Hochmoor

Im Reich der Torfmoose

Hochmoor im südlichen Murnauer Moos, nahe Eschenlohe. © WWF / Benjamin Schwarz
Hochmoor im südlichen Murnauer Moos, nahe Eschenlohe. © WWF / Benjamin Schwarz

Ein Hochmoor mit einer acht Meter dicken Torfschicht ist etwa 8.000 Jahre alt. Es wächst pro Jahr nur um etwa einen Millimeter. Genauer: Die Torfmoose wachsen. Ihre unteren Teile sterben ab und werden zu Torf. Oben wachsen die Pflanzen weiter.

Andere tote Pflanzen und Tiere werden im feuchten Torf unter Luftabschluss konserviert und lassen sich noch heute analysieren. Mit dem Abbau von Torf werden damit nicht nur die Moore selbst, sondern auch wichtigen Archive der Erd- und Lebensgeschichte unwiederbringlich zerstört.

 

Karger Lebensraum macht erfinderisch

Hochmoore, vor allem die Torfmoose, wachsen im Laufe der Jahrtausende aus dem nährstoffreichen Grundwasser heraus. Sie wölben sich dabei nach oben wie ein Uhrenglas. Mit der Zeit geht so der Kontakt der Vegetation zum Grundwasser verloren. Die Pflanzen werden dann nur noch vom nährstoffarmen Regenwasser gespeist, das die Torfmoose speichern wie ein Schwamm. So ensteht ein karger Lebensraum mit wenigen Nährstoffen, einem extrem sauren Boden und mit hohen Temperaturschwankungen im Tagesverlauf. Trotzdem konnten sich Tiere und Pflanzen an das extreme Leben im Hochmoor anpassen. Mit besonderen Strategien, denn Not macht erfinderisch: Weil der Boden nur wenig Nahrhaftes bietet, greifen manche Pflanzen im wahrsten Wortsinn nach allem, was da kreucht und fleucht und ergänzen ihre Nahrung tierisch. Der Sonnentau etwa lockt gezielt kleine Insekten mit einem süßen Sekret in seinen Krallen bewehrten Blättern an, um sie zu verspeisen.

Augen auf beim Erdekauf

Hochmoore wurden schon früh entwässert, um Torf als Brennstoff zu gewinnen. Heute wird vor allem in Skandinavien, dem Baltikum und in Weißrussland großflächig Torf für den Gartenbedarf auch in Deutschland abgebaut. Auf diese Weise drohen die letzten großflächigen Hochmoore Europas zu verschwinden.

Hier ist der wachsame Verbraucher gefordert, indem er auf alle Torfprodukte verzichtet. Denn mit der Zerstörung der Hochmoore geht der Verlust wertvoller Lebensräume für Pflanzen und Tiere einher, die sich auf die extremen Bedingungen spezialisiert haben. Die Bewahrung der letzten Hochmoore z. B. als Lebensraum ist auch wesentlicher Bestandteil der WWF-Projekte am Schaalsee und in der Uckermark. Dort und in ganz Norddeutschland renaturiert der WWF bereits seit 1971 gezielt große Hochmoorflächen, auch zum Schutz des Kranichs. Der größte Teil der renaturierten Gebiete wird jedoch noch Jahrhunderte brauchen, bis der Lebensraum wieder vollständig intakt ist.