Virtuelles Wasser und der Wasser-Fußabdruck

© Jörg Hartmann / WWF
© Jörg Hartmann / WWF

Das Konzept des virtuellen Wassers wurde in den 1990er Jahren von dem britischen Wissenschaftler John Anthony Allan entwickelt. Darunter ist die Wassermenge zu verstehen, die während der gesamten Produktionskette eines bestimmten Produktes verbraucht, verdunstet oder verschmutzt wird.

Inzwischen hat sich dieses Konzept nicht nur in der Wissenschaft verbreitet, sondern findet auch Beachtung im Handel und in der Politik.
Um die Bedeutung von Allans Konzept zu würdigen, wird ihm auf der Weltwasserwoche 2008 der renommierte Stockholmer Wasserpreis verliehen.

Oft lässt ein Produkt gar nicht erahnen, wie viel Wasser für seine Produktion benötigt wurde. Hinter einem Paar Lederschuhe verbergen sich beispielsweise 8.000 Liter virtuelles Wasser, die für die Versorgung einer Kuh benötigt werden. In einem Hamburger stecken 2.400 Liter. Der Anbau von genügend Baumwolle für ein T-Shirt verschlingt etwa 4.000 Liter Wasser. 1.500 Liter virtuelles Wasser stecken in jedem Kilogramm raffiniertem Zucker.

Der Wasser-Fußabdruck ist eine Weiterentwicklung des virtuellen Wasser-Konzeptes und kann sowohl für Einzelpersonen wie auch für Unternehmen und ganze Nationen berechnet werden. Er beinhaltet die direkt verbrauchte Wassermenge sowie das in der Nahrung und anderen Gütern verbrauchte virtuelle Wasser.

Jeder Deutsche verbraucht täglich im Schnitt 124 Liter Wasser im Haushalt. Der virtuelle Wasserverbrauch liegt jedoch bei 5.288 Litern pro Person und Tag. Und mehr als die Hälfte dieser virtuellen Wassermenge wurde importiert.

Durch den Wasser-Fußabdruck lässt sich also darstellen, wie durch den weltweiten Handel indirekt auch Wasser im- und exportiert wird.

Indirekter Handel mit Wasser

Es gibt Länder, die netto Wasser importieren und solche, die netto exportieren. Theoretisch könnten wasserarme Länder also ihre knappen Ressourcen schonen, indem sie überwiegend Produkte mit einem geringen Wasserverbrauch anbauen oder herstellen und wasserintensive Waren wie beispielsweise Getreide oder Reis einführen. Doch meist fehlen gerade diesen Ländern die notwendigen Finanzmittel, um diese teuren Güter zu importieren.

Anwendungsmöglichkeiten

Der WWF sieht im Wasser-Fußabdruck ein wichtiges Instrument zum Verständnis und zur Reduzierung unseres Ressourcenverbrauchs und arbeitet daran, Anwendungsmöglichkeiten zu entwickeln und Unternehmen bei der Reduzierung ihres Fußabdrucks zu unterstützen. Er strebt mit dem Konzept nicht an, dass Firmen oder Länder nur ihren Verbrauch an sich verringern. Wichtig ist vielmehr, darauf zu achten, dass die Einsparungen dort erfolgen, wo ein hoher Wasserverbrauch die größten negativen Folgen für Mensch und Natur hat.

In Zusammenarbeit mit dem Weltunternehmensrat für Nachhaltige Entwicklung (World Business Council for Sustainable Development, WBCSD) wird der WWF Internet-Anwendungen zur Berechnung des Wasser-Fußabdruckes von Unternehmen entwickeln und ein Konzept erarbeiten, wie Firmen „Wasser-neutral“ arbeiten können. In Zusammenarbeit mit dem britischen Einzelhändler Marks & Spencer’s erarbeitet der WWF bereits eine ausführliche Unternehmensanalyse, um Möglichkeiten zur Reduzierung des Wasser-Fußabdrucks aufzuzeigen.