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Umweltfreundlich urlauben – aber wie?

22. Juli 2010

WWF veröffentlicht Transparenzanalyse zu Nachhaltigkeit im deutschen Reisemarkt

 

Hamburg - Wie buche ich umweltfreundliche Ferien? Diese Frage stellen sich immer mehr Verbraucher vor Beginn der Reisesaison, denn längst ist nicht mehr allein der Preis ausschlaggebend für die Wahl des Urlaubsziels. Doch Hinweise auf die Klimafreundlichkeit, umweltverantwortliche Hotelführung  oder Ressourcenverbrauch  einzelner Reisen sind  in den meisten Reisekatalogen dünn gesät. Eine aktuelle Analyse des WWF offenbart Nachholbedarf bei der Kundeninformation zur Umweltverträglichkeit von Reiseprodukten. „Umweltorientierte Verbraucher brauchen oft viel detektivischen Spürsinn und Eigeninitiative für die Urlaubssuche, dabei liegen die entsprechenden Informationen den Veranstaltern oft vor“, sagt Martina Kohl, Tourismusexpertin beim WWF. „Die Verbraucher haben transparentere Information verdient: Der touristische Umwelt-Fußabdruck einer Reise sollte zu einem klaren Entscheidungskriterium werden – genau  wie Frühbucherrabbatte oder Gästezufriedenheit.“ Der WWF fordert die Entwicklung von Standards bei der Kennzeichnung von Reiseprodukten. Als erste positive Anzeichen wertet Kohl, dass die meisten der untersuchten Veranstalter einen Emissionsrechner für Flugreisen anböten und zumindest auf Kompensationsmöglichkeiten für CO2 Emissionen verwiesen.  

 

Die WWF-Umfrage bei 80 deutschen Reiseveranstaltern untersucht, welche wesentlichen Informationen zur Umweltverträglichkeit der angebotenen Reise dem Verbraucher transparent und einfach kommuniziert  werden und welche  er bisweilen mühsam selbst recherchieren muss, um seine Reiseentscheidung besser treffen zu können. Bewertet wurden u.a. Angaben zu klimawirksamen Emissionen, zum Verbrauch von Ressourcen wie Energie und Wasser und existierenden Umweltzertifikaten.  Sieben Reiseveranstalter sieht der WWF auf einem guten, verbraucherfreundlichen Weg im Hinblick auf die Offenlegung ihrer Umweltinformationen, darunter große und kleine Anbieter. Die Informationspolitik von jeweils acht Veranstaltern wurde als „akzeptabel“ oder „mit Nachholbedarf“ eingestuft. „Es ist ein bedauerlicher Ausdruck der am Markt herrschenden Intransparenz, wenn ca. 70 Prozent  der angesprochenen Veranstalter über die eigene Informationspraxis keine  Angaben machen“, sagt Kohl weiter. „Hier ist deutlich mehr Verbraucherfreundlichkeit gefordert.“  

 

Rund 35 Prozent der ausgewerteten Veranstalter verfügen über umweltfreundliche Produktlinien, ein Großteil (30 Prozent) informiert über diese auch aktiv. Über die Umweltverträglichkeit der restlichen Angebote finden sich kaum Informationen.  Wer beispielsweise vor der Buchung  erfahren möchte, ob das gewählte Hotel seine Abwässer sinnvoll nutzt bzw. an  eine Kläranlage angeschlossen ist oder ob das Urlaubsdomizil in oder nahe an sensiblen Naturlandschaften liegt, muss meist zeitraubend Umweltberichte konsultieren oder die Informationen separat beim Veranstalter erfragen.  

 

Der WWF ermutigt Verbraucher, umweltrelevante Informationen notfalls beim Anbieter abzufragen. Dazu gehöre die Frage nach einem nachhaltigen Hotelmangement beispielsweise  hinsichtlich Müll- und Abwasserentsorgung ebenso wie Hinweise auf soziale oder ökologische Besonderheiten im Gastland, für die einen Verhaltenskodex angeboten werden sollte. „Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Reisen wächst. Wenn sich die Verbraucher bei den Touristikunternehmen Gehör verschaffen, werden die Anbieter auch Licht in den Dschungel der Angebote bringen“, sagte WWF Expertin Kohl weiter.

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