Palmöl – Chancen und Risiken

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Wie schmeckt Palmöl?  

Olivenöl kennt jeder. Rapsöl auch. Doch beim Begriff Palmöl, hat man womöglich nicht sofort ein Bild im Kopf – oder einen Geschmack im Gaumen. Dabei findet sich Palmöl in jedem deutschen Supermarkt. Palmöl ist Bestandteil von Margarine, Pizza und Schokolade, versteckt sich aber auch in Reinigungs- und Waschmitteln, Cremes und Lippenstift. Auch für Tierfutter dient es als Rohstoff.  

In den letzten Jahren wird Palmöl zusätzlich zur Lebensmittel- und Futterproduktion zunehmend für die Strom- und Wärmeproduktion und als Biokraftstoff genutzt.    

Monokulturen statt Tropenwald  

Die Ölpalme stammt ursprünglich aus Westafrika, wird heute jedoch zu über 80 Prozent in Malaysia und Indonesien angebaut. Die stetig wachsende Nachfrage auf dem Weltmarkt hat dazu geführt, dass für den Anbau der Ölpalmen tropische Wälder gerodet und andere Anbaupflanzen verdrängt wurden. Weltweit hat sich allein die Fläche für Ölpalmen laut Welternährungsorganisation FAO seit 1990 verdoppelt. In Indonesien hat sich die Fläche sogar verzehnfacht. Die Palmöl-Produktion findet heute zu über 80 Prozent in Malaysia und Indonesien statt. Weltweit wird auf einer Anbaufläche von zwölf Millionen Hektar ein Gesamtertrag von rund 50 Millionen Tonnen erzielt. Hinsichtlich seiner Produktionsmenge rangiert Palmöl vor Soja-, Raps- und Sonnenblumenöl.

Der Ausbau von Ölpalmplantagen führt nicht nur zu einer akuten Bedrohung der Biodiversität. Große Teile tropischer Wälder befinden sich auf Torfböden, die als enorme Kohlenstoffspeicher dienen. Durch die Trockenlegung werden Treibhausgase freigesetzt. Indonesien ist dadurch mittlerweile zum drittgrößten Emittenten von Treibhausgasen geworden.  

Bioenergie aus Raps. © WWF-Canon / Stefane Mauris
Ölpalmenplantage © Volker Kess / WWF

Palmöl als Chance  

Trotzdem ist Palmöl grundsätzlich kein „schlechtes“ Öl. Es hat zahlreiche positive Eigenschaften und wird in vielen Ländern als Nahrungsmittel und Lebensgrundlage benötigt. Der WWF sieht in dem Einsatz von Palmöl auch eine Chance zur Armutsbekämpfung, da viele Länder auf die Produktion angewiesen sind. Die Herstellung muss jedoch ökologisch, ökonomisch und sozial verträglich erfolgen.  

Der WWF hat daher im Jahr 2004 gemeinsam mit Palmöl-Produzenten, Händlern, Verarbeitern und Finanzinstituten den Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Initiative mit dem Ziel, eine nachhaltige Produktion von Palmöl zu unterstützen. Dazu haben sich die beteiligten Unternehmen unter anderem zu folgenden Prinzipien und Kriterien verpflichtet:

  • Keine Rodung von Primärwäldern und ökologisch wertvollen Waldflächen für Plantagen,
  • Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenartenarten,
  • Schutz von Wasser, Boden und Luft (das bedeutet unter anderem: kein Abbrennen von Wald),
  • Einhaltung gesetzlicher Regelungen, darunter Landnutzungs- und Eigentumsrechte,
  • Keine Kinderarbeit, dafür Bildungsangebote für die auf der Plantage lebenden Kinder,
  • Einbindung und Förderung von Kleinbauern sowie
  • Kontrolle der Plantagen durch unabhängige und vom RSPO autorisierte Prüfer.

Alle Zertifizierungsdokumente können unter www.rspo.org oder www.rspo.eu eingesehen werden. Mittlerweile hat der RSPO über 500 Mitglieder, die über 50 Prozent der globalen Palmölproduktion abdecken. Eine Mitgliedschaft bedeutet allerdings nicht, dass auch schon nachhaltig produziert wird. Jedes RSPO-Mitglied muss jedoch in einem angemessenen Zeitraum auf eine nachhaltige Produktion umstellen und jährliche Berichte über die Fortschritte liefern.

Freiwillige Initiativen wie der RSPO sind wichtig, da verbindlich vorgeschriebene Nachhaltigkeitskriterien bisher nur für Palmöl existieren, das in Deutschland als Biokraftstoff oder als flüssige Biomasse für die Stromerzeugung genutzt wird. Das kann nach WWF-Ansicht jedoch nur ein erster Schritt sein, denn über 95 Prozent des Palmöls gehen in den Lebensmittel- oder anderen Non-Food-Bereich und müssen bisher gar keine Mindeststandards erfüllen. Der WWF Deutschland arbeitet daher auch im „Forum für nachhaltiges Palmöl“ daran, den Anteil an zertifiziertem Palmöl in Deutschland bis Ende 2013 auf 100 Prozent zu erhöhen.  

RSPO in der Kritik  

Der RSPO wird von verschiedenen Umweltorganisationen kritisiert, weil er zu schwach sei, um Regenwaldrodungen zu verhindern. Außerdem wird einigen Mitgliedern vorgeworfen, nur einzelne Musterplantagen zu zertifizieren, während sie an anderen Orten gegen RSPO-Kriterien verstoßen würden.  

Richtig ist: Der RSPO ist ein freiwilliges Gremium zur Findung der Lösung, aber kein Allheilmittel zur Bewahrung von Regenwäldern. Dazu sind weiterhin die richtigen Gesetzgebungen, Landnutzungskonzepte und die Ausweisung von Schutzgebieten zwingend notwendig.

Weil Unternehmen häufig Teil des Problems sind, sollten sie nach Ansicht des WWF zweifellos auch Teil der Lösung sein. Deswegen versucht der WWF, mit Konzernen zu verhandeln, um möglichst viel für die Natur herauszuholen.

Der RSPO kann allerdings nur funktionieren, wenn sich alle Mitglieder an seine Prinzipien und Regeln halten. Deswegen begrüßt der WWF jeden kritischen Blick auf diesen Runden Tisch und die teilnehmenden Unternehmen.  

WWF-Hintergrundinformation

Palmöl: Alleskönner mit Risiko

WWF - Studie

Regenwald für Biodiesel? - Ökologische Auswirkungen der energetischen Nutzung von Palmöl.

Deutsche Version

Englische Version

Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO)

Prinzipien und Kriterien

Verhaltenskodex

zur Webseite des RSPO

Kontakt

Martina Fleckenstein
Leiterin EU-Politik, Landwirtschaft und Biomasse
Tel.: 030 311777-221
E-Mail schreiben

Melanie Hillmann
Assistenz EU-Politik und ländliche Entwicklung
Tel.: 030 311777-222
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Ilka Petersen
Landnutzung und nachhaltige Biomasse
Tel.: 030 311777-215
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