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Überfischung: Bald drohen uns leere Meere

Die Fischerei plündert die Weltmeere. Deren Reichtum schien lange Zeit unerschöpflich – eine Illusion, denn Fisch ist nicht in unbegrenzten Mengen vorhanden. Die weltweite Überfischung gilt heute als eine der größten Bedrohungen für die Gesundheit der Meere und das Überleben seiner Bewohner.

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Überfischt: Rotbarsch aus der Tiefsee. © Quentin Bates / WWF-Canon

Fast überall werden heute mehr Fische gefangen als natürlich nachwachsen können. Weltweit gelten 30 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände als überfischt und 57 Prozent als maximal genutzt (Stand: Juli 2012). In den europäischen Gewässern ist die Situation besonders schlimm: Hier werden 47 Prozent der Bestände als überfischt klassifiziert. Doch für viele Fischbestände fehlen Daten – letztlich kann die Wissenschaft nur für 35 Prozent der untersuchten Bestände eine Zustandsbeschreibung machen.

 

Die Fischerei verändert das Ökosystem

Im Meer spielen Fische eine zentrale Rolle im Nahrungsnetz, nicht nur für andere Fischarten, sondern auch für Meeressäugetiere wie Robben und einige Wale. Die Fischerei entnimmt häufig bestimmte Arten in großen Mengen und verändert dadurch die natürliche Zusammensetzung und die Dynamik des Nahrungsnetzes. In der Regel sind die großen Fischarten besonders begehrt und werden durch die Fischerei stark dezimiert. Wenn sich ihr Fang schließlich nicht mehr lohnt, werden andere Fische angepeilt – zum Beispiel jene Arten, die vorher noch die Beute für die großen Fische waren. Dieses Phänomen wird als „Fishing down the food web“ (Das Nahrungsnetz von groß nach klein abfischen) beschrieben: Die Größe der Zielfische nimmt stetig ab. Die übermäßige Fischerei kann die Nahrungsnetze und somit das bestehende Gleichgewicht im Ökosystem verändern. 

Die technisch hoch gerüsteten und auf schnellen Profit bedachten großen Fangflotten leeren die Meere. In den europäischen Gewässern bestimmt die Europäische Union (EU) im Rahmen ihrer Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP), wie viel Fisch in einem Jahr aus ihren Gewässern entnommen werden darf. Dabei wird sie eigentlich vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) beraten. Doch häufig sind die am Ende festgelegten Fangmengen deutlich höher: Die politisch festgesetzten Fangquoten überschritten die  wissenschaftlichen Empfehlungen in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich 41 Prozent. Das ist dann zwar legal, aber bei weitem nicht mehr nachhaltig. Und das ist nur ein Ergebnis einer kurzsichtigen und nicht nachhaltigen Politik.

Der Überfischung ein Ende setzen

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Zuviel Thunfisch. © Des Syafrizal / WWF-Canon

Das Fischereimanagement in Europa muss endlich der Nachhaltigkeit eine Chance geben. Dafür müssen auch die Fischer stärker in das Management einbezogen werden – in erster Linie, um ihre Akzeptanz für die politische Maßnahmen und Ziele zu erhöhen. Fische und Fischer verdienen beide eine langfristige Perspektive, die in so genannten Mehrjahres-Plänen für einzelne Fischbestände umgesetzt werden sollte. Der WWF fordert zudem, dass das gesamte Ökosystem in Betracht gezogen und den Empfehlungen der Wissenschaftler ohne Aufschlag gefolgt wird.  

Und was für Europa gilt, muss erst recht für die Aktivitäten der EU in anderen Ländern gelten. Faire Fischereiabkommen mit Drittstaaten müssen eine umweltverträgliche und nachhaltige Fischerei fördern und die Rechte und Bedürfnisse der lokalen Fischer schützen.  

Ein gutes Management lässt sich auch durchsetzen, wenn Verbraucher und Händler die Weichen richtig stellen: Wer Fisch aus nachhaltigem Angebot bevorzugt, lenkt den Markt ein Stück weiter hin zur naturverträglichen Fischerei, damit auch in vielen Jahren noch Fische und Meeresfrüchte im Angebot sind. Der WWF-Einkaufsratgeber Fische & Meeresfrüchte zeigt Ihnen, welche Fischprodukte Sie unbedenklich essen können und von welchen man derzeit lieber die Finger lassen sollte. Warum das so wichtig ist, zeigt die WWF-Broschüre „Fischerei mit Zukunft".

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