Content Section

Stand: 11.07.2017

So bewertet der WWF die Ergebnisse des G20-Gipfels in Hamburg

Am 7. und 8. Juli trafen sich in Hamburg die Regierungschef der 20 größten Wirtschafts- und Finanzmächte treffen. Viele Themen standen auf der Agenda, unter anderem Energie und Klima, Korruptionsbekämpfung und Finanzmarktregulierung. Der WWF Deutschland nahm aktiv an der Diskussion rund um die Themen teil und hatte sich mit Vorschlägen und Forderungen an die Bundesregierung gewandt. Alois Vedder, Leiter Politik beim WWF Deutschland, kommentiert für den WWF die Ergebnisse.

Klimaschutz

Alois Vedder, Leiter Politik WWF Deutschland © David Biene/ WWF
Alois Vedder, Leiter Politik WWF Deutschland © David Biene/ WWF

Die G20-Staaten tragen eine besondere Verantwortung dafür, um die nötigen politischen Rahmenbedingungen zu setzen, um die Ziele von Paris einzuhalten. Denn rund 80 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen gehen allein auf sie zurück. Daher sieht Alois Vedder die Ergebnisse des Gipfels zum Thema Klimaschutz recht optimistisch.

 

Großer Erfolg“ für den Klimaschutz oder nur „Rückschritte beim Klimaschutz verhindert“ - zwei scheinbar gegensätzliche Bewertungen des G20-Verhandlungsergebnisses. Und doch sind beide richtig. Nach der Ankündigung der USA, aus dem Pariser Klimavertrag auszutreten, stand die Befürchtung im Raum, dass das Pariser Klimaabkommen von 194 UN-Staaten wieder unter Beschuss geraten könnte. Um dieses zu verhindern und die Transformation in Richtung einer zügigen Umsetzung und Weiterentwicklung der Pariser Vereinbarungen zu erreichen, haben Umweltorganisationen, Wirtschaftsverbände, Jugend-, Frauen und andere gesellschaftliche Gruppen an einem Strang gezogen und fortschrittliche G20-Länder in ihrem Bemühen unterstützt den Klimaschutzzug in der Spur zu halten. Dass die USA in ihrer Isolierung ein eigenes Statement in der Schlussdeklaration zugestanden bekam, in dem sie ausdrückt, dass sie weiterhin anderen Staaten beim Zugang zu fossilen Energien helfen will, ist für sich genommen eine schwer zu schluckende Kröte," so Alois Vedder,  "hat für den Klimaschutz weltweit aber nur eine eingeschränkte Bedeutung."

Green Finance

Den G20-Mitgliedsstaaten als größte Wirtschafts- und Finanzmächte kommt beim

Thema Umweltrisiken eine besondere Bedeutung zu. Die G20-Finanzminister haben bei

ihrem Treffen in Baden-Baden Mitte März die Chance verpasst, voranzugehen. Entsprechend war auch in Hamburg das Ergebnis eher enttäuschend.

 

"Die Ergebnisse der „Green Finance Study Group“ der G20, die z. B. die Rolle von Umweltrisiken für die Finanzmarkstabilität untersucht hat, finden sich nur im „Aktionsplan der G20 von Hamburg zu Klima und Energie für Wachstum“ wieder und haben es nicht in die Abschlussdeklaration geschafft und enthalten keine klare Aussage, wie es damit weitergeht. Das ist ein insgesamt enttäuschendes Ergebnis", so Alois Vedder.

"Der WWF wird weiterhin dafür arbeiten, dass Umweltaspekten auf den Finanzmärkten höhere Bedeutung beigemessen wird. Die Beachtung von Umweltrisiken ist wichtig für Anlageentscheidungen und somit für die Stabilität des Finanzmarktes wichtig, was auch Einfluss auf die Stabilität von Pensionskassen und damit die Sicherheit von Altersvorsorge hat. Insgesamt müssen in Zukunft Nachhaltigkeitsstandards für Investitions- und Anlageentscheidungen eingeführt werden, da sie z. B. von höchster Bedeutung etwa für die Erreichung der Klimaschutzziele sind."

