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Der Marine Stewardship Council (MSC)

Der Marine Stewardship Council ist eine unabhängige, gemeinnützige internationale Organisation zur Zertifizierung von Fischereien. Unabhängige Zertifizierer prüfen in einem längeren Prozess, ob die Fischereien den hohen Standards des MSC entsprechen. Das MSC-Logo auf Fischprodukten garantiert dann, dass der Fisch aus geprüft umwelt- und bestandschonender Fischerei stammt.

Die Gründung des MSC im Februar 1997 geht zurück auf eine Initiative des WWF und des Lebensmittelkonzerns Unilever. Seit 1999 ist der MSC eine unabhängige, gemeinnützige und nichtstaatliche Organisation mit Sitz in London. Weltweit können Fischereien nach den Umweltverträglichkeitskriterien des MSC zertifiziert werden. Diese Standards wurden von unabhängigen internationalen Experten aufgestellt. Produkte der ausgezeichneten Fischereien tragen einen kleinen blauen Fisch, das MSC-Logo.

 

So wird der verantwortungsvolle Umgang mit Fisch und dem Lebensraum Meer gefördert. Bis heute konnten 220 Fischereien zertifiziert werden, weitere 100 befinden sich im Zertifizierungsprozess. Dazu zählen kleine regionale Fischereien wie auf die Westaustralische Languste und den Themse-Hering sowie große Fischereien wie die Fischerei auf Norwegischen Hering und Alaska-Seelachs.

© Edward Parker / WWF-Canon
© Edward Parker / WWF-Canon

Geprüfte Nachhaltigkeit

MSC-zertifizierte Fischereien müssen folgende Kriterien erfüllen:

  • Sie dürfen nicht zur Überfischung führen. Bei bereits erschöpften Fischbeständen muss die Fischerei so gestaltet werden, dass sie nachweisbar deren Erholung nicht beeinträchtigt.
  • Sie müssen das Ökosystem erhalten. Wertvolle Lebensräume dürfen durch die Fischerei nicht zu Schaden kommen. Beifang von Jungfischen und anderen Meerestieren muss minimiert werden.
  • Sie müssen Bestandteil eines effektiven Verwaltungssystems sein, das Gesetze und internationale Standards berücksichtigt und die Einhaltung von 1 und 2 garantiert (zum Beispiel, indem es schonende Fangmethoden vorschreibt und wirtschaftliche und soziale Anreize für bestanderhaltende Fischereien vorsieht).

 

Konkret heißt das, dass nur so viel Fisch entnommen werden darf wie auch nachwachsen kann, und dass die Altersstruktur und das Geschlechterverhältnis so erhalten bleiben müssen, dass die Fortpflanzung und die Produktivität der Fischbestände nicht beeinträchtigt werden. Die natürlichen Verhältnisse zwischen den verschiedenen Arten  innerhalb eines Ökosystems müssen bestehen bleiben. Das Töten und Verletzen von gefährdeten, bedrohten oder geschützten Arten muss auf das absolute Minimum reduziert werden. Es müssen umweltverträgliche Fangmethoden eingesetzt und Schonzeiten und -gebiete beachtet werden. So werden Laich- und Aufwuchsgebiete und einmalige Lebensräume geschützt.

 

Fischereien bewerben sich freiwillig um die MSC-Zertifizierung. Ein unabhängiger – vom MSC akkreditierter – Zertifizierer überprüft in einem transparenten Prozess die Einhaltung der MSC-Standards unter Beteiligung all derer, die ein Interesse an der Fischerei haben. Bei Erfolg wird das MSC-Siegel für fünf Jahre verliehen. In diesen fünf Jahren soll durch von Zertifizierern festgelegte Auflagen eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Fischerei zu mehr Nachhaltigkeit erfolgen. Nach jährlichen Überprüfungen muss sich die Fischerei dann erneut dem Zertifizierungsprozess stellen, wenn sie das Siegel weiterhin tragen will.

 

Durchbruch für den MSC

Lange Jahre musste der MSC Fischer, Händler und Politiker von der Notwendigkeit des Siegels überzeugen. 2005 kam der Durchbruch. Die weltgrößte Weißfischfischerei – Alaska-Seelachs in der Beringsee und den Aleuten – wurde MSC-zertifiziert. Die Fischerei landete in den letzten 20 Jahren durchschnittlich 1,1 Millionen Tonnen an. In Deutschland hat Alaska-Seelachs einen Marktanteil von knapp 26 Prozent. Beliebte Produkte wie Fischstäbchen sind inzwischen auch MSC-zertifiziert zu erhalten.

 

Immer mehr Firmen entscheiden sich, MSC-Produkte in ihr Sortiment zu übernehmen. Ihnen bleibt so langfristig die Ressource Fisch erhalten und ihr Verhalten wird vom Verbraucher honoriert. Inzwischen kommen mehr als acht Prozent der weltweiten Fangmenge aus MSC-zertifizierten Fischereien. Viele Produkte, wie zum Beispiel MSC-Wildlachs aus Alaska sind heute etablierte Produkte.

 

Deutsche Verbraucher finden mittlerweile immer mehr MSC-Produkte in den Kühlregalen, Tiefkühltruhen und Fischtheken des Handels. Über 5500 Produkte auf dem deutschen Markt tragen das MSC-Siegel.

 

Die Rolle des WWF

Der WWF-Einkaufsratgeber Fische & Meeresfrüchte gibt Verbrauchern bereits Auskunft darüber, welche Fische eine gute Wahl sind. Es sind jedoch nicht alle Fischarten enthalten und nicht immer stehen alle benötigten Informationen beim Einkauf zur Verfügung. Die Garantie, dass ein Fisch aus umweltverträglicher Fischerei kommt, kann ein unabhängiges Siegel wie der MSC geben. Dieses Konzept wird sich hoffentlich auch bald für die Aquakultur umsetzen lassen. Der WWF arbeitet mit an der Entwicklung des Aquaculture Stewardship Council, eine Organisation für die Zertifizierung verantwortungsvoller Aquakulturen.

 

Der WWF setzt sich auch dafür ein, dass Fischerei-Umweltsiegel in Deutschland bei Fischern, fischverarbeitender Industrie und Handel bekannter werden. Für den WWF ist entscheidend, dass der MSC nicht als Werbeträger für die Fischindustrie, sondern als glaubwürdige und unabhängige Organisation zur Kennzeichnung umweltverträglicher Fischereien wahrgenommen wird.

Durch Öffentlichkeitsarbeit macht der WWF seit vielen Jahren auf die Problematik der Überfischung, des Beifangs und der damit verbundenen Zerstörung der Meeresumwelt aufmerksam. Die MSC-Zertifizierung wird vom WWF als ein Lösungsweg zum Schutz und zur Regeneration der Fischbestände angesehen.

 

Durch ihr Kaufverhalten können Verbraucher aktiv zur Schutz der Meere beitragen. Immer mehr Unternehmen erkennen ihre Verantwortung und bieten Produkte aus naturverträglicher Fischerei an.

   
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