
- Ueberschwemmungen am Usuri, Russland © Hartmut Jungius / WWF-Canon
Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Gewässer
Klimatische Veränderungen sind erdgeschichtlich gesehen keine besonderen Phänomene. Die letzte Eiszeit beispielsweise liegt nur 12.000 Jahre zurück. Dass die derzeit zu beobachtenden Veränderungen dennoch besorgniserregend sind, liegt an zwei Faktoren.
Zum einen sind die durch den Menschen produzierten Treibhausgase die wichtigste Ursache für diesen Klimawandel, zum anderen hat der Mensch im Laufe der Jahrhunderte die Umwelt so massiv verändert und mit Schadstoffen belastet, dass viele Ökosysteme und Lebewesen kaum noch in der Lage sind, sich an diese Veränderungen anzupassen.
Folgen für Feuchtgebiete und Flüsse
Feuchtgebiete gehören bereits jetzt in Folge von Übernutzung, schlechtem Management und dem verschwenderischen Umgang mit Wasser zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen. Sie vor allem werden nach Angaben des Weltklimarates (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) unter dem Temperaturanstieg, den Veränderungen des Niederschlags und dem Ansteigen des Meeresspiegels in Folge des Klimawandels zu leiden haben.
Durch den Temperaturanstieg wird der globale Wasserkreislauf beschleunigt, es kommt dadurch häufiger zu starken Regenfällen und Dürreperioden. Außerdem wird es zu einer Umverteilung der Niederschläge kommen. In Nord- und Westeuropa beispielsweise wird das Hochwasserrisiko wahrscheinlich steigen, während das südliche und südwestliche Europa wohl häufiger unter großen Dürren leiden werden. Durch den Meeresspiegel-Anstieg steigt auch die Gefahr, dass das Grundwasser in Küstenregionen versalzt.
Die klimatischen Veränderungen haben daher Auswirkungen auf die Wasserqualität, auf die verfügbare Wassermenge und auf die saisonale Verteilung des Wassers. Gleichzeitig steigt durch den Klimawandel der Bedarf an Wasser – für die Bewässerung, die Wasserkraftnutzung, die Kühlung der Kraftwerke und vieles mehr. Dies alles wird nicht nur die Trinkwasserversorgung des größten Teils der Bevölkerung gefährden, sondern auch andere Bereiche wie Landwirtschaft, Energiegewinnung, Tourismus und Binnenschifffahrt beeinträchtigen.
Trotz Unsicherheiten jetzt aktiv werden
Obwohl bisherige Klimaprognosen gerade für die zukünftige Wasserverfügbarkeit noch mit großen Unsicherheiten behaftet sind, müssen bereits jetzt Maßnahmen ergriffen und Anpassungsmöglichkeiten an die Klimaveränderung entwickelt werden. Diese sollten in Wassermanagementpläne eingebunden werden, die so flexibel gestaltet werden müssen, dass sie sich an alle Eventualitäten und möglichen Entwicklungen anpassen lassen. Hilfreiche politische Rahmenbedingungen bietet auf EU-Ebene beispielsweise die Wasserrahmenrichtlinie.
Der WWF verfolgt zwei Strategien im Kampf gegen den Klimawandel: zum einen bemüht er sich, durch angepasste Nutzung und Renaturierung Flüsse und andere Süßwasser-Lebensräume widerstandsfähiger gegenüber den klimatischen Veränderungen zu machen. Zum anderen konzentriert er sich darauf, die Ursachen des Klimawandels abzuschwächen.
Auch die im Mai 2007 mit HSBC, einer der weltweit größten Banken, und weiteren Organisationen gegründete Klima-Partnerschaft verfolgt diesen Ansatz. Mit einem Budget von 100 Millionen US-Dollar soll in den nächsten fünf Jahren die Auswirkungen des Klimawandels auf vier der größten Flüsse weltweit – Amazonas, Ganges, Themse und Jangtse – verringert werden. Und es sollen Möglichkeiten geschaffen werden, die weltweiten Wasservorräte besser zu managen und die Trinkwasserversorgung von mindestens 450 Millionen Menschen zu sichern.
Darüber hinaus setzt der WWF weltweit verschiedene Pilotprojekte um, in denen Modelle zur Anpassung und Stärkung von Gewässern gegenüber klimatischen Veränderungen untersucht werden.
Wasserkraft nutzen – aber richtig
Um den Klimawandel zu verlangsamen, fordert der WWF die Erhöhung der Energieeffizienz und eine stärkere Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Dazu zählt auch die Wasserkraft.
Bei ihrer Nutzung dürfen jedoch die Risiken nicht außer Acht gelassen werden. Obwohl sie eine Energiequelle mit geringen Emissionen ist, hat der Bau von Wasserkraftanlagen oft schwerwiegende ökologische, soziale und zum Teil auch wirtschaftliche Folgen. Der WWF schlägt daher vor, zunächst die Energieeffizienz bereits existierender Dämme zu erhöhen und die Auswirkungen bei Neukonstruktionen so gering wie möglich zu halten. Hierzu entwickelt der WWF derzeit gemeinsam mit anderen Nicht-Regierungs-Organisationen, Regierungen, der Industrie und Banken globale Standards für nachhaltige Wasserkraft. Er unterstützt auch in Deutschland die Verbreitung von Energie aus Wasserkraft, die nach glaubwürdigen Regeln als nachhaltig zertifiziert wurde.
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