Die Massenwanderungen der Heuschrecken

- Wanderheuschrecken. © WWF / Olivier Langrand
Sie verursachten eine der biblischen Plagen: Wer hat nicht schon mal von den sagenhaften Raubwanderzügen der Wanderheuschrecken und den verheerenden Schäden, die sie anrichten gehört? Sie haben Hungersnöte ausgelöst und so manchem Bauern die Existenz geraubt. Noch Ende des 19. Jahrhunderts erreichten aus ihren damaligen Vermehrungsgebieten im Donaudelta und rund um das Schwarze Meer Schwärme von Wanderheuschrecken Deutschland, Frankreich und England und richteten große Ernteschäden an.
Heute entstehen Massenwanderungen dieser Insekten vor allem im nördlichen und östlichen Afrika. Besonders gefürchtet sind die Riesenschwärme der Wüstenschrecke, die aus mehreren Millionen, manchmal sogar aus Milliarden von Tieren bestehen können. Auf einer Länge von bis zu 250 Kilometern und einer Breite von 20 Kilometern verdunkeln sie dann den Himmel und fressen dort, wo sie einfallen, in Minutenschnelle alles kahl.
Zwei Phasen der Entwicklung
Nur neun von über 5.000 Kurzfühler-Heuschreckenarten, die es weltweit gibt, unternehmen solche Massenwanderungen. Bei ihnen unterscheidet man zwei Entwicklungsstadien. In der "Solitärphase" leben sie einzeln wie ihre Verwandten. In feuchten Jahren und bei reichlicher Nahrung vermehren sie sich dann massenhaft-besonders auf lockeren Böden und an bestimmten Schwarmbildungsplätzen wie zum Beispiel in den nordafrikanischen Hochsteppen.
In der "Wanderphase" brechen dann unzählige, winzige Heuschreckenlarven "zu Fuß" in riesigen Heerzügen auf, fressen täglich mehr als ihr eigenes Körpergewicht und überqueren jedes Hindernis, selbst Flüsse, unter starken Verlusten.
In diesem Stadium haben menschliche Bekämpfungsmaßnahmen der Schwärme noch die beste Aussicht auf Erfolg. Erst nach sechsmaliger Häutung bekommen die Larven Flügel. Und nach weiteren drei bis acht Wochen sind die fertigen Wüstenschrecken fortpflanzungsfähig.
Stress durch zu hohe Siedlungsdichte ist der Grund für die Entwicklung der Wanderphase und für den Aufbruch in neue Lebensräume.

