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Die Buschmann-Akademie in Namibia

Es ist Dezember an einem feuchten Morgen im Bwabwata Nationalpark im Nord-Osten Namibias. Alfred Tcadau und Beson Kupinga, zwei San-Fährtensucher, schauen auf eine Gruppe Kinder und Jugendlicher. Die Jungen und Mädchen, zwischen sechs und 14 Jahren alt, stehen vor einer frischen Fährte eines Elefantenbullen. Die Spur verliert sich hinter einem Dickicht, gemeinsam geht man auf die Suche nach dem Bullen. Die nächsten drei Stunden lang schweigt die Gruppe, gespannt, ihn endlich zu entdecken. 

Junge Menschen lernen ihren Lebensraum im Bwabwata Nationalpark vollkommen neu kennen © WWF
Junge Menschen lernen ihren Lebensraum im Bwabwata Nationalpark vollkommen neu kennen © WWF

Die meisten der 6000 Einwohner des Bwabwata Nationalparks im Nord-Osten Namibias sehen sich selbst als Nachfahren der ersten Menschen auf unserem Planeten. Gemeinsam bezeichnen sie sich als San. Seit mehreren tausend Jahren bevölkern sie Afrikas Süden. „Sie sind ein Volk von Jägern und Sammlern und führen ihren nachhaltigen Lebensstil seit tausend Jahre ohne negative Auswirkungen auf ihre Umwelt“, sagt Brit Reichelt-Zolho, Referentin für das südliche und östliche Afrika beim WWF Deutschland. 

Ausbildung der Trainer für das Tekoa Training Programm © WWF
Ausbildung der Trainer für das Tekoa Training Programm © WWF

Das Tekoa-Trainingsprogramm

Die letzten 1000 Jahre der Geschichte der San sind jedoch geprägt von Landverlusten, Unterdrückung, Verfolgung, sozialer Zerrüttung und dem schleichenden Untergang der eigenen Tradition. „Im südlichen Afrika kämpfen viele Menschen gegen den Landverlust und damit auch gegen den Verlust der alten Fähigkeiten der Buschmänner. Verloren geht somit auch Stück für Stück der Stolz für die eigene Kultur, die Eigenständigkeit und die Würde“, sagt Reichelt-Zolho.

Die San haben einen neuen Weg gefunden, ihre alten Traditionen wieder aufleben zu lassen. Sie sind dabei, eine Buschmann-Universität zu gründen. Das Tekoa Training Programm (Teaching Ecological Knowledge of All), so der offizielle Name, besteht seit 2012 und soll in den nächsten Jahren zu einer Akademie aufgebaut werden.

Finanziert vom WWF Deutschland

„Die Idee ist einfach: Die Alten laden die Jungen ein, um mit ihnen ihren Lebensraum im Bwabwata Nationalpark vollkommen neu kennenzulernen“, sagt Reichelt-Zolho. Über 60 Jugendliche haben bislang daran teilgenommen. Im nächsten Schritt soll ein Trainingszentrum errichtet werden. Finanziert wird es von SAREP (USAID), dem WWF Deutschland und der namibischen Nichtregierungsorganisation IRDNC (Integrated Rural Development and Nature Conservation). Während der nächsten Monate werden über 200 weitere Jugendliche an der Buschmann-Universität ausgebildet.

„Trotz des dramatischen Anstieges der Elefanten-Wilderei innerhalb der letzten Jahre, sind die Wildtierzahlen in Bwabwata konstant. Besser noch, die Populationen vergrößern sich, sodass die Wildtierherden sich ausweiten und inzwischen schon bis ins benachbarte Angola ziehen. Der Schlüssel zum Erfolg von Bwabwata liegt in der Beteiligung der lokalen Bevölkerung“, erklärt Reichelt-Zolho. Die ortsansässigen Community-Ranger setzen seit über 20 Jahre ein Gemeindebasiertes Monitoring-System um. Dieses System basiert auf den alten Buschmannkenntnissen der Natur, einem Wissen, das in modernen Schulen nicht vermittelt wird. Der Tourismus boomt in Namibia und die Buschmannfähigkeiten verbessern die Chancen der Jugendlichen später einmal Arbeit zu finden.

Die Jungen lernen von den Alten - so können alte Traditionen wieder aufleben © WWF
Die Jungen lernen von den Alten - so können alte Traditionen wieder aufleben © WWF

Mit den San auf Spurensuche

Die morgendliche Gruppe indes stoppt immer wieder ihren Marsch. Die beiden San zeigen auf andere Spuren, die ihre geübten Augen im hellen Sand entdecken, wie die von Tausendfüßlern oder Skorpionen und den Eingang zur Wohnröhre einer Falltürspinne. Oder die Spuren eines Ameisenlöwen, der auf der Suche nach einem neuen Ort ist, um seinen Fangtrichter zu errichten. Einer Wegwespe, die eine fette Raupe erlegt hat und sie in ein sorgfältig gegrabenes Loch zu den gelegten Eiern schleppte. Einer Schwarznasenantilope, die ihr Revier markiert, indem sie mit dem Körper Duftstoffe in das Gras reibt. Eines Baumgeckos, der mit seiner Zunge Motten fängt. Einer Puffotter, die sich den Weg entlang gewunden hat. Eines Säbelantilopenbullens, der seine Herde angeführt hat. Eines Bronzeflecktäubchen, die kreuz und quer den Pfad entlangmäandert, auf der Suche nach Futter. Eines Baumhörnchens, dass mit seinen beiden kräftigen Hinterpfoten einmal quer über den Weg gehoppelt ist. Und schließlich sogar noch die Spuren einer Tüpfelhyäne. 

Insgesamt 26 verschiedene Tierspuren

Obwohl die Jugendlichen nicht ein einziges wildes Tier sahen, haben sie an diesem Morgen viel gelernt. Insgesamt 26 verschiedene Tierspuren haben ihnen die beiden San gezeigt und die dazugehörigen Tiere ausführlich erklärt: was sie fressen, wie sie leben, wann man sie am besten zu Gesicht bekommt. Die San haben es geschafft, sie für die Vielfalt ihrer Umwelt zu begeistern. Und ganz nebenbei haben sie gelernt, wie die San ihren Nationalpark überwachen.

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