Fährtenfinder, Ranger und ehemalige Jäger
Die Wildtierzählung in Namibias Bwabwata Nationalpark
„Schnell, dort sind die Elefanten“, sagt Fidi und winkt den Kameramann zu sich heran. „Nun folge mir und sei still.“ Fidi heißt eigentlich Friedrich Alpers und arbeitet für die Naturschutzorganisation IRDNC (Integrated Rural Development and Nature Conservation – Gemeinschaftliche Ländliche Entwicklung und Naturschutz). Er wohnt im Nordosten Namibias in der Nähe des Ortes Buffalo. Neben seinem Haus stehen noch die Ruinen einer Militärbasis, von denen aus während des namibianischen Unabhängigkeitskriegs südafrikanische Besatzungstruppen mithilfe der Khwe-Fährtenfinder die freedom fighters Namibias gejagt haben.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute tragen die Khwe-Buschmänner den respektvolleren Namen San und sie beobachten die Wildtiere im Bwabwata Nationalpark als Teil Namibias Naturschutzpolitik . Denn die Wildtiere sind fester Bestandteil der Entwicklungs- und Tourismuspolitik.
Die größte Wildtierzählung der Welt
Elefanten kommen häufig am Abend zum Trinken an das Ufer des Okavango-Flusses, wo Fidis einfaches Holzhaus steht. Nur einen Katzensprung davon entfernt liegt das MET Camp, wo das Ministerium für Umwelt und Tourismus (MET) den westlichen Teil des Parks kontrolliert. Am folgenden Tag ist die Wildtierzählung; an drei Tagen werden die verschiedenen Teams insgesamt 800 Kilometer zurücklegen.
Teams aus Ranger des MET sowie Wildtier-Ranger der Gemeinden gehen Abschnitte des Caprivi-Streifen entlang, der im Herzen des Wildtierbestandes KaZas liegt. Manche Wege sind kurz, um die drei Kilometer lang, andere sind anstrengende 25 Kilometer durch den Busch.
Am frühen Morgen wärmt sich das Team am Lagerfeuer, bevor die Zählung beginnt. Die Fahrt zum Beginn des Abschnitts ist lang und auf der Ladefläche des Pickups wärmen sich die Menschen aneinander. Die Ladeklappe ist geöffnet und das Gewehr des Rangers zeigt dankenswerterweise nach draußen.
Vom Jäger zum Ranger

Der Weg ist kurz, nur sechs Kilometer lang: Ranger Shitumba trägt seine Waffe, mit der er einen Wilderer ins Bein geschossen hat, bevor er ihn festnahm. Tamugera, ein Khwe San, ist der Älteste der Gruppe. In seiner Jugend war er Fährtenfinder bevor die Südafrikaner zum Kämpfen nach Caprivi kamen. Seine Beute damals waren Hasen und Ducker (kleine waldbewohnende Antilopen), denen er folgte, bis sie erschöpft waren, und sie dann mit dem Griff seiner Axt knüppelte. Nun liegen seine Tage der Jagd hinter ihm. Dem Krieg folgten die schweren Zeiten: er war arbeitslos und hungrig. Heute bekommt er als Wildtier-Ranger ein Gehalt und somit ein besseres Leben.
Die jährliche Zählung besteht aus 207 Abschnitten und insgesamt 2.500 Kilometer und wird vom WWF, dem IRDNC und dem MET organisiert. Die Teams dokumentieren jedes Tier, das sie sehen, sowie jede Spur, die weniger als einen Tag alt ist. So bekommt man eine solide Schätzung der Anzahl der Tiere in der Gegend.
Der Caprivi-Streifen nach dem Krieg
Bwabwata ist ein besonderer Ort: früher war es eine Sperrzone, in der die lokale Bevölkerung zum Militär zwangsverpflichtet wurde und die während der Kämpfe mit Waffen überschüttet wurde. Wilderei durch die Bewohner Namibias und auch Angolas erlebte hier in den frühen 1990er Jahren ihren Höhepunkt.
Der Nationalpark wurde dank einer kreativen Idee nach der Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990 etabliert: hier könnten Menschen leben, ihren Lebensunterhalt durch Zeltlager, die der Gemeinde gehören, verdienen und als Wildtier-Ranger arbeiten. Das Konzept der Landnutzung für mehrere Zwecke (z.B. Landwirtschaft, Tourismus, etc.) wird durch den WWF in Namibia unterstützt, der auch die CBNRM (Community Based Natural Resource Management – Verwaltung der natürlichen Resourcen auf Ebene der Gemeinde) technisch und finanziell unterstützt.

Auf dem Rückweg kommt die Gruppe an vielen Erinnerungen der Kriegsjahre vorbei: eine rostige Achse eines gepanzerten Fahrzeugs liegt im Busch. Man hält an und überprüft die Gegend nach Anzeichen eines Feuers. Panzerabwehrraketen und Minen liegen im Gras. Totes Holz wird gesammelt und um die fehlgezündeten Objekte gelegt; die Namibischen Verteidigungskräfte werden sich drum kümmern.
Grenzen frei für Tiere!
Zurück in Buffalo treffen die Ergebnisse schon ein. In Bwabwata lässt sich eine positive Tendenz verzeichnen, doch bei manchen Arten kann man sich nicht sicher sein. Von Elefanten und Büffeln kann man jedoch sagen, dass sie sich über die Grenzen hinweg bewegen – und somit das KaZa Konzept der freien Grenzen nutzen. Man geht davon aus, dass Namibia die größte Wildtierzählung, mit der Unterstützung des WWF, zu Fuß und auf den Straßen unternimmt und dass in wenigen Jahren alle KaZa-Staaten auch so detailliert arbeiten werden.
Text: Steve Felton WWF Namibia
Übersetzung: Seema Mehta