Meereschutz und Plastikmüll

Unter den G20-Staaten gehören 7 zu den 20 größten Verschmutzern der Meere mit Plastikmüll. Zusammen sind sie für knapp die Hälfte des Plastikmülls verantwortlich, der in Küstennähe nicht ordnungsgemäß entsorgt oder durch Flüsse eingetragen wird und somit ins Meer gelangen kann. Im Vorfeld des G20-Gipfels wurde bereits ein Aktionsplan entworfen, um das Plastikmüllproblem in den Griff zu bekommen.

 

"Eine der Erfolgsgeschichten des G20-Gipfels für den Umweltschutz ist die Verabschiedung eines Aktionsplans der G20 zur Bekämpfung von Meeresmüll, welcher auch in der Schlussdeklaration aufgegriffen und bestätigt wurde. Hier hat der WWF im Vorfeld engagiert zugearbeitet und wichtige, auch vom WWF eingebrachte Aspekte und Vorschläge finden sich hier wieder", freut sich Alois Vedder. Aus Sicht des WWF ist das vorgestellte Dokument eine gute Grundlage für die Länder der G20, die Einträge von Plastikmüll in die Meere zu reduzieren. Was jetzt kommen muss, ist ein konkreter Maßnahmenkatalog, welcher die in dem G20 Action Plan on Marine Litter genannten Vorgaben in konkrete Handlungen umsetzt, die auch mit Zeitzielen verbunden sind."

Wilderei und Korruption

Unter der deutschen G20-Präsidentschaft wird illegaler Wildartenhandel im Zusammenhang mit Korruption betrachtet und daher von der Anti-Korruptionsarbeitsgruppe behandelt. Der WWF begrüßt die Verpflichtung, Korruption im Kontext von Wilderei und Wildartenkriminalität zu bekämpfen.

 

Auf dem G20-Gipfel hat die Bekämpfung des illegalen Wildartenhandels im Zusammenhang mit Korruption die vom WWF erhoffte Erwähnung in der Gipfel-Abschlusserklärung erhalten:

 

„Wir werden unseren Kampf gegen Korruption im Zusammenhang mit dem  illegalen Handel mit wildlebenden Tieren und Pflanzen und daraus gewonnenen Produkten intensivieren. Der Handel mit wildlebenden Tieren und Pflanzen bedroht die biologische Vielfalt unseres Planeten, die wirtschaftliche Entwicklung, sowie unter anderem auch die Gesundheit und die Sicherheit; er wird von einem hohen Maß an Korruption begünstigt, das die G20 nicht hinnehmen kann.“

 

"Für den WWF ist diese Erklärung der G20 ein guter Einstiegspunkt für die weitere Überzeugungsarbeit entsprechender Regierungs-Partner für mehr Mittel zur Bekämpfung von Korruption und Wildartenkriminalität", meint Alois Vedder. "In der G20-Arbeit sind die nächsten Schritte die Übergabe der Arbeit an den WWF-Netzwerkpartner in Argentinien für die kommende, argentinische G20-Präsidentschaft. Gemeinsam wollen wir sicherstellen, dass auf diese Erklärung klare Taten und Follow-up-Maßnahmen folgen, gepaart mit der nötigen technischen, finanziellen und politischen Unterstützung innerhalb der G20 und darüber hinaus."

G20-Afrika-Partnerschaft

"Der WWF begrüßt grundsätzlich die Initiative der G20-Staatschefs, die wirtschaftliche Entwicklung afrikanischer Länder auch mit Investitionen zu unterstützen. Allerdings muss es dabei verbindliche Nachhaltigkeits-Leitplanken für Investitionen z. B. in Energie und Infrastruktur geben. Dazu gehört die Beachtung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGS)  und des Pariser Klimavertrages wie auch die Agenda 2063 der Afrikanischen Union. Sonst ist zu befürchten, dass Investitionen diesen Zielen zuwider laufen und dadurch entstandene Fehlentwicklungen am Ende wieder mit Mitteln der Entwicklungszusammenarbeit repariert werden müssen."