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WWF und TV-Koch Henssler raten zu bewusstem Fischkonsum

22. Januar 2009

Neuer WWF-Einkaufsratgeber empfiehlt Alaska Seelachs, Hering, Forelle und Makrele.

 

Hamburg - Der WWF und TV-Koch Steffen Henssler haben heute in dem kürzlich eröffneten Henssler-Restaurant „Ono“ den neuen „WWF-Einkaufsratgeber Fisch und Meeresfrüchte“ vorgestellt. Als gute Wahl beim Fischkauf gelten demnach Seelachs, Hering, Forelle oder Zander. Dagegen rät der WWF von Schwertfisch, Hai, Rotbarsch und tropischen Shrimps ab. „Die Überfischung der Meere ist dramatisch. Die Verbraucher sind das Zünglein an der Waage. Wer an der Fischtheke die richtige Entscheidung trifft, betreibt aktiven Meeresschutz“, so WWF-Fischereiexpertin Heike Vesper. Verbraucher sollten beim Einkauf auf das blaue Umweltsiegel des „Marine Stewardship Council“ (MSC) achten oder Bio-Fisch bevorzugen.

 

WWF-Meeresanwalt Steffen Henssler kündigte an, auf Fisch zu verzichten, der beim WWF rot gelistet ist. „Keine leichte Sache für einen Seafood-Koch. Roter Tunfisch beispielsweise ist unglaublich lecker. Aber den wird es bei mir nicht mehr geben, weil er rücksichtslos geplündert wird“, erklärte Henssler. „Als Fernsehkoch und in meinen Restaurants will ich den Menschen zeigen, dass man bei Fisch nicht nur auf Geschmack und Qualität, sondern auch auf die Umwelt achten muss.“

 

In dem handlichen Einkaufsführer für die Brieftasche bewertet der WWF 35 Wildfischarten aus über 70 Beständen sowie 10 Aquakulturarten nach einem Ampelsystem. „Im Vergleich zu unserem letzten Ratgeber können wir dem Verbraucher diesmal genauere Empfehlungen geben“, erläutert Vesper. Denn der Handel hat angekündigt, Fisch noch in diesem Jahr nach Herkunftsgebieten zu kennzeichnen. Es lohne sich, beim Einkauf genau hinzugucken.

 

So bewertet der WWF zum Beispiel Kabeljau aus verschiedenen Quellen: Pazifischer Kabeljau mit dem MSC-Siegel gilt ebenso als gute Wahl wie Kabeljau aus der Nordost-Arktis. Hingegen rät der WWF vom Kauf ab, wenn der Kabeljau aus den überfischten Beständen in der Nordsee oder Ostsee stammt. „Wenn die Herkunftsangabe fehlt, sollte man generell auf Kabeljau verzichten“, rät Vesper.

 

Das vom WWF besonders empfohlene MSC-Siegel steht für nachhaltige Meeresfischerei, bei der nicht mehr Fisch gefangen wird, als nachwächst. Heute sind bereits über 300 MSC-Produkte in deutschen Supermärkten erhältlich. Im WWF-Ratgeber ist MSC-Fisch besonders gekennzeichnet.

 

Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO sind 77 Prozent der weltweiten Fischbestände überfischt oder bis an ihre Grenzen ausgebeutet. Fast 90 Millionen Tonnen Fisch werden jährlich aus den Meeren geholt. Hinzu kommen viele Millionen Tonnen Beifang und illegal gefangener Fisch. Allein in der Nordsee verenden jährlich eine Million Tonnen Fisch und andere Meerestiere als Beifang. Sie werden sterbend oder tot zurück ins Meer geworfen. Ganze Lebensräume wie zum Beispiel empfindliche Kaltwasserkorallenriffe werden durch schweres Fischereigerät zerstört. Wissenschaftler rechnen mit einem Zusammenbruch der kommerziellen Fischerei bis 2050, wenn die bisherige Plünderung der Meere unverändert weitergeht.

 

Die Krisenmeldungen aus den Ozeanen haben längst auch die Bürger erreicht. Laut einer vom WWF in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage sehen 87 Prozent der Deutschen die Überfischung der Ozeane mit großer Sorge.

 

Leider bietet auch die weltweit boomende Aquakultur häufig keine umweltfreundliche Alternative, berichtet der WWF. So sollte man zum Beispiel auf chilenischen Lachs verzichten. Für diese Zuchten würden ganze Küstenstriche zerstört. Hingegen könne man Bio-Lachs aus Irland, Schottland oder Norwegen ohne Reue genießen. Verbraucher sollten beim Kauf von Zuchtfisch auf das Naturland- oder das Bioland-Label achten.

 

Interessierte können den WWF-Einkaufsratgeber Fisch und Meeresfrüchte direkt herunterladen. Der Ratgeber kann auch gegen Einsendung eines mit 55 Cent frankierten Rückumschlages per Post angefordert werden. Anschrift:
WWF, Infoservice, Rebstöcker Str. 55, 60326 Frankfurt.

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