Die Ramsar-Konvention: Bindeglied zwischen Naturschutz und Entwicklungszusammenarbeit

 

Unteres Odertal. © WWF-Canon /Chris Martin Bahr
Unteres Odertal. © WWF-Canon /Chris Martin Bahr

Deutschland zählt 34 "Feuchtgebiete internationaler Bedeutung" (Ramsargebiete) auf einer Fläche von knapp 870.000 Hektar. Insgesamt befinden sich ungefähr die Hälfte der weltweit ausgewiesenen Ramsargebiete in Europa.

Doch deren Fläche ist eher bescheiden: Sie entsprecht gerade 15 Prozent der weltweit ausgewiesenen Fläche. In Afrika hingegen befinden sich 45 Prozent der insgesamt als Ramsargebiete geschützten Fläche.  

Deutschland wies die Mehrheit seiner Gebiete wie viele europäische Staaten kurz nach seinem Beitritt in den 70er Jahren mit einem Schwerpunkt auf den Zugvogelschutz aus – zu einer Zeit, als die nationale Naturschutzgesetzgebung noch im Entstehen und europäische Richtlinien noch nicht beschlossen waren. Heute gibt es in Europa strengere Schutzformen, doch in anderen Regionen der Welt bildet die Ausweisung als "Feuchtgebiet internationaler Bedeutung" nach der Internationalen Konvention den einzigen und strengsten Schutzstatus.

In den vergangenen zehn Jahren sind eine Vielzahl von Entwicklungsländern der Ramsar-Konvention beigetreten, zuletzt beispielsweise Sudan 2005, Ruanda und Kamerun 2006 sowie der Irak 2008. Die Erwartungen dieser Länder gehen weit über den Schutz der Feuchtgebietsökosysteme aus Naturschutzsicht hinaus. Ramsar soll diese Flächen ebenso als Lebens- und damit Wirtschaftsgrundlage schützen.

In Europa wurde durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie ein größeres Bewusstsein und eine bessere Rechtsgrundlage für den Schutz der Gewässereinzugsgebiete und ihre Funktionen geschaffen. Auf internationaler Ebene tragen die Ramsar-Vertragsstaaten in Resolutionen und Arbeitsgrundlagen wesentlich zur Stärkung dieses Managementansatzes bei.

Seit seiner Entstehung in den 1960er Jahren hat der WWF als internationale Partnerorganisation mit seiner gewässerbezogenen Arbeit die Entwicklung der Ramsar-Konvention mitbestimmt und die Regierungen zahlreicher Länder Afrikas, Asiens und Südamerikas bei der Ausweisung von Ramsargebieten unterstützt sowie die nachhaltige Entwicklung und Erhaltung dieser Gebiete gefördert.   

Zu den jüngsten Beispielen dieses kontinuierlichen Engagements im Jahr 2008 zählen die Ausweisung der neun Ramsargebiete in Nigeria, darunter das Gebiet Untere Kaduna-Mittlere Nigerauen mit 229.054 Hektar sowie die Oberen Orashi-Wälder mit über 25.000 Hektar Sumpfwald im zentralen Niger-Delta. Derzeit noch in Vorbereitung ist die Unterschutzstellung des Ngiri-Tumba-Maindombe-Gebietes in der Demokratischen Republik Kongo, welches mit 6,6 Millionen Hektar das weltweit größte Feuchtgebiet unter internationalem Schutz werden wird.

Unter den verschiedenen Feuchtgebietsökosystemen gehören Feuchtgebiete der Hochgebirgslagen zu den bisher auf der globalen Liste unterrepräsentierten Gebieten, unter anderem aufgrund der mangelhaften Wahrnehmung der Bedeutung als wassergeprägten Ökosysteme. Als Beispiel für die zunehmende Anerkennung steht die Ausweisung des ca. 30.000 Hektar umfassenden Lagunengebietes "Complejo Llanganati“ mit glazialem Ursprung auf 2.960 bis 4.571 Metern Höhe in Ekuador sowie die Ausweisung von vier Seen in der Himalajaregion auf Höhenlagen von 2.900 bis 4.700 Metern.