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Elefanten schaffen Arbeitsplätze

Das südliche Afrika klingt nur für Ahnungslose nach dem Schrei der Affen und dem beruhigenden Brummen der Flusspferde. Die Bauern in Namibias Caprivi-Streifen haben anderes im Ohr: Trommeln, Tröten, Peitschenknallen.

Vor allem die Erntezeit im Caprivi, dem langen Schlauch zwischen Angola, Botswana und Sambia, bedeutet Ausnahmezustand für die Bauern. Besonders nachts. Dann kommen die Elefanten und bedienen sich in den Maisfeldern. Mit viel Lärm werden die Kolosse vertrieben und dabei ganze Dörfer aus dem Schlaf gerissen. Für die Menschen bleibt nach einem Elefantenmahl nicht mehr viel übrig. Außer Verzweiflung in einer Gegend, in der es viel Landschaft und wenig Arbeit gibt.

Das soll sich ändern, nicht nur in Namibia. Die unfassbar schöne Natur zwischen den Flüssen Kavango und Zambesi verwandelt sich in eine Mischung aus Schutzgebiet und Arbeitgeber. Beteiligt an diesem gigantischen Plan sind fünf Staaten: Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe. Sie haben einen Traum wahr werden lassen: 36 Nationalparks, Reservate und Schutzgebiete, die heute wie Inseln über die Staaten verteilt sind, wurden über ökologische Korridore verbunden und zu einem sicheren Netz für die Natur geknüpft. Entstanden sind 444.000 Quadratkilometer Megapark, zusammengefasst in vier Buchstaben: KaZa, das zweitgrößte Schutzgebiet der Erde. 

© WWF International

Auf die Idee, wie dies ganz praktisch funktionieren könnte, ist Chris Weaver gekommen. Er sagt: „Wir brauchen noch viel mehr Elefanten.“ Chris Weaver ist kein Misanthrop, der die Bauern ärgern will. Im Gegenteil: Der Leiter des WWF Namibia hatte vor fast zwei Jahrzehnten den entscheidenden Einfall, wie es zu schaffen ist, dass die Menschen in diesem Teil Afrikas vom Naturschutz leben können. Seine Lösung heißt „Conservancy“, zu Deutsch Gemeindeschutzgebiet.

Der Grundgedanke dahinter ist, dass man nur schützt, wovon man profitiert. „Und was haben die Leute von Elefanten, Löwen, Büffeln und Flusspferden?“, fragt Chris. Die Antwort lautet: Natur-Touristen. Ein Investor will eine Lodge für Touristen bauen? Ja, aber nur gegen Zahlungen an die Gemeinde. Besucher wollen auf Fotosafari gehen? Gerne, aber mit lokalen Führern, die anständig bezahlt werden. Es werden Wildhüter gebraucht? Dann wird Personal aus den umliegenden Dörfern rekrutiert und ausgebildet. Als Faustregel gilt: Sieben Touristen sichern einen Arbeitsplatz, mit dem wiederum bis zu 15 Personen ernährt werden können.

Die Gemeinde bestimmt selbst, was mit dem erwirtschafteten Einkommen aus  ihrer Natur geschieht. Niemand, nicht der Staat und nicht die Naturschützer des WWF, darf ihnen Vorschriften machen. „Es geht um Mitspracherecht und Stolz. Die Leute wissen selbst, was gut für sie ist“, sagt Weaver.

Aus seiner Idee ist inzwischen eine Bewegung geworden. Mit fünf Conservancies war er zu Beginn der 1990er Jahre gestartet, heute gibt es in Namibia über 60 Gemeindeschutzgebiete, Tendenz steigend. Das Erfolgsmodell soll nun für ganz KaZa genutzt werden.

Doch ob KaZa funktionieren kann bei fünf Staaten, darunter politisch schwierige Kandidaten wie Angola und Simbabwe? Die Menschen im südlichen Afrika glauben daran: am 15. März 2012 feierte KaZa seine Einweihung. Bereits im August 2011 unterzeichneten die Staatsoberhäupter der fünf afrikanischen Staaten Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe einen gemeinsamen Vertrag und ebneten so den Weg für das gigantische Umweltschutzprojekt. Auch die Bundesregierung steht hinter dem Projekt und fördert es über die Entwicklungsbank KfW mit zunächst 20 Millionen Euro, die über die nächsten Jahre  nach KaZa fließen.

Afrikanischer Löwe. © Thomas Macholz / WWF
Afrikanischer Löwe. © Thomas Macholz / WWF

Der WWF unterstützt KaZa jährlich mit zwei Millionen Euro. Außerdem hat der WWF langjährige praktische Erfahrungen in der Umsetzung der Gemeindeschutzgebiete, der Schlüsselinitiative für KaZa. Das 380.000 Hektar große Simalaha-Gemeindeschutzgebiet ist das erste seiner Art in Sambia und sichert der Elefantenpopulation, die sich im überfüllten Chobe-Nationalpark in Botsuana zusammendrängt, einen Zugang zum Kafue-Nationalpark in Sambia, in dem noch Platz für Dickhäuter ist. Im östlichen Caprivi Streifen, am ChobeFluss, gegenüber Botsuanas wurde am 1. November 2011 das Kabulabula Gemeindeschutzgebiet deklariert.

 

Mit dem Geld werden zum Beispiel mobile Einsatztrupps finanziert, die bei Konflikten zwischen Mensch und Tier zu Hilfe kommen – etwa wenn Elefanten sich einem Feld nähern oder es verwüstet haben. Die WWF-Ranger zeigen den Kommunen wie sie effektiv Elefanten vertreiben können und somit zukünftige Probleme verhindern. Außerdem erlernen die Gemeinden ihre Felder zusammenzulegen, dadurch können sie besser geschützt werden. Und sie werden in Agrarmethodik ausgebildet die Bodenfruchtbarkeit und Erträge fördert, damit sie die Felder länger benutzen und somit Entwaldung reduzieren. In Sambia bringen diese Maßnahmen 4 Mal höhere Ernten an Mais für die Bauern um den Sioma Ngwezi National Park, im Kaza Gebiet.

 

Die Elefanten werden übrigens von den Maisfeldern inzwischen sehr effektiv durch Chili-Bomben vertrieben. In den letzten Monaten wurden die mobilen Einsatztruppen durch Fahrzeuge und Motorräder verstärkt.

Mit ihrem Einsatz tragen die Wildhüter tragen an Freunde und Familie weiter, dass man mit dem Schutz der Tiere Geld verdienen kann. Sie geben Kindern Träume, eines Tages auch die Uniform eines Wildhüters zu tragen und entlohnt zu werden. Nicht für irgendeine Arbeit. Sondern um ihre vielen natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen und dadurch dauerhaft zu schützen.

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