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Stand: 22.10.2019

Highlights aus der Entwicklung des Geisternetze-Projekts

Seit 2013 ist der WWF gegen Geisternetze in der Ostsee aktiv. Verschiedene Methoden zur Bergung von Geisternetzen wurden getestet, die insgesamt mehr als 7 Tonnen (Stand September 2019) Netzmaterial und Schrott zutage gefördert haben.

Geisternetz mit Dorsch vor Hiddensee © W. Wichmann / WWF
Geisternetz mit Dorsch vor Hiddensee © W. Wichmann / WWF

2019: Die effiziente Suche mit dem Sonar, eine „Geistertaucher-App“ und Entsorgungswege

Geisternetze aufspüren mit Schallbildern des Meeresbodens & der Geistertaucher-App

 

Um die Suche nach Geisternetzen effizienter zu gestalten, arbeitet der WWF seit 2018 mit dem Sonarexperten Crayton Fenn zusammen, der verlorene Fischereigeräte für die Northwest-Straits Foundation in den USA sucht und birgt. Durch die umfangreiche Schulung ist die Suche mit dem Sonargerät zur erfolgreichsten Methode geworden, Geisternetze zu entdecken. Mit dem Sonar lassen sich bis zu 100m breite Streifen abscannen, was es ermöglicht, größere Flächen nach Geisternetzen abzusuchen. Da die Daten vom Meeresboden mit Schallwellen erzeugt werden, ist die geringe Sichtweite im algenreichen Ostseewasser kein Problem. Die Stellen, an denen ein Verdachtsobjekt auf den Sonarbildern identifiziert wurde, können ab Januar 2020 von Sporttauchern über eine App eingesehen werden. Erstmals können sich damit Sporttaucher an der Vorbereitung der Bergungsaktionen beteiligen, indem sie die Situation unter Wasser dokumentieren und verifizieren, ob es sich wirklich um ein Geisternetz handelt. 

 

Ausweitung des Projektgebiets nach Schleswig-Holstein

Das Geisternetze-Projekt wurde in einem Pilotversuch nach Schleswig-Holstein ausgeweitet. In einem Stellnetzgebiet der Kieler Förde konnten an einem einzigen Sonartag 2 Quadratkilometer abgescannt und 3 Netze durch Taucher bestätigt und sofort geborgen werden.

 

Entsorgungswege für Geisternetze

Die Suche nach einem umweltverträglichen Weg für die Entsorgung von Geisternetzen hat unvermutete Probleme aufgeworfen: die Stellnetze, die nahe der Küsten eingesetzt werden, sind mit Bleileinen beschwert, die sich nur mit sehr viel händischem Aufwand aus den Netzen entfernen lassen. Dabei ließe sich nicht nur das Plastik, sondern auch das Blei sehr leicht recyceln. Selbst für die Energiegewinnung in einer Müllverbrennungsanlage ist der Bleigehalt in den geborgenen Netzballen oft zu hoch. Diese Geisternetze sind giftiger Sondermüll! Daher ist das Ziel für die nächsten 2 Projektjahre, einen Entsorgungsweg für Geisternetze zu finden, die so verheddert und mit Schadstoffen belastet sind, dass sie bisher nicht umweltverträglich verwertet werden können. Einen guten Verwertungsweg für Geisternetze zu finden ist die Voraussetzung, dass Fischer und Taucher weiterhin Altlasten aus dem Meer entfernen können. Weitere Versuche, Geisternetze so zu zerlegen, dass sie im bestehenden Entsorgungssystem verwertet werden können, sind im Herbst 2019 angelaufen. Auf die Ergebnisse im Frühjahr 2020 sind wir gespannt!

 

Ein Leitfaden für den Umgang mit verlorenem Fischereigerät wurde als Abschluss des MARELITT Baltic Projekts auf der Projektwebseite veröffentlicht. Hier finden sich alle Informationen dazu, was bei der Bergung und bei der Entsorgung von Geisternetzen zu beachten ist. Im „MARELITT Baltic Blueprint for Lost Fishing Gear“ sind darüber hinaus die Empfehlungen für eine geregelte Bergung von verlorenem Fischereigerät aus unserer Meeresumwelt zusammengefasst. Diese Empfehlungen werden jetzt mit Politikern, Landes- und Bundesämtern diskutiert.

