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Ostsee - Mehr Schutz für das jüngste Meer der Welt

Erst vor knapp 12.000 Jahren entstanden, hat die Ostsee seither bereits mehr dramatische Veränderungen erfahren als viele andere Ozeane. Die heftigste jedoch steht ihr vermutlich erst bevor – ausgelöst durch den Wandel unseres Klimas. Deshalb arbeitet der WWF daran, die aktuellen ökologischen Belastungen schnellstens zu verringern.

Ostseeküste. © Christoph Poss / WWF
Ostseeküste. © Christoph Poss / WWF

Die Ostsee galt lange Zeit als eines der am meisten verschmutzten Meere der Welt. Die Gründe dafür liegen zum einen in der intensiven Nutzung des Meeres und seiner Einzugsbereiche, in denen etwa 90 Millionen Menschen leben. Nicht nur Abwässer sondern auch Industrieabfälle, Düngestoffe und selbst Munitionsaltlasten wurden im Meer „entsorgt“.

 

Ein weiterer Grund für die hohe Dauerbelastung sind die natürlichen Bedingungen: Die Ostsee ist ein Binnenmeer, das nur etwa alle zehn Jahre mit neuem sauerstoffreichem Nordseewasser über sehr enge Wasserstraßen zwischen Dänemark und Schweden versorgt wird. So bleiben Nährstoffe und Gifte etwa 30 Jahre lang im Ostseewasser – so lange dauert es, bis sich der gesamte Wasserkörper einmal erneuert.

 

Durch die immensen Zuflüsse aus dem Binnenland liegt der Salzgehalt der Ostsee bei nur 2 bis 25 Promille (in der Nordsee bei 34). Das macht die Ostsee zu einem Lebensraum, in dem nur sehr angepasste Arten existieren können.  Entsprechend gibt es im noch salzigeren Kattegat um die 1.500 Meeresarten, bei Finnland im deutlich süßeren Wasser nur noch 52 Meeresarten.

 

Dennoch ist die Ostsee ein Meer voller Vielfalt: Mit tausenden von Felseninseln im Norden und weiten Sandküsten oder Kreidefelsen an der Südküste. Drei Robbenarten sind hier beheimatet, Seevögel treten in großen Zahlen auf. Und auch die Seeadler haben sich in ihren Beständen gut erholt.

Algenblüte an der finnischen Ostseeküste. © Jarmo Syvänen / WWF
Algenblüte an der finnischen Ostseeküste. © Jarmo Syvänen / WWF

Überfischung und Überdüngung

Das Hauptproblem der Ostsee ist die starke Überdüngung durch Landwirtschaft und Abwässer, die immer wieder zu starken Algenblüten und Absterben weiter Bereiche des Meeresbodens führt. Die Ostsee gilt als überfischt – lange nicht nur legal, sondern auch durch illegale Fischerei. Mit 15 Prozent der Weltschifffahrt ist die Ostsee eine der meist befahrenen Wasserstraßen der Welt. Besonders der Tankerverkehr zwischen Russland und den Weltmeeren hat sich in den letzten Jahren verdoppelt und steigt weiter an.

 

Gleichzeitig ist die Ostsee aufgrund von Meeresengen und Eisgang im Winter ein anspruchsvoll zu befahrendes Seegebiet.  Die Ostsee hat zwar mit der Helsinki-Konvention die älteste Umweltkonvention der Welt und bereits das Ziel erreicht, zehn Prozent der Meeresfläche unter Schutz zu stellen. Dennoch sind große Anstrengungen nötig, um hier das Netzwerk von Schutzgebieten weiter zu knüpfen und ein Naturschutzmanagement einzuführen, das auch wirklich Eingriffe wie falsche Fischereipraktiken abwehrt und den Tieren und Pflanzen zugute kommt.

Greifswalder Boddenküste. © Alexander Wiemer / WWF
Greifswalder Boddenküste. © Alexander Wiemer / WWF

Lösungen

WWF-Organisationen rund um die Ostsee sind bereits seit 1992 für diesen Meeresbereich gemeinsam aktiv. Seit 2003 arbeiten sie zusammen in einem  ökoregionalen Programm für den Ostseeschutz und beeinflussen maßgeblich die Arbeit der Helsinki-Konvention zum Schutz der Ostsee (HELCOM). Auf eine Initiative des WWF geht auch die HELCOM-Empfehlung zurück, ein Netz aus Meeresschutzgebieten aufzubauen. Dies betrifft sowohl die deutschen Gebiete Jasmund, Vorpommersche Boddenlandschaft und Gebiete um Fehmarn als auch solche in der offenen See und in anderen Ostseeländern. Der WWF macht Druck auf die Regierungen, Meeresschutzgebiete einzurichten, aber auch für ein wirksames Management, das die Lebewesen dauerhaft schützt.

 

Im internationalen Verbund bereitet das WWF-Projektbüro in Stralsund gemeinsam mit dem WWF in den anderen Ostseeanrainerstaaten und Partnern in Behörden Pläne vor, wie ein Netz von Schutzgebieten praktisch umgesetzt werden kann. Hierzu gehören Informationen zu Lebensräumen, Bedrohungen und Zonierungsvorschläge. 

 

Um die Überdüngung abzuwehren, setzt sich WWF in der EU-Agrarpolitik für Änderungen ein, welche die Einträge aus der Landwirtschaft in das Meer reduzieren.

 

Beim Fischkonsum setzt der WWF auf die Verbraucher: Fast alle WWF-Organisationen rund um die Ostsee geben jährlich einen Einkaufsführer für Fischkunden heraus. Angestrebt wird, dass nur noch zertifizierter Fisch in der Ostsee gefangen werden darf und somit die Standards für Nachhaltigkeit erheblich angehoben werden.

 

Unter anderem durch Lobbyarbeit des WWF wurde erreicht, dass die Ostsee als erstes Meer das globale Ziel erreicht hat, zehn Prozent der Meeresfläche unter Schutz zustellen. Dies reicht dem WWF jedoch nicht. Nötig, um die verschiedenen Ostseeteilgebiete dauerhaft zu schützen, sind nach WWF Einschätzung 25 Prozent der Meeresfläche. Hier haben vor allem Schweden und Finnland noch viel aufzuholen, Deutschland hat schon etwa die Hälfte seines Seegebietes geschützt. Hier ist aber die Herausforderung, auch ein wirksames Management der Schutzgebiete zu gewährleisten. Hier kann der WWF noch Pionierarbeit leisten.

 

Um den Druck auf die Lebensräume zu reduzieren, ist eine gute Planung und Steuerung der Raumnutzung auf dem Meer erforderlich. WWF arbeitet seit Jahren daran mit, die Ostsee zu einem Modell für gutes Meeres-Nutzungsmanagement zu machen. Hier gilt es, nicht nur die Meeresschutzgebiete sondern auch Bereiche wie Fischerei, Offshorewindkraft und Schifffahrt zu integrieren. Durch regelmäßige Trendanalysen und Mitarbeit in internationalen Gremien und Projekten treibt WWF die Ziele auch in der Öffentlichkeit voran und baut Druck auf Entscheider auf.

Weitere WWF-Aktivitäten

  • Ausweitung von Fernerkundung und Naturschutzbeobachtung: Die Ergebnisse können dann unter anderem nicht nur für eine bessere Lenkung des Schiffsverkehrs, sondern auch zur Vermeidung unverträglicher Fischerei in Schutzgebieten genutzt werden.
  • Aufbauunterstützung für die deutschen Ostsee-Nationalparks: Die Errichtung und der Betrieb des Nationalparkzentrums am Königsstuhl gilt als modellhaft.
  • Der WWF hat erreicht, dass die Errichtung einer Gaspipeline wesentlich umweltverträglicher wurde. Jetzt gilt es, seinen Einfluss aufrecht zu erhalten und gute Naturschutzmaßnahmen zu entwickeln mit Hilfe der durch den WWF initiierten Ostseestiftungen.
  • Umsetzung des vom WWF initiierten Projektes „Freiwilligen Vereinbarung Naturschutz, Wassersport und Angeln im Greifswalder Bodden und Strelasund“ und Betreuung des Natura 2000 Gebiets.
  • Förderung der Ansiedlung der Kegelrobbe vor der Deutschen Ostseeküste, unter anderem durch Aufbau eines „Robbenranger-Projektes“.
  • Um den Beifang von Meeresvögeln in der Stellnetzfischerei zu erfassen, wurde ein Projekt zur Videoaufzeichnung der Fänge gemeinsam mit Fischern gestartet.
  • Große eingedeichte Gebiete sollen wieder zu natürlichen Salzwiesen entwickelt werden. Diese sollen zudem als Filter für überdüngtes Wasser zur Verringerung von Nährstoffeinträgen beitragen.
  • Der WWF wird weiterhin die Bevölkerung im Ostseeraum vom Naturschutz  überzeugen – vor allem über Ausstellungen in Besucherzentren wie dem Nationalparkzentrum Königsstuhl, dem Deutsche Meeresmuseum, dem Ozeaneum in Stralsund sowie kleiner Einrichtungen an der Küste.
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