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Soja: Wunderbohne mit riskanten Nebenwirkungen

Tofu, Sojamilch und Sojasauce – das sind Produkte, die Verbrauchern beim Stichwort Soja einfallen. Nicht mit auf der Liste ist Fleisch. Dabei werden 80 Prozent der begehrten Bohne zu Mehl verarbeitet, das anschließend als Futtermittel in Tiertrögen landet. Schließlich wächst weltweit der Hunger auf Fleisch, und das lässt sich mit billigem Soja-Tierfutter günstig produzieren.
Das gefragte Soja hinterlässt auf unserem Planeten deutliche Spuren. Die globale Soja-Anbaufläche beträgt inzwischen über 90 Millionen Hektar, fast das Dreifache der Größe der Bundesrepublik. Sojafelder fressen sich in wertvolle Wälder und seltene Savannen wie den brasilianischen Cerrado, die artenreichste Savanne der Welt.

© agrarfoto.com / WWF
© WWF

Mayonnaise, Lotion, Biodiesel

Neben dem Mehl ist es vor allem das Öl, das die Sojapflanze kommerziell interessant macht. Der Anteil von Soja am weltweiten Pflanzenölverbrauch beläuft sich mittlerweile auf rund 26 Prozent. Sojaöl findet sich beispielsweise in Margarine, Mayonnaise und Kosmetika. Mit der steigenden Nachfrage nach Biodiesel wächst zudem die Bedeutung von Soja als Biotreibstoff.

 

Bodenerosion, verseuchtes Wasser und sozialer Sprengstoff  

Soja wird zum großen Teil in agrarindustriellen Monokulturen angebaut. Um den daraus entstehenden Krankheits- und Unkrautdruck zu bekämpfen sind immer neue Pestizide notwendig. So folgen der Abholzung für neue Sojafelder weitere Umweltprobleme. Der Anbau in Monokulturen führt zu Bodendegradation und  Gewässerverschmutzung. Unter beidem leidet vor allem die Bevölkerung vor Ort. Immer wieder kommt es außerdem  zu Konflikten um Landnutzungsrechte. Diese Form der Landwirtschaft ist auf lange Sicht nicht nachhaltig.

Sojabohnen. Angebaut wird Soja zum großen Teil in Monokulturen. © Agrarfoto

Gentechnik macht sich breit

Zusätzlich versucht die Agrarindustrie, mit Hilfe der Gentechnik die Sojapflanze für ihre Zwecke zu optimieren. In Lateinamerika stammen bereits über zwei Drittel der Bohnen von so genannten transgenen, also gentechnisch veränderten Pflanzen. So wurden zum Beispiel so genannte „herbizidresistente“ Sojabohnen gezüchtet. Diese gentechnisch veränderten Bohnen überleben den Einsatz bestimmter Pflanzenschutzmittel, während die Gifte alle anderen Gewächse radikal abtöten.


In der EU sind gentechnisch veränderte Sojabohnen nicht für den Anbau zugelassen. Sie landen aber als Sojaschrot im Tierfutter, von dem die EU über 21 Millionen Tonnen Sojaschrot jährlich importiert.


Weitere Informationen finden Sie in der WWF-Studie "Sojaboom in deutschen Ställen".

Es geht auch ohne Gentechnik und Urwaldrodung

 

Wie sich gentechnisch veränderte Organismen auf die Umwelt auswirken, ist aus Sicht des WWF Deutschland bislang nicht geklärt. Deshalb lehnt der WWF Deutschland Gentechnik  ab und  empfiehlt grundsätzlich nur die Nutzung von Pflanzen, die nicht gentechnisch verändert wurden. Dies gilt auch für Soja.


Um Gentechnikfreiheit sicherzustellen und um wertvolle Ökosysteme zu erhalten, hat der WWF die „Baseler Kriterien“ mitentwickelt, nach denen gentechnikfreies Soja zertifiziert werden kann.


Lesen Sie hier die Ergebnisse eines Vergleichs des ProTerra-Standards (Basler Kriterien) mit dem RTRS-Standard für gentechnikfreie Soja.

WWF-Landwirtschaftsexpertin Birgit Wilhelm. © Andreas Eistert / WWF
WWF-Landwirtschaftsexpertin Dr. Birgit Wilhelm. © Andreas Eistert / WWF

WWF-Landwirtschaftsexpertin Dr. Birgit Wilhelm erzählt:

"Soja wird zum großen Teil in agrarindustriellen Monokulturen angebaut. In Brasilien erlebe ich, welche massiven negativen Umweltauswirkungen diese Art der Landbewirtschaftung auf den Boden, das Wasser und vor allem auf die Artenvielfalt hat. Die Gentechnik forciert diese Entwicklung. Auf lange Sicht ist diese Form der Landwirtschaft nicht nachhaltig. Doch der Druck auf die brasilianischen Landwirte ist groß. Bis vor kurzem war die konventionelle Züchtung ohne Gentechnik für Soja fast komplett eingestellt. Brasilianischen Initiativen wie ABRANGE ist es zu verdanken, dass das staatliche landwirtschaftliche Forschungsinstitut Embrapa das konventionelles Zuchtprogramm weiterführt. Die Chancen für gentechnikfreie Landwirtschaft in Brasilien sind vorhanden, denn die Nachfrage aus Europa nach gentechnikfreien Sojaschrot steigt."

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