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Stand: 24.03.2014

Eingriffe des Menschen lindern

Ob Maßnahmen für den Küstenschutz, Ausbau der Schifffahrtsstraßen und Häfen, Pipelines, Bohrungen oder Offshore-Windparks: Meeresregionen müssen immer mehr technische Eingriffe des Menschen vor allem entlang der Küsten verkraften. 

Containerhafen. © Hans-Ulrich Rösner / WWF
Containerhafen. © Hans-Ulrich Rösner / WWF

Hinzu kommen die traditionellen Nutzungen wie die Fischerei mit seinen Raumansprüchen. Hierzu kommt natürlich auch der Meeresnaturschutz, der ökologisch intakte Gebiete und funktionierende Ökosysteme benötigt. Diese Funktionen zu gewährleisten, hat Konsequenzen für die anderen Ansprüche und Nutzungen. Dies bedarf systematischer und sorgfältiger Planung.

Der WWF setzt zur Umsetzung eines ausbalancierten Schutz-und Nutzungssystems in den Meeren auf das Instrument der Meeresraumplanung. Dieses Instrument strebt danach, die für die jeweiligen Ansprüche geeignetsten Gebiete mit ihren Funktionen möglichst gut zu ermitteln und sichtbar zu machen, damit dann in einem Verhandlungsprozess mit den jeweiligen Interessensvertretern und Behörden ein ausgewogenes Meeresmanagementkonzept (Meeresraumplan) auszuhandeln, das langfristige Sicherheit sowohl für das Funktionieren der Ökosysteme als auch für die verträglichen Meeresnutzungen gibt.

Derzeit läuft leider die Realität anders, so dass einige Bereiche wie die Schifffahrt „automatisch“ Priorität genießen, andere wie die Fischerei bisher nicht eingebunden sind und auch die Meeresnaturschutzgebiete nicht von anderen Nutzungen freigehalten werden. Es ist heute auch noch so, dass es nur in wenigen Ländern überhaupt so ein Planungssystem gibt und auch die länderübergreifende Planung kaum stattfindet. Entscheidungen über neue Windparks oder Pipelinetrassen werden meist für jeden Einzelfall gesondert und ohne eine Gesamtkonzept geplant. Neben der Integration von Naturschutz und auch der Fischerei in den Prozess der Meeresraumplanung ist es nötig, dass auch entsprechende einheitliche Standards, die dem Ökosystemansatz unterliegen für alle Meere in Europa geschaffen werden. Daher unterstützt der WWF auch die Verabschiedung einer EU-Richtlinie für Meeresraumplanung und Küstenmanagement, die 2013 in den EU-Gremien auf den Weg gebracht wurde.

Eine gute Meeresraumplanung muss

  • sparsam mit dem Meeresraum umgehen – sie darf nicht das Meer als Raum für Industrien missbrauchen, die an Land nicht durchsetzbar sind.
  • dem Ökosystemansatz folgen, d.h. die natürlichen Funktionen und Ökosysteme fördern und räumlich wie zeitliche Folgen mit bei der Planung einbeziehen
  • die Land-Meerbeziehungen mit berücksichtigen
  • länderübergreifend abgestimmt sein
  • möglichst verbindliche Regeln für alle festlegen und auch durchsetzen können.
  • durch ernsthafte Stakeholderbeteiligung und Einsatz von bester Wissensbasis das Verfahren transparent und wissenschaftlich tragfähig machen.

Vor allem in der Ostsee aber auch in anderen Europäischen Meeren konnte der WWF an der Einführung einer guten Meeresraumordnung mitwirken. Diese Erfahrungen gilt es jetzt in der politischen Umsetzung anzuwenden und auch anderen Meeresgebieten weltweit zur Verfügung zu stellen.

Es muss vor dem Hintergrund von Wirtschaftswachstumserwartungen gerade auf dem Meer ein Instrument werden, das bei einem endlichen Meeresraumangebot für eine gerechte und umweltverträgliche Entwicklung sorgt.

Wichtige nächste Schritte:

  • Verabschiedung der Meeresraumplanungsrichtlinie der EU in den EU Gremien
  • Etablierung von geeigneten Raumordnungsbehörden in allen Meeresanrainerstaaten und eines koordinierten Gremiums auf Ebene der Regionalmeere (Nordsee, Ostsee, Mittelmeer,...)
  • Erarbeiten und verabschieden von verbindlichen Meeresraumplänen in den Anrainerstaaten, die den Nachhaltigkeitskriterien entsprechen und untereinander abgestimmt sind.
  • Gewährleistung des Guten Umweltzustandes der EU-Meere auch mit Hilfe der Meeresraumordnung bis 2021

Für Deutschland heißt das:

  • Einbeziehung von Fischerei in die Raumordnung von Bund und Ländern und
  • Aufwertung der Meeresschutzgebiete zu Vorranggebieten für Naturschutz in den Raumplänen
  • Voll verträgliche Planung von Offshore-Windanlagen und deren Anbindungen und Ausschluss von Windanlagen innerhalb der Meeresschutzgebiete
  • Berücksichtigung von bzw. Vorgaben für andere Nutzungen: Öl und Gas, Sand und Kies, Schifffahrt, Pipelines und Seekabel usw.

Meeresraumplanung für Humorvolle

Mit der detaillierten Meeresraumplanung wird versucht, für Naturschutz und menschliche Nutzungen die geeignetsten Räume zu ermitteln und Nutzungen verträglich zu regeln. Am Beispiel der Ostsee zeigt der WWF diesen komplexen Prozess in einem Cartoon, so dass jeder "in 10 Minuten zum Meeresraumplaner" werden kann. 

Internationale Meeresraumplanung

Meeresraumplanung hat sich in den letzten Jahren zu einem weltweit bedeutenden Instrument des Meeresschutzes entwickelt. Dabei ist die WWF-Expertise weltweit gefragt. Dies wird durch die Übersetzung von Materialien aus Europa für andere Regionen oder auch durch Trainingskurse und Seminare für Planungsexperten gewährleistet. 

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