© Erling Svensen / WWF-Canon
© Erling Svensen / WWF-Canon

Schätze der Tiefsee

Monster, Riesenkraken und bleiche bis durchsichtige Geschöpfe, die in einer sonst unbelebten Dunkelheit ein vergessenes Dasein führen: Das ist die Tiefsee. Doch so fremd und abgeschieden ist sie keineswegs.

Über die Tiefkühltruhe des Supermarktes gelangt sie sogar auf unsere Teller. Denn weil immer mehr küstennahe Meeresregionen bereits leer gefischt sind, holen zunehmend Schleppnetze der Fischereiflotten auch Tiefseefische wie den Granatbarsch aus dem Wasser.

Obgleich bereits vor mehr als hundert Jahren zum Beispiel die Wissenschafter der berühmten britischen „Challenger"-Expedition Lebewesen vom Boden der Tiefsee sammelten, blieben die verschiedenen Lebensräume des tiefen Ozeans bis heute wenig erforscht. Erst in jüngster Zeit, durch die Entwicklung moderner Kameras und Messsysteme, gelangen immer mehr Bilder und Erkenntnisse über diesen Lebensraum ans Licht der Öffentlichkeit.

Blaues Wunder: Der Seewolf ist einer der bewohner der neu entdeckten Kaltwasserkorallenriffe im Nordostatlantik. © Erling Svensen / WWF-Canon
Blaues Wunder: Der Seewolf ist einer der Bewohner der neu entdeckten Kaltwasserkorallenriffe im Nordostatlantik. © Erling Svensen / WWF-Canon

Wohin das Licht nicht mehr vordringen kann, dort beginnt die Tiefsee, meist in ungefähr 400 Metern Tiefe, am unteren Teil der Kontinentalabhänge. Sie umfasst mit den großen Meeresbecken, den Tiefseegräben und den mittelozeanischen Gebirgen insgesamt 318 Millionen Quadratkilometer – das entspricht fast zwei Drittel der gesamten Erdoberfläche oder vier Fünftel der Ozeane. Das bedeutet: Der Großteil unserer Erdoberfläche besteht aus einem Lebensraum, den wir gerade erst beginnen, zu entdecken.

Das tun wir leider vor allem, um ihn baldmöglichst genauso auszubeuten wie den Rest der Erde. Denn schneller noch als der Fortschritt der Wissenschaft schreitet die Nutzung der Meere voran. Tiefseefischerei findet heute bereits bis in 2.000 Metern Wassertiefe statt. Es werden Rohstoffe wie Erdöl, Mangan und andere Mineralien abgebaut. Der WWF arbeitet bereits seit den neunziger Jahren am Schutz dieses größten Lebensraumes der Erde – mit Erfolgen wie der Schaffung von Meeresschutzzonen für Korallenriffe vor Norwegen, Irland und Schottland sowie für Seeberge und Schwarze Raucher bei den Azoren.

Aus heutiger Sicht stellt vor allem die expandierende, nicht nachhaltige Fischerei die größte Gefahr für die Produktivität und den Artenreichtum der tiefen und offenen Ozeane dar – und zwar aus zwei Gründen:

  1. Fische, Korallen und andere Organismen der Tiefsee wachsen in der Regel sehr langsam (das nachgewiesene Alter von einigen Korallen und Fischen ist höher als das von Menschen), pflanzen sich nur spät und selten fort und können daher keiner Fischerei standhalten. Dezimierte Bestände erholen sich nur äußerst langsam. Wissenschaftliche Grundlagen zur nachhaltigen Befischung fehlen noch gänzlich.
  2. Außerdem setzen Trawlerflotten häufig tief reichende Grundschleppnetze ein, welche die wichtige Bodenfauna aus Korallen oder Schwämmen zerstören. Eine Regeneration wird, wenn sie denn überhaupt stattfindet, mehrere hundert bis mehrere tausend Jahre dauern. Den ohnehin schon bedrohten Bewohnern wird so der Lebensraum entzogen.

Neben der Fischerei haben auch Erdöl- und Erdgasförderer und sogar Tourismusunternehmen, die Tauchfahrten zu besonderen Schönheiten anbieten, einen begehrlichen Blick auf die Ressourcen der Tiefsee geworfen. Für ihre Erhaltung durch sorgfältiges Abwägen zwischen Nutzung und Schutzbedarf setzt sich der WWF ein – insbesondere für ein Aussetzen der Fischerei mit Grundschleppnetzen in bestimmten, besonders empfindlichen Gebieten und die Einrichtung eines Netzwerks von Meeresschutzgebieten.

2008: Das 2. Internationale Jahr des Riffes

Kontakt

Internationales WWF-Zentrum für Meeresschutz
Tel.: 040 530200-111
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