2018: Bergung und Recyclingversuche gehen weiter

Im Juli 2018 wurde uns durch einen Schnorchler vor Warnemünde ein 500m langes, mit Algen überzogenes Stellnetz gemeldet, in dem sich mehr als 60 Schollen, Flundern, Steinbutt, Dorsche und 2 Kormorane verfangen hatten. Etwa 20 lebende Plattfische konnten vor der Bergung bereits von dem Finder befreit werden. Da das Netz aufrecht in der Wassersäule stand, blieb es eine Falle für Fische und Vögel. Mit diesem Netz haben wir festgestellt, dass eine Entsorgung von mit Bleileinen bestückten Stellnetzen im deutschen Abfallsystem bisher nicht möglich ist. Diese Erfahrung spornt den WWF an, intensiv nach alternativen Entsorgungswegen für Geisternetze zu suchen – auch damit die Bergung weitergehen kann.

 

Weil die Zusammenarbeit mit Tauchern sich an der deutschen Ostseeküste als die ergiebigste Methode zum Aufspüren von Geisternetzen erwiesen hat, wird die Taucherkooperation ausgeweitet. Küstenweit werden Tauchvereine angesprochen, über Geisternetze zu berichten. Die WWF Forschungstaucher werden neue Verdachtsstellen bewerten und entscheiden, wo die Bergung der Netze möglich ist. Dabei werden auch die Verdachtspositionen, die dem WWF von lokalen Fischern mitgeteilt wurden, durch Tauchteams besucht und geklärt, wo Netzmaterial zu finden ist.


Das MARELITT Baltic Projekt geht in die letzte Jahresrunde: Ein Leitfaden zum Umgang mit Geisternetzen in der Ostsee isteines der wichtigsten Ergebnisse. Im Herbst 2018 wurde ein Bericht veröffentlicht, in dem alle Versuche, die der WWF zur Verwertung von Geisternetzen durchgeführt hat, nachzulesen sind.

2017: Wege zur Verwertung von Geisternetzen werden erforscht

Der WWF ist seit November 2015 Partner im europäischen Projekt gegen Meeresmüll „MARELITT Baltic“. Im Rahmen der Projektarbeit werden Wege zum Recycling von Geisternetzen aufgespürt und erforscht. Trotz des mit Metallschrott, Bleileinen und allerlei Meeresmüll durchsetzten Materials finden wir Techniken, die eine Verwertung ermöglichen. Aus den Ergebnissen wird ein Bericht zum Recycling und zur umweltverträglichen Entsorgung von Geisternetzen erstellt, der zukünftigen Bergungsaktionen als Leitfaden für die Verwertung von Netzmaterial auf der MARELITT Baltic Webseite zur Verfügung steht.

2016: Tests der Netzbergung mit Netzharke, Kutter und Tauchern

Der Fischer Karl-Heinz Neumann stößt mit seinem Kutter „Einheit“ zum Projekt dazu und sucht mit seiner Erfahrung nach Netzen, die in der Vergangenheit verloren wurden. Zusätzlich nehmen wir lokale Taucher an Bord, die auf freiliegende Netze am Meeresboden hinweisen. Die Netzsuche mit Tauchern erweist sich als ergiebig: Fünf Tonnen Geisternetze werden mithilfe der Netz-Harke, Bergungsankern dem Fischkutter und Tauchteams geborgen. 

2015: Erster Versuch zur Sortierung von geborgenen Netzen

Die Plastikfasern aus Polyamid sind hochwertig, doch das Entfernen von Schrott, alten Kabeln, und Sand ist aufwändig. Es wird klar: Zur Netzverwertung gibt es keinen einfachen Weg.

2014: Tauchaktion an Wrackstandorten in der Ostsee

Ein Team von Forschungstauchern bewertet die Situation unter Wasser, testet die Methode der Bergung an Wracks und birgt ca. zwei Tonnen Netzmaterial.

Forschungstauchern untersucht Geisternetz © Philipp Kanstinger / WWF
Forschungstauchern untersucht Geisternetz © Philipp Kanstinger / WWF

Unterstützer des Projekts

Unterstützer des Geisternetze-Projekts

Ansprechpartner

Dr. Andrea Stolte
Referentin Geisternetze
WWF Projektbüro Ostsee

E-Mail: andrea.stolte(at)wwf.de

 

Jochen Lamp
Projektleiter
WWF Projektbüro Ostsee

E-Mail: jochen.lamp(at)wwf.de

 

Gabriele Dederer

Referentin Geisternetze
WWF Projektbüro Ostsee

E-Mail: gabriele.dederer(at)wwf.de

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