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Stand: 18.04.2018

Projekt Waldrappteam - Vögel im Flugunterricht

"Amy und die Wildgänse" – An diesen Film fühlt man sich erinnert, wenn man die Pläne der engagierten Naturschützer hört: Der Waldrapp, einer der seltensten Vögel der Welt, hat das natürliche Zugverhalten verlernt und wird nun per Ultraleichtflugzeug in sein Überwinterungsgebiet geleitet. Der WWF unterstützt das ehrgeizige Wiederansiedlungsprojekt, das in dieser Form weltweit einzigartig ist.

NEWS

Zwei Küken sind bereits geschlüpft.

Waldrapp mit Küken
Waldrapp mit Küken

WWF unterstützt Artenschutzprojekt für den Waldrapp

Der Waldrapp. Er ist einer der seltensten Vögel der Welt. Sein kahles Gesicht, der sichelförmige, rote Schnabel und die strubbeligen Nackenfedern bieten einen ungewöhnlichen Anblick. Als Delikatesse verspeist und daher stark bejagt, starb er bereits im 17. Jahrhundert in ganz Mitteleuropa aus. Lediglich in Marokko, Spanien, Österreich und der Türkei gibt es noch Vorkommen des Ibis-Vogels.

Dabei in der Waldrapp-Kinderstube:

Aufgrund von möglichen technischen Störungen kann es zu Aussetzern kommen. Sie sehen dann eine Aufzeichnung der Tiere.

Das Projekt Waldrappteam – Mission: Wiederansiedlung

Jetzt soll der Waldrapp zu uns zurück und wieder als echter Zugvogel in Deutschland angesiedelt werden. Im Rahmen eines Europäischen LIFE+EU-Projektes mit insgesamt acht Partnern aus Österreich, Italien und Deutschland sowie mit Unterstützung des WWF werden Nachzuchten aus österreichischen Tierparks aufgezogen und über die Alpen in ihr italienisches Überwinterungsgebiet begleitet, um von dort mit ihren Artgenossen im Frühjahr selbstständig gen Norden zu fliegen. Dafür wurden bereits drei Brutkolonien in Burghausen/Bayern, Salzburg und Überlingen/Baden-Württemberg gegründet. Ziel des Projekts ist es, eine eigenständige europäische Waldrapp-Population zu schaffen, deren Tiere wieder so wie ihre Vorfahren ein Zugverhalten zeigen. Es ist der erste Versuch, eine hierzulande ausgestorbene Zugvogelart wiederanzusiedeln und eine neue Zugtradition zu gründen. Die Vision: Mehr als 120 Waldrappe sollen bis zum Ende des nächsten Jahres wieder zwischen dem nördlichen Alpenvorland und der Toskana migrieren.

Voller Einsatz für die Waldrappjungen

In guten Händen – Waldrappjunge und ihre beiden Ziehmütter © Waldrappteam / LIFE Northern Bald Ibis
Waldrappjunge und ihre beiden Ziehmütter © Waldrappteam / LIFE Northern Bald Ibis

Der Weg dorthin verlangt jedoch vor allem für die menschlichen Ziehmütter und die Helfer im Camp unermüdlichen Einsatz. Tag für Tag kümmern sie sich um die jungen Waldrappe. Diese sehnen sich nicht nur nach Nähe und Zuwendung, sondern vor allem nach regelmäßigen Fütterungen. Ihre Leibspeise? Leckere Mehlwürmer. Dazwischen gibt es auch für die Waldrappjungen Schulpflicht. Für die mehrtägige Migration über die Alpen werden die Jungvögel spielerisch auf den großen Flug vorbereitet. In einem projekteigenen Trainingscamp in Überlingen werden sie trainiert, einem Fluggerät zu folgen. Sobald die Jungen groß genug sind, absolvieren sie alle paar Tage einige Flugstunden. Denn bis August müssen alle „Waldis“, wie sie liebevoll vom Projektteam genannt werden, gute Flieger sein.

Über die Alpen – Migration von Deutschland in die Toskana

Ziehmütter und Waldrappe machen sich gemeinsam auf den Weg über die Alpen © Waldrappteam / LIFE Northern Bald Ibis
Ziehmütter und Waldrappe © Waldrappteam / LIFE Northern Bald IbisLupe

In einem Ultraleichtflugzeug begleiten die Ziehmütter die Jungen dann auf einer fünf bis acht Tagesetappen dauernden „Wanderung“ ins Überwinterungsgebiet. Ziel ist ein Naturschutzgebiet des WWF Italien in der Toskana. Dort werden die jungen "Waldis" auf ihre freilebenden Artgenossen treffen und sich nach einer Eingewöhnungsphase in die Kolonie integrieren. Wenn alles gut geht, werden 2019 die ersten Waldrappe besendert und hoffentlich den Weg zurück über die Alpen finden, um das Wissen über die Route später an ihre Jungtiere weiterzugeben. Die erste Brut erwartet das Waldrappteam in Überlingen 2020.

Bis dahin warten allerdings einige Gefahren auf sie, insbesondere Stromschläge an ungesicherten Masten und besonders die illegale Jagd in Italien während der Herbstwanderung. Der WWF setzt sich weltweit gegen jede Art der Wilderei ein. Hohe Geldstrafen sollen auch in Italien Wilderer abschrecken und Abschüsse verhindern.

Der WWF als Partner im Projekt Waldrappteam

Der WWF unterstützt das Waldrapp-Projekt 2018 und 2019 mit einer von der Deutschen Postcode-Lotterie finanzierten Camp-Assistenz, um die Ziehmütter bei der Aufzucht der Vögel zu unterstützen. Außerdem errichtet der WWF eine permanente Voliere für die erfolgreiche Aufzucht der Waldrappe am Bodensee. Sie können ab Anfang Juni das Projekt in Überlingen besuchen und die jungen Waldrappe bei ihren Fortschritten beobachten.

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