von Geflügel das Einsparpotential bei 35-61 Prozent und von Schweinen bei 35-65 Prozent liegt, könnte bei Milchvieh 100 Prozent des eingesetzten Sojas durch hiesige Futtermittel wie beispielsweise Leguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen, Luzerne, Rotklee oder Rapsschrot ersetzt werden.

Das Einsparpotenzial heimischer Eiweißfuttermittel
Das Einsparpotenzial heimischer EiweißfuttermittelLupe

Umdenken in der Tierhaltung

Gleichzeitig ist in Europa ein Umdenken in der Tierhaltung notwendig. Dabei ist eine wichtige Forderung für eine nachhaltigere Landwirtschaft die Einschränkung der Tierbesatzdichten/ Hektar und Betrieb. Eine Tierbesatzdichte, die sich an den notwendigen Flächen für das Futter zu gehaltenen Tiere orientieren würde, hätte viele Vorteile. So kann entsprechend das eigene Futter auf den Betriebsflächen erzeugt werden und die anfallende Gülle wird nicht zum Problemmüll. Im Gegenteil, die wertvollen Nährstoffe stehen den Pflanzen zur Verfügung und die Gefahr der Überdüngung wird reduziert.

Um langfristig den massiven Einsatz von Soja wenigstens teilweise durch heimische Futtermittel zu ersetzen, muss der Anbau von Eiweißpflanzen auch in Deutschland ausgebaut werden. Der Anteil der Leguminosen auf den Ackerflächen in Deutschland beträgt zurzeit etwa 3,5 % (Destatis, BMEL 2015: vorläufige Angaben).

Nachhaltigkeit braucht politische Unterstützung

Die Erbse als Alternative zur Sojabohne © WWF
Die Erbse als Alternative zur Sojabohne © WWF

Unter den jetzigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen liegt das Risiko einer Umstellung auf nachhaltigere Futtermittel allein beim Landwirt. Zwar fördert das Bundesministerium in Deutschland im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie in Projekten Züchtung und Anbau von Eiweißpflanzen, aber diese Maßnahmen reichen nicht aus. Europaweit brauchen wir eine Änderung der politischen Rahmenbedingungen (Bindung der Tierhaltung an die Fläche, Kennzeichnungspflicht von mit gentechnisch veränderten Futtermitteln hergestellten tierischen Produkten, etc.) und eine gezielte Förderung und Beratung, für den Anbau und die Verwertung von Leguminosen in der heimischen Landwirtschaft, um so die negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen landwirtschaftlicher Erzeugung zu minimieren. Der WWF bewertet es als kritisch, dass im Rahmen der ökologischen Vorrangflächen Leguminosen gegenüber Hecken, Ackerrandstreifen etc. ausgespielt werden. Die europäische Landwirtschaft braucht beides für eine nachhaltige Entwicklung, dafür setzt sich der WWF Deutschland ein.

Mayonnaise, Lotion, Biodiesel

Neben dem Mehl ist es vor allem das Öl, das die Sojapflanze kommerziell interessant macht. Der Anteil von Soja am weltweiten Pflanzenölverbrauch beläuft sich mittlerweile auf rund 26 Prozent. Sojaöl findet sich beispielsweise in Margarine, Mayonnaise und Kosmetika. Mit der steigenden Nachfrage nach Biodiesel wächst zudem die Bedeutung von Soja als Biotreibstoff.

Bodenerosion, verseuchtes Wasser und sozialer Sprengstoff

Soja wird zum großen Teil in agrarindustriellen Monokulturen angebaut. Um den daraus entstehenden Krankheits- und Unkrautdruck zu bekämpfen, sind immer neue Pestizide notwendig. So folgen der Abholzung für neue Sojafelder weitere Umweltprobleme. Der Anbau in Monokulturen führt zu Bodendegradation und Gewässerverschmutzung. Unter beidem leidet vor allem die Bevölkerung vor Ort. Immer wieder kommt es zu Konflikten um Landnutzungsrechte. Diese Form der Landwirtschaft ist auf lange Sicht nicht nachhaltig.

Gentechnik macht sich breit

Sojaanbau © Franko Petri / WWF
Sojaanbau © Franko Petri / WWF

Zusätzlich versucht die Agrarindustrie, mit Hilfe der Gentechnik die Sojapflanze für ihre Zwecke zu optimieren. In Lateinamerika stammen bereits über zwei Drittel der Bohnen von so genannten transgenen, also gentechnisch veränderten Pflanzen. So wurden zum Beispiel so genannte „herbizidresistente“ Sojabohnen gezüchtet. Diese gentechnisch veränderten Bohnen überleben den Einsatz bestimmter Pflanzenschutzmittel, während die Gifte alle anderen Gewächse radikal abtöten.

In der EU sind gentechnisch veränderte Sojabohnen nicht für den Anbau zugelassen. Sie landen aber als Sojaschrot im Tierfutter, von dem die EU über 21 Millionen Tonnen Sojaschrot jährlich importiert. Weitere Informationen finden Sie in der WWF-Studie "Sojaboom in deutschen Ställen".

Der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen wird vom WWF weltweit weder befördert noch unterstützt. Der WWF setzt sich stattdessen für den Erhalt von gentechnikfreien Optionen für alle Agrargüter ein und fordert die Anwendung des Vorsorgeprinzips, wo immer auf der Welt gentechnisch veränderte Organismen eingeführt werden sollen. Aus diesem Prinzip heraus lehnt der WWF Deutschland gentechnisch veränderte Organismen in Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei ab, solange Schäden für Natur und Mensch nicht ausgeschlossen werden können. Dies gilt auch für Soja.

Um Gentechnikfreiheit sicherzustellen und um wertvolle Ökosysteme zu erhalten, hat der WWF die „Baseler Kriterien“ mitentwickelt, nach denen gentechnikfreies Soja zertifiziert werden kann. Lesen Sie hier die Ergebnisse eines Vergleichs des ProTerra-Standards (Baseler Kriterien) mit dem RTRS-Standard für gentechnikfreie Soja.

Die WWF-Landwirtschaftsexpertin Dr. Birgit Wilhelm erzählt:

Dr. Birgit Wilhelm © Andreas Eistert / WWF
WWF-Landwirtschaftsexpertin Birgit Wilhelm. © Andreas Eistert / WWF

"Soja wird zum großen Teil in agrarindustriellen Monokulturen angebaut. In Brasilien erlebe ich, welche massiven negativen Umweltauswirkungen diese Art der Landbewirtschaftung auf den Boden, das Wasser und vor allem auf die Artenvielfalt hat. Die Gentechnik forciert diese Entwicklung. Auf lange Sicht ist diese Form der Landwirtschaft nicht nachhaltig. Doch der Druck auf die brasilianischen Landwirte ist groß. Bis vor kurzem war die konventionelle Züchtung ohne Gentechnik für Soja fast komplett eingestellt. Brasilianischen Initiativen wie ABRANGE ist es zu verdanken, dass das staatliche landwirtschaftliche Forschungsinstitut Embrapa das konventionelles Zuchtprogramm weiterführt. Die Chancen für gentechnikfreie Landwirtschaft in Brasilien sind vorhanden, denn die Nachfrage aus Europa nach gentechnikfreien Sojaschrot steigt."

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