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Die Ausbreitung der Überfischung

In vielen Teilen der Welt wird heute mehr Fisch gefangen, als natürlich nachwächst – die Bestände sind gefährdet. In Europa gilt das für jeden zweiten Fischbestand, hier sanken zudem die Fangerträge im letzten Jahrzehnt um rund ein Drittel. Um dennoch die steigende Nachfrage an Fisch und Fischprodukten zu erfüllen, gehen die industriellen Fangflotten aus Europa zunehmend auch außerhalb europäischer Gewässer auf Fischfang: Afrika, Indien, Asien, Südamerika… Bereits 30 Prozent des unter EU-Flagge gefangenen Fisches stammen aus nicht-europäischen Fanggebieten. Die Folge: Auch außerhalb Europas geraten immer mehr Fischbestände in Bedrängnis. 

Im Auftrag des WWF hat das Projekt „Sea around us“ der Universität von Vancouver (Kanada) die historische Ausbreitung der weltweiten und der europäischen Fischereiflotten untersucht. Die Infografik auf dieser Seite zeigt die wachsende Ausdehnung der Fanggebiete seit den 1950er Jahren. Bis zum Jahr 2006 (aus diesem Jahr stammen die aktuellsten flächendeckenden Informationen) verzehnfachten die Flotten ihren Radius von 10 auf rund 100 Millionen Quadratkilometer. 

Die Karte verdeutlicht aber auch, dass nicht nur die befischte Fläche zugenommen hat, sondern auch die Intensität der Nutzung:  Eine immer größere Meeresfläche wird immer stärker genutzt. Um die Auswirkungen der Fischerei auf die Ökosysteme zu messen, analysierten die Wissenschaftler die benötigte Primärproduktion (PPR*). Sie steht für die Energie, die einem Fisch bis zum Fang von seinem Ökosystem bereitgestellt wurde und setzt sie ins Verhältnis zur gesamten verfügbaren Energie in diesem Meeresgebiet. Die blauen Flächen in der Karte stehen für wenigstens 10 Prozent Entnahme der PPR, orange für wenigstens 20 Prozent und rot weist auf eine Entnahme von mindestens 30 Prozent der PPR hin. Bei 30 Prozent PPR-Entnahme gehen dem Ökosystem ein knappes Drittel der gesamten Primärproduktion eines Gebietes durch die Fischerei verloren. Im Vergleich mit den Fangstatistiken der Welternährungsorganisation (FAO) wird deutlich, dass die meisten der roten Gebiete bereits an Überfischung leiden. Im globalen Maßstab trägt die Europäische Fischerei signifikant zu der Belastung der Fischbestände bei.

Wir müssen diese Entwicklung dringend stoppen und nachhaltiger mit den Ressourcen der Meere umgehen. Um die Ökosysteme langfristig zu schützen und die Nahrungsgrundlage von Millionen Menschen in den Entwicklungsländern zu sichern. Aber auch, um in Europa in Zukunft und mit gutem Gewissen noch Fisch essen zu können. Die anstehende Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU bietet eine einmalige Chance, strengere Kriterien für eine nachhaltige Fischerei innerhalb und auch außerhalb der EU-Gewässer festzuschreiben.  


*PPR = benötigte Primärproduktion: Der Parameter beschreibt die von Fischen aufgenommene Nahrungsenergie. Die von der Fischerei entnommene Biomasse steht damit in einem Verhältnis zur gesamten bereitgestellten Primärproduktion in einem Gebiet. Dieses Verhältnis ist von Art zu Art und von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich. Der Parameter PPR ermöglicht einen weltweiten Vergleich von den ökologischen Auswirkungen der Fischerei. Nach Aussagen von Wissenschaftlern ist die Entnahme von mehr als 30% PPR ein sehr hoher Wert und ein deutliches Indiz für Überfischung.

   
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