Was ist REDD?

- Brandrodung am Amazonas. © Zig Koch / WWF-Canon
REDD steht für Reducing Emissions from Deforestation and Degradation, die Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern. Da die Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung 20 bis 25 Prozent der vom Menschen produzierten Treibhausgase betragen, muss der Schutz von Wäldern in die internationalen Klimaverhandlungen einbezogen werden. Zudem belegte der Stern Report (2006), dass die Drosselung der weltweiten Entwaldung ein äußerst kostengünstiger Weg sein kann, zum Klimaschutz beizutragen.
Die Grundidee von REDD ist relativ einfach. Sie basiert auf der Funktion der Wälder als Kohlenstoffspeicher. Indem dem in den Wäldern gespeicherten Kohlenstoff ein wirtschaftlicher Wert beigemessen wird, kann der Erhalt von Wäldern in wirtschaftliche Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Im Rahmen eines REDD Systems sollen die Emissionen aus tropischer Entwaldung anerkannt und bewertet werden, damit wirtschaftliche Anreize für den Stopp der Entwaldung geboten werden können.
Obwohl die Theorie einfach klingt, ist die Umsetzung von REDD doch komplex und verschiedene strukturelle, technische und methodische Herausforderungen müssen gemeistert werden. Entwicklungsländer wie Costa Rica, Papua Neu Guinea, Brasilien und Indonesien haben in den letzten zwei Jahren Vorschläge bei der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) für die mögliche Ausgestaltung eines REDD Systems eingereicht. Welcher Weg letztlich beschritten wird, wird beginnend mit Bali, auf den Klimakonferenzen der nächsten Jahre ausgearbeitet.
Strukturelle Herausforderungen
Die derzeitige kontroverse Diskussion um REDD dreht sich um zwei Hauptthemen:
- Wie soll die Kompensation für den Erhalt der Wälder finanziert werden? Die beiden wichtigsten Optionen sind hier die Finanzierung über den verbindlichen Emissionshandel auf dem Kohlenstoffmarkt, oder eine freiwillige Finanzierung über spezielle internationale Fonds. Beide Möglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile und tragen letztlich zu einer Abwendung des Klimawandels bei. Auch eine Mischung aus beiden Mechanismen wäre möglich.
- Soll REDD als Mechanismus nach 2012 innerhalb oder ausserhalb eines (Post 2012)Kyoto - Anschlussabkommens existieren? Die Entscheidung darüber hängt vor allem davon ab, wie die Finanzierungsfrage entschieden wird. Über freiwillige Fonds,den Einbezug in den bestehenden internationalen Emissionshandel oder den Aufbau eines eigenen Handelssystems. Die letzten beiden Optionen erfordern politisch institutionalisierte Rahmenbedingungen und verpflichtende Zusagen wie im derzeitigen Kyoto Protokoll oder im europäischen Emissionshandel (EU ETS).
Methodische Herausforderungen für REDD
Damit eine Reduzierung der Entwaldung als Emissionsvermeidung anerkannt werden kann, müssen Vergleichswerte festgelegt werden, beispielsweise die durchschnittliche Entwaldungsrate in den 1980er oder 1990er Jahren. Zusätzlich müssen zuverlässige Monitoringsysteme sowohl für die Zerstörung als auch für die Degradierung von Wäldern etabliert werden. Des Weiteren muss sichergestellt werden, dass durch den Schutz der Wälder in einem Gebiet nicht die Entwaldung in einem anderen Gebiet beschleunigt wird. Dies könnte sichergestellt werden, indem der Rückgang der Entwaldung nicht auf lokaler, sondern auf nationaler Ebene gemessen, und das Ganze international kontrolliert wird. Auch wenn die Maßnahmen zum Waldschutz von dem jeweiligen betroffenen Land entwickelt und geleitet werden sollen, sollen sie doch von der Internationalen Gemeinschaft finanziell, organisatorisch und durch den Aufbau von Kapazitäten stark unterstützt werden, da diese insgesamt davon profitiert. Auf nationaler Ebene ist es entscheidend, die lokale Bevölkerung einzubinden, sowie Landbesitzrechte und –pflichten festzulegen.
Was tut und fordert der WWF?
Der WWF unterstützt den politischen Entscheidungsprozess durch fachliche Beratung auf den SBSTTA Foren und führt Pilotprojekte zu den verschiedenen Ansätzen im REDD Kontext durch. Die Erkenntnisse aus Pilotprojekten tragen zur Entscheidungsfindung bei den Verhandlungen um die zukünftige Ausgestaltung des REDD Mechanismus bei.
Ein zukünftiger REDD Mechanismus muss so konzipiert sein, dass die Einsparungen von Emissionen aus dem Waldbereich zusätzlich zu denen im Energiesektor stattfinden. Industrieländer dürfen sich nicht durch den Handel mit waldbezogenen Zertifikaten von ihren Verpflichtungen zur Einsparung von Emissionen im Energiesektor freikaufen können. Im Bezug auf REDD unterstützt der WWF eine flexible, schrittweise Herangehensweise, die die unterschiedlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten der einzelnen Länder berücksichtigt. Die Teilnahme an einem REDD System kann freiwillig sein, muss aber trotzdem durch klare Regeln für die Unterzeichnerländer definiert sein. Wichtig ist auch, dass sowohl Klimaaspekte als auch die Erhaltung der Artenvielfalt die Basis für einen zukünftigen REDD Mechanismus bilden müssen.
Hintergrundinformation: Grünes Licht für REDD